Drama | USA 2021 | 102 Minuten

Regie: Theodore Melfi

Ein Ehepaar stürzt durch den Kindstod seines Babys in eine tiefe Sinnkrise. Während der gebrochene Vater in einer psychiatrischen Fachklinik landet, verdrängt die einst lebensfrohe Mutter ihren Schmerz und geht weiterhin zur Arbeit. Durch die zufällige Begegnung mit einem aufdringlichen Vogel und mit Hilfe eines ehemaligen Psychiaters beginnt sich das ungleiche Paar wieder anzunähern und der notwendigen Trauerarbeit zu stellen. Ein misslungenes Drama um Tod und Trauerarbeit, das seine ernsten Kernthemen mit einem hanebüchenen Plot untergräbt, in dem platte Dialoge, eine aufdringliche Musikvideoästhetik sowie ein miserabel animierter Vogel unfreiwillige Albernheit verbreiten. - Ab 14.

Filmdaten

Originaltitel
THE STARLING
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2021
Regie
Theodore Melfi
Buch
Matt Harris
Kamera
Lawrence Sher
Musik
Benjamin Wallfisch
Schnitt
Matt Friedman · Peter Teschner
Darsteller
Melissa McCarthy (Lilly Maynard) · Chris O'Dowd (Jack Maynard) · Kevin Kline (Dr. Larry Fine) · Timothy Olyphant (Travis Delp) · Veronica Falcón (Rosario Alvarez)
Länge
102 Minuten
Kinostart
-
Pädagogische Empfehlung
- Ab 14.
Genre
Drama

Schräge Vögel: Tragikomisches Familiendrama um die Überwindung eines Verlusts mit Melissa McCarthy und Chris O’Dowd

Diskussion

Nancy Rothwelder (Elisabeth Röhm), eine erfahrene Dozentin für Psychosomatik und Traumatherapie, gibt in ihrer anspruchsvollen Arbeit nie schnell auf. Im Gegenteil: Sie ist schwierige Patient:innen wie Lilly Maynard (Melissa McCarthy) und deren gebrochenen und hochgradig suizidgefährdeten Mann Jack (Chris O’Dowd) durch jahrelange Berufspraxis eigentlich gewohnt. Doch in der psychotherapeutischen Behandlung dieses ungleichen Ex-Hippies-Paares, das sich zusehends entfremdet, scheint selbst Nancy mit ihrem Latein inzwischen am Ende zu sein. Was aber letztlich kein Wunder ist, da beide vor kurzem das Worst-Case-Szenario schlechthin für junge Eltern erleiden mussten: den plötzlichen Kindstod ihres Babys Katie.

Trotz ihrer engagierten Arbeit gelingt es Nancy nicht, den (Über-)Lebenswillen des Paares neu zu entfachen; Lilly flüchtet inzwischen immer regelmäßiger aus ihren Gruppensitzungen in Richtung ihres schildkrötengleichen Autos, das draußen auf dem Parkplatz einer paradiesisch gelegenen Nervenheilanstalt steht – und letztlich wie ein stummes Gefängnis auf sie wartet.

Ein Tierarzt soll den psychotherapeutischen Härtefall übernehmen

Und so sitzt die einstmals lebensfrohe Lilly auch zu Beginn von Theodore Melfis Tragikomödie „Der Vogel“ nach einem Zwist mit Nancy ebenso frustriert wie planlos am Steuer ihres heruntergekommenen Mittelklassewagens. Wo soll sie denn jetzt noch hinfahren? Kommt ihr Ehemann Jack aus dieser Nervenheilanstalt überhaupt noch einmal heraus? Und mit wem kann sie überhaupt noch konstruktiv über ihren enormen Verlust sprechen, ohne selbst durchzudrehen?

Doch bevor sie die Fensterscheibe hochfahren kann, drückt ihr die nicht lockerlassen wollende Psychotherapeutin dieses Mal wenigstens schnell noch die Visitenkarte eines renommierten Ex-Kollegen namens Larry (Kevin Kline) in die Hand: „Ein ehemaliger Arbeitskollege von mir. Jemand zum Reden.“ Der hätte einst Direktor der renommierten Johns Hopkins Universität in Baltimore werden können. Im Kern sei er immer noch eine Koryphäe für scheinbar aussichtslose Fälle, auch wenn Larry inzwischen als warmherziger Tierarzt mit eigener Praxis tätig ist und eigentlich keine psychotherapeutischen Fälle mehr behandeln möchte. Wenigstens ein einziges Mal solle sie diesen humorvollen „Wunderheiler“ kontaktieren. Ob sie ihr das glaubhaft versprechen könne?

Kurze Zeit später sitzt Lilly, die weiterhin in der Lage ist, zu ihrem Arbeitsplatz im Supermarkt zu gehen oder sich sogar im früheren Kinderzimmer ihrer verstorbenen Tochter aufzuhalten, tatsächlich in Larrys ungewöhnlicher Tierarztpraxis. Im Gegensatz zu Jack, der früher als Kunstlehrer arbeitete und nun große soziale Störungen im Verhalten mit Kindern zeigt, versucht sie es wenigstens, irgendwie weiterzumachen, auch wenn ihr echte Trauerarbeit nach wie vor schwerfällt.

Küchenpsychologische Weisheiten

„Der Name ihres Haustieres?“, heißt es am Empfangstresen – „Ein Haustier habe ich nicht“, antwortet Lilly zur Überraschung der Praxisangestellten – „Sie haben keines?!“ In kurzen Dialogen wie diesen, die Heiterkeit versprühen sollen, Drehbuchautor Matt Harris aber schlichtweg dämlich und völlig überraschungsarm geraten sind, deutet sich bereits die gesamte Misere dieses komplett missratenen Familiendramas an, das sich weder mit ernsthafter Trauerarbeit beschäftigt, noch mit skurril überzeichneten Feel-Good-Momenten punktet.

Stattdessen hagelt es küchenpsychologische Weisheiten (Larry: „Es geht nicht um Katie. Es geht um Jack und Sie, und wie sie beide neu starten können.“), ehe Lilly eines Morgens einem aufdringlichen Star im Garten ihres kleinen Häuschens begegnet, der sie fortan täglich ärgert. Dieser ist allerdings derart miserabel animiert, dass es rasch unfreiwillig albern wird.

Zusammen mit einer fürchterlichen Synchronisation („Wie schlafen Sie?“ – „Gut.“ – „Ernährung ausgezeichnet?“ – „Ich weiß nicht, ob Michelin-Sterne vergeben werden in Nervenheilanstalten. Aber falls sie es tun...“), aufdringlichen Farbfiltern sowie einer nervenden Musikvideo-Ästhetik, die vor Pathos nur so strotzt, kippt Melfis süßsäuerlicher Genremix vollends ins Ärgernis. Angesichts dieses hanebüchenen Plots mitsamt seiner vielen dramaturgischen Ungereimtheiten helfen nicht einmal drei prominente Hauptdarsteller, um den Themen Tod und Trauerarbeit wenigstens etwas schauspielerischen Glanz zu verleihen. Was bleibt, sind eine Reihe verkitschter Postkartenmotive ohne jede visuelle Substanz.

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