Abenteuer | USA 2021 | 109 Minuten

Regie: Jonathan Hensleigh

Drei schwere Trucks und sechs Fahrer sollen lebensrettendes Bohrgerät zu einer Diamantenmine transportieren, wo zwei Dutzend Bergleute verschüttet wurden. Da die Zeit knapp wird, führt die Route über den zugefrorenen Winnipeg-See, dessen Eis allmählich schmilzt. Anfangs fesselnder Actionthriller, der seine Spannung aus seinen klaren Voraussetzungen bezieht, darüber aber die Charakterisierung der Figuren vernachlässigt. Durch eine skrupellose Intrige bekommt der Film jedoch etwas Überladenes, das die Schlichtheit der Prämisse in ein kompliziertes Konstrukt verwandelt, dem man keinen Glauben mehr schenkt. - Ab 16.

Filmdaten

Originaltitel
THE ICE ROAD
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2021
Regie
Jonathan Hensleigh
Buch
Jonathan Hensleigh
Kamera
Tom Stern
Musik
Max Aruj
Schnitt
Douglas Crise
Darsteller
Liam Neeson (Mike McCann) · Marcus Thomas (Gurty McCann) · Laurence Fishburne (Jim Goldenrod) · Amber Midthunder (Tantoo) · Benjamin Walker (Tom Varnay)
Länge
109 Minuten
Kinostart
14.10.2021
Fsk
ab 16; f
Pädagogische Empfehlung
- Ab 16.
Genre
Abenteuer | Action

Actionthriller über ein Himmelfahrtskommando, bei dem schweres Bohrgerät im Frühjahr über den noch zugefrorenen Winnipeg-See transportiert werden soll.

Diskussion

Mike McCann (Liam Neeson) ist Truckerfahrer. Zusammen mit seinem jüngeren Bruder Gurty, der seit einer Verletzung im Irak-Krieg geistig behindert ist, aber Motoren reparieren kann wie kein zweiter, transportieren sie Güter durch Nordamerika. Die Behinderung seines Bruders führt allerdings dazu, dass sie in letzter Zeit immer öfter den Arbeitgeber wechseln mussten. Der Traum von der Selbständigkeit mit eigenem Truck bleibt bislang unerfüllt.

Da kommt es in einer Diamantenmine in der kanadischen Provinz Manitoba zu einer Gasexplosion. Zwei Dutzend Bergarbeiter werden verschüttet; der Sauerstoff unter Tage reicht höchstens noch für 36 Stunden. Um die Kumpel zu retten, sollen drei tonnenschwere, achtzehnrädrige Trucks möglichst rasch Bohrköpfe zur Mine transportieren. Die schnellste Route führt dabei über den zugefrorenen Winnipeg-See, die sogenannte Ice Road. Allerdings ist es schon April und das Eis wird nicht mehr lange halten. Trotzdem machen sich die sechs Fahrer, unter ihnen auch ein von Laurence Fishburne gespielter Organisator, und eine junge, kratzbürstige Indianerin, deren Bruder in der Mine eingeschlossen ist, auf den Weg. Mit von der Partie ist ein Versicherungsbeamter der Minenbetreiber. Doch der treibt ein falsches Spiel.

Nicht zu langsam, nicht zu schnell

Die Prämisse dieses Actionfilms von Jonathan Hensleigh verspricht höchste Spannung. Der Film mutet fast wie eine Paraphrase von Henri-Georges Clouzots „Lohn der Angst“ an. Hier wie dort verlangt eine Katastrophe sofortige Hilfe. Männer, die nichts zu verlieren haben, werden mit ihren Trucks auf ein Himmelfahrtskommando geschickt, aus dem Nitroglyzerin, das jeden Moment in die Luft gehen könnte, wird hier eine schwere Ladung, die jeden Moment im See versinken und alle mit sich reißen könnte.

„The Ice Road“ erklärt zunächst die Voraussetzungen, an denen sich die Spannung festmachen lässt. So führt jeder Truck dieselbe Ladung mit sich; es reicht, wenn einer durchkommt. Die Laster dürfen nicht zu langsam fahren, sonst brechen sie wegen des hohen Gewichts ein. Sie dürfen nicht zu schnell fahren, sonst führen vorauseilende Druckwellen im Eis dazu, dass sie verunglücken.

Man weiß, dass nicht jeder Truck sein Ziel erreichen wird, man ahnt, dass die physikalischen Gesetze ihren Tribut fordern. Doch wo Clouzot seine Figuren ausführlich einführt, bleiben sie bei Hensleigh eigentümliche Leerstellen, die kaum berühren. Am interessantesten ist noch die Beziehung McCanns zu seinem Bruder, der seine ganze Fürsorge verlangt, der durch seine technischen Fähigkeiten aber auch unentbehrlich ist. Für die verschütteten Bergleute hingegen interessiert sich der Film kaum; nur ganz selten wird in die Mine geschnitten.

Der Schwung von einst ist dahin

Die Bedrohung durch den Luftmangel, die die Handlung in Gang gesetzt hat, teilt sich in den Bildern nicht mit. Der größte Fehler des Drehbuchs ist aber, mit dem vermeintlichen Versicherungsbeamten einen Saboteur einzuschleusen, der wiederum auf die Gier der Minenbetreiber und die Ausbeutung der Natur verweist. Mit einem Mal bekommt der Film etwas seltsam Überladenes. Die Schlichtheit der Prämisse, eigentlich Garant für fesselnde Unterhaltung, verwandelt sich in ein kompliziertes Konstrukt, für das die winterlichen Landschaftsaufnahmen nicht entschädigen.

Und Liam Neeson? Der spielt einmal mehr den grummeligen alten Mann, der gegen das Böse kämpft und jeder Gefahr trotzt. Doch seine Fähigkeiten haben sichtlich nachgelassen, der Schwung von einst ist dahin.

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