Dinner for Two (2021)

Drama | Dänemark/Schweden 2021 | 99 Minuten

Regie: Christoffer Boe

Ein Ehepaar möchte sich mit seinem eigenen Restaurant den Traum von einem Michelin-Stern erfüllen. Im Zentrum des Charakterdramas stehen zwei Figuren, die von Ehrgeiz angetrieben sind und ihrem Traum alles andere unterordnen. Das bekommen nicht nur die beiden Kinder zu spüren, sondern es belastet auch die Beziehung des Paars. Das Drama blickt entlarvend hinter die Kulissen der hohen Koch-Künste und glitzernden Michelin-Sterne und kreist um einen Perfektionsdruck, der die Leidenschaft der Figuren für ihre Kochkunst mehr und mehr überlagert. Herausragend besetzt in den Hauptrollen, weiß der Film auch ästhetisch zu überzeugen. - Ab 14.

Filmdaten

Originaltitel
SMAGEN AF SULT
Produktionsland
Dänemark/Schweden
Produktionsjahr
2021
Regie
Christoffer Boe
Buch
Christoffer Boe · Tobias Lindholm
Kamera
Manuel Alberto Claro
Musik
Anthony Lledo · Mikkel Maltha
Schnitt
Janus Billeskov Jansen · My Thordal
Darsteller
Katrine Greis-Rosenthal (Maggi) · Nikolaj Coster-Waldau (Carsten) · Flora Augusta (Chloe) · Charlie Gustafsson (Frederik) · August Vinkel (August)
Länge
99 Minuten
Kinostart
-
Fsk
ab 12; f
Pädagogische Empfehlung
- Ab 14.
Genre
Drama | Liebesfilm

Heimkino

Verleih DVD
Koch (16:9, 2.35:1, DD5.1 dän./dt.)
Verleih Blu-ray
Koch (16:9, 2.35:1, DD5.1 dän./dt.)
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Ein unzertrennliches Paar aus einer Restaurant-Managerin und einem Gourmet-Koch strebt nach dem ersten Michelin-Stern für ihr Restaurant.

Diskussion

Maggi (Katrine Greis-Rosenthal) und Carsten (Nikolaj Coster-Waldau) sind regelrecht besessen von ihrem Traum. Das Paar will unbedingt einen Michelin-Stern für sein eigenes Restaurant bekommen. So unterbrechen sie sogar die erste Liebesnacht seit langer Zeit, bevor sie überhaupt richtig begonnen hat, als sie erfahren, dass ein möglicher Michelin-Stern-Bewerter in ihr Restaurant gekommen ist. Als einem der Angestellten beim Kochen für den Gast jedoch ein Fehler passiert und Maggi bei ihrer Suche quer durch Kopenhagen den vermeintlichen Tester nicht mehr auffindet, ist ihre Enttäuschung groß. Doch ihrem Hunger nach dem Stern tut das keinen Abbruch.

Von diesem Hunger erzählt „Dinner for Two“. Bei den Filmfestspielen von Venedig lief „Smagen af Sult“ („Der Geschmack des Hungers“), so der Originaltitel, im vergangenen Jahr noch als 15 Minuten langes „Virtual Reality“-Projekt. Nun erzählt Regisseur Christoffer Boe die Geschichte mit einer rund sieben Mal so langen Laufzeit in klassischer Spielfilm-Form.

Ein respekt- und zugleich furchteinflößender Ehrgeiz

„Dinner for Two“ ist alles andere als eine Feel-Good-Geschichte über aufstrebende Köche, die ihren Traum von einem Michelin-Stern wahrmacht, keine genüssliche Huldigung an die Haute Cuisine. Der Regisseur ist vielmehr an seinen Figuren interessiert und an den Charaktereigenschaften, die überhaupt nötig sind, um in die Nähe der Auszeichnung zu kommen. Und kreist dabei vor allem um den verzehrenden Ehrgeiz, den Maggi und Carsten an den Tag legen. Er ist beeindruckend und respekt-, aber zugleich auch furchteinflößend. Um ihr Ziel zu erreichen, sind sie bereit, vieles, vielleicht zu vieles, zu opfern.

Nicht nur ihre eigene Beziehung leidet erheblich unter dem Streben nach dem Größten. „Was bedeutet dir am meisten, dein Mann oder dein Traum von den Sternen?“ ist eine der Fragen, denen sich Maggi ausgesetzt sieht. Selbst ihre beiden Kinder befinden sich häufig außerhalb des Fokus ihrer Eltern, der ganz auf den Stern ausgerichtet ist. Katrine Greis-Rosenthal und Nikolaj Coster-Waldau pushen sich dabei gegenseitig zu schauspielerischen Höchstleistungen. Sie bilden das Zentrum dieses Dramas, das entlarvend um den Perfektionsdruck in der Welt der Spitzengastronomie kreist.

Rückblenden erzählen vom Reifen des Traums

Dramaturgisch steuert der Film langsam, aber sicher auf die Bekanntgabe der neuen Michelin-Sterne als Höhe- und Wendepunkt zu, während Regisseur Boe, der zusammen mit Tobias Lindholm das Drehbuch geschrieben hat, dazwischen in längeren Rückblenden die Vorgeschichte des Paares beleuchtet. Man sieht, wie sich Maggi und Carsten kennengelernt haben, wie ihre Träume von einem eigenen Restaurant und einem Michelin-Stern reiften und wie sich ihre Beziehung untereinander, zu den Kindern und zu Freunden und Familie entwickelte. Daraus entsteht ein Porträt, das facettenreich ist, aber indes nie seinen emotionalen Kern aus dem Auge verliert: die Tragik eines Lebenstraums, der von beflügelnder Leidenschaft in eine verzehrende Obsession kippt.

Dass Kochen durchaus als Kunst angesehen wird, weiß auch Christoffer Boe. So tauchen er und Kameramann Manuel Alberto Claro den Film in entsprechend kunstvolle Bilder. Die Aufnahmen der auf den Punkt zubereiteten Luxus-Speisen wirken wie Stillleben oder Gemälde. Die Figuren taucht der Film immer wieder in Neon-Farben, die sie regelrecht einhüllen, spielt mit Schärfe und Unschärfe, mit Fokussierung und Perspektiven. So ist „Dinner for Two“ am Ende ein stark gespieltes und ästhetisch und erzählerisch spannendes Charakterdrama, angesiedelt in einer Branche, in der ein Fehler den Rausschmiss bedeuten kann. Die hohe Koch-Kunst ist eben eine Welt für sich. Und die ist nicht unbedingt glamourös, wie der Film in den packenden 105 Minuten nahelegt.

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