Operation Portugal

Komödie | Frankreich 2021 | 91 Minuten

Regie: Frank Cimière

Ein tollpatschiger Polizist wird für eine Drogenfahndung auf einer Baustelle als vermeintlicher Verwandter in die Familie der portugiesisch-stämmigen Betreiber eingeschleust. Angesichts ungenügender Vorbereitungen droht er jedoch immer wieder aufzufliegen. Die um die Kunstfigur eines radebrechenden Ausländers herum entwickelte Komödie bietet einem französischen Comedian Raum für seine bühnenerprobte Komik, füllt den Rest des Films aber eher durchwachsen mit Albernheiten, Klamauk und grobem Humor. In der ambitionsarmen Inszenierung kommt auch die warmherzige Zeichnung der portugiesischen Community nur ansatzweise zum Tragen. - Ab 14.

Filmdaten

Originaltitel
OPÉRATION PORTUGAL
Produktionsland
Frankreich
Produktionsjahr
2021
Regie
Frank Cimière
Buch
Frank Cimière · D'Jal
Kamera
Matthieu-David Cournot
Musik
Maxime Desprez · Michaël Tordjman
Schnitt
Stéphanie Gaurier
Darsteller
D'Jal (Hakim) · Sarah Perles (Julia) · Pierre Azéma (Kommissar) · Farida Ouchani (Aïcha) · Carmen Santos (Avo Lena)
Länge
91 Minuten
Kinostart
23.09.2021
Fsk
ab 12; f
Pädagogische Empfehlung
- Ab 14.
Genre
Komödie

Komödie um einen tollpatschigen Polizisten, der für eine Drogenfahndung als vermeintlicher Verwandter in die portugiesisch-stämmige Familie der Betreiber einer Baustelle eingeschleust wird.

Diskussion

Der Vater war ein Held, daran wird Hakim täglich erinnert. Das Foto des ewig jungen, stolz und selbstbewusst dreinschauenden Mannes in Uniform und mit Käppi blickt von der Wohnzimmerwand auf den Sohn herab; die Pistole des im Dienst gestorbenen Polizisten hängt daneben. Nicht einfach, unter solch forderndem Blick ein eigenes Selbstbewusstsein zu entwickeln, zumal wenn die Mutter einen lieber bei der Post sehen würde.

Dabei hat Hakim die besten Absichten, seinem Vater nachzueifern und sich als Verbrechensbekämpfer hervorzutun. Doch der gute Wille wird durch Glücklosigkeit im Einsatz regelmäßig ausgebremst, was bei Hakim in peinlich-schmerzliche Situationen und bei seinem Vorgesetzten in Wutausbrüche mündet. Der Kommissar würde Hakims Mutter jederzeit zustimmen: Ihr gutmütiger Tollpatsch von Sohn ist bei der Polizei eindeutig fehl am Platz.

Kopfhaar und Schnurrbart werden angeklebt

An dieser Ansicht ändert auch die komödientypische Bewährungsprobe in „Operation Portugal“ zunächst nichts. Hakim wird von einer Interpol-Ermittlerin für eine Undercover-Ermittlung gegen Drogenschmuggler eingespannt. Auf der von einer portugiesisch-stämmigen Familie geleiteten Baustelle werden Säcke mit einer Mischung aus Zement und Kokain vermutet; da deren Oberhaupt die Bauleitung schwerverletzt nicht ausüben kann, befindet sich ein entfernter Cousin als Ersatzmann auf dem Weg von Portugal nach Paris, dem Hakim wie aus dem Gesicht geschnitten gleicht. Dem kahlköpfigen Polizisten werden deshalb die fehlenden Haare und ein Schnurrbart angeklebt, und auch eine Schnellschulung zum Portugiesen steht an; da sein Doppelgänger allerdings früher als gedacht kommt, bleibt es bei Grundkenntnissen über schwer auszusprechende Wörter, fremdartige Speisen und Nationalhelden wie Magellan und Cristiano Ronaldo. Mit diesem Rumpfwissen tritt Hakim bei der Familie de Almeida an, wo er sein Heil darin sucht, lieber Französisch mit Akzent zu sprechen, als sich auf seine wenigen Brocken Portugiesisch zu verlassen.

Es sind vor allem solche Auftritte als radebrechender Ausländer, mit denen der französische Komiker Djalel Biad unter dem Künstlernamen D’jal in Bühnenprogrammen und auf Youtube eine gewisse Bekanntheit erworben hat. Es lag daher nahe, bei seinem ersten Spielfilm als Hauptdarsteller und Autor auf die etablierte Formel zu setzen. „Operation Portugal“ ist deshalb um Situationen herumgebaut, in denen D’jal alias Hakim mit schwerem Akzent den falschen Portugiesen gibt und ständig in Gefahr schwebt, enttarnt zu werden.

Als Cousin „Joaquim“ bekommt er es mit einer skeptischen Gastfamilie – bestehend aus dem schwerverletzten Vater José, der von der Bevorzugung eines fremden Vetters wenig begeisterten Tochter Julia und einer besonders misstrauischen Großmutter – zu tun, sowie auch mit den Portugiesen unter den Bauarbeitern. Diese bilden eine weitgehend geschlossene Community und lassen Hakim zunächst begreifen, dass auch ein wenig Wissen über Baustellen ganz hilfreich gewesen wäre, bevor sie ihn als einen der ihren akzeptieren. Was unter anderem schweres Essen und hochprozentigen Schnaps bedeutet, Fußballschauen im Portugal-Trikot, Messen zu Ehren der Heiligen Fatima.

Ein integrativer Humor

In der Darstellung der Portugiesen setzen D’jal und der Regisseur und Co-Autor Frank Cimière zwar auf ethnische Stereotype, doch sie haben den Humor integrativ angelegt. Bei all ihren Eigenarten sind die portugiesischen Charaktere warmherzig und sympathisch, und die Witze so, dass eventueller Nationalstolz nicht verletzt zu werden droht. Die energiegeladenen Auftritte D’jals als falscher Joaquim zeigen zudem, dass er sich dabei ganz in seinem Element befindet, während der übrige Humor des Films eher durchwachsen ausfällt. So lässt er sich zwar tapfer auf Grimassen, Albernheiten, Klamauk und grobe Witze unterhalb der Gürtellinie ein, doch die zünden nur selten. Ähnliches gilt für überzogene Verhaltensweisen der Nebenfiguren wie eine schwer asthmatische Interpol-Agentin, ihre Schmerzgrenzen austestenden Mitarbeiter oder Hakims besitzergreifende und schamlose Mutter.

„Operation Portugal“ erweist sich als wenig konsequent erdachter Film, der zu viele Schauplätze etabliert und sich in Nebensächlichkeiten verhaspelt, statt dem Hauptplot die nötige Beachtung zu schenken, die seine grundlegende Absurdität vergessen machen könnte. Die Kombination aus fehlender Erfahrung, geringem inszenatorischen Ehrgeiz und einem kleinen Budget bremst den Film immer wieder aus, der zwischen gelungeneren Gags in eine zähe Gangart zurückfällt.

Das ist auch deshalb schade, weil „Operation Portugal“ in anderer Hinsicht gar nicht gedankenlos wirkt. Da gibt es die Figur von Julia, die mit dem patriarchalischen System und der Baustellen-Macho-Sphäre gleich an zwei Fronten um Anerkennung ringt, und die das Drehbuch nie als reinen „Love Interest“ präsentiert, da sind das Motiv der empfundenen Nichtzugehörigkeit, das Hakim ebenso betrifft wie die Bauarbeiter, und die klare Haltung zu xenophoben Sichtweisen. Der Film gerät wie sein Protagonist jedoch gerade dort in Stolpern, wo es einen festeren Tritt gebraucht hätte; in der Komödien-Konkurrenz reicht das nur fürs Mittelfeld.

Kommentar verfassen

Kommentieren