Drama | USA 2022 | 110 Minuten

Regie: Mattson Tomlin

In einer nahen Zukunft sind Androiden als Hausangestellte der Menschen ein fester Bestandteil des Alltags, aber nach einem Stromausfall begehren sie gegen ihre Schöpfer auf. Eine schwangere junge Frau und ihr Freund wollen deshalb ins Ausland fliehen, müssen dafür aber das von feindlichen Maschinenwesen bevölkerte „Niemandsland“ durchqueren. Auf bewährten Science-Fiction-Motiven basierendes Drama mit budgetbedingt sparsamen Effekten, das sich um Themen wie Liebe, Mutterschaft und den Kern des Menschseins dreht, davon aber nur sehr oberflächliche Vorstellungen entwirft. Trotz des spannenden Settings bleiben die Geschichte langatmig und ideenlos sowie die Figuren unausgereift. - Ab 16.

Filmdaten

Originaltitel
MOTHER/ANDROID
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2022
Regie
Mattson Tomlin
Buch
Mattson Tomlin
Kamera
Patrick Scola
Musik
Michelle Birsky · Kevin Olken Henthorn
Schnitt
Andrew Groves
Darsteller
Chloë Grace Moretz (Georgia) · Algee Smith (Sam) · Raúl Castillo (Arthur) · Linnea Gardner (Sarah) · Kiara Pichardo (Lisa)
Länge
110 Minuten
Kinostart
-
Pädagogische Empfehlung
- Ab 16.
Genre
Drama | Science-Fiction | Thriller

Dystopischer Thriller um eine Welt, in der Androiden gegen die Menschen rebelliert haben: Eine Schwangere versucht, in der vom Krieg gezeichneten Welt zusammen mit einem Freund einen sicheren Ort für die Geburt zu erreichen.

Diskussion

Georgia (Chloë Grace Moretz) ist ungewollt schwanger geworden. Während ihr Freund Sam (Algee Smith) ihr die Entscheidung überlässt, ob sie das Baby behalten will, weiß die junge Frau nicht einmal, ob sie überhaupt noch mit Sam zusammen sein will. Mattson Tomlins „Mother/Android“ eröffnet mit einem vertrauten Beziehungsdilemma in einem scheinbar ebenso vertrauten bürgerlich-urbanen Umfeld. Einen ersten Riss bekommt dieses Bild jedoch durch die seltsamen Butler, die hier scheinbar jeder Haushalt besitzt und deren Augen bei Lichteinfall unnatürlich blau leuchten.

Ein Aufstand der Maschinenwesen ändert alles

Zunächst verrät uns nur dieses Detail, dass wir uns in der Zukunft befinden. Nach einem folgenreichen Stromausfall ändert sich dann nicht nur der unsichere Beziehungsstatus des Paares, sondern auch das Schicksal der Menschheit. Die Androiden begehren plötzlich gegen ihre Schöpfer auf und beginnen sie auszulöschen. Nach einem Zeitsprung ist bereits alles anders. Als Flüchtlinge finden die hochschwangere Georgia und der ihr noch immer zur Seite stehende Freund Unterschlupf in einem Auffanglager. Doch eigentlich wollen die beiden nach Nordkorea, wo das Kind angeblich sicherer aufwachsen kann. Um diesem Ziel näher zu kommen, müssen sie jedoch erst durch das von Maschinenwesen bevölkerte „Niemandsland“.

Tomlins Indie-Science-Fiction-Drama vertraut weder auf eine futuristische Ausstattung noch auf spektakuläre Effekte, sondern auf unseren Glauben, dass die überwiegend in Wäldern und Innenräumen angesiedelte Geschichte in der Zukunft spielt. Auch im weiteren Verlauf schlägt sich das Fantastische lediglich in Kleinigkeiten nieder, etwa wenn das Paar von einer Minidrohne in Schmetterlingsform verfolgt wird oder die Mechanik unter der menschlichen Hülle eines versehrten Androiden entblößt wird.

Jede emotionale Regung wird zur lebensbedrohlichen Schwäche

Solche, wohl auf Budgetgründe zurückzuführende Beschränkungen werden in „Mother/Android“ allerdings nicht wirklich zum Problem, weil die dystopische Welt ohnehin eher indirekt bedeutend ist. Zum einen lässt sie die alltäglichen Spannungen in der Beziehung, denen sich Tomlin besonders in der ersten Hälfte des Films widmet, existenzieller erscheinen, zum anderen werden durch die Diktatur der Maschinen auch humane Besonderheiten betont. Die Androiden hätten den menschlichen Code gehackt, bemerkt einmal der im „Niemandsland“ hausende Einsiedler Arthur (Raúl Castillo), und tatsächlich wird in diesem Kriegsgebiet jede emotionale Regung zur lebensbedrohlichen Schwäche.

Hauptdarstellerin Chloë Grace Moretz wird dabei zum Inbegriff des Menschlichen. Der Film lässt sie viel zittern, leiden und kämpfen. Ihre Angst macht sie zwar schwach, aber durch ihre bedingungslose Liebe kann sie auch über sich selbst hinauswachsen. Zum Beispiel als sie versucht, den von Androiden gefangenen Sam zu befreien. Helfen soll ihr dabei Arthurs mit Stacheln übersäte Zauberjacke, die sie vor den Maschinen unsichtbar macht. Ähnlich wie bei einer Motorradverfolgungsjagd offenbart auch diese Szene, dass Tomlin mit solchen Spannungsmomenten nicht allzu viel anzufangen weiß. Die Kamera klammert sich dabei nur etwas hilflos an die mutige Heldin.

„Mother/Android“ verpasst es jedoch, aus Georgia eine lebendige Figur mit Profil zu machen. Ihre Gefühle und Beweggründe wirken nur grob umrissen und möglichst allgemeingültig. Ohne durchdachte psychologische Basis wird Moretz’ Darbietung zum reinen Oberflächenreiz. Irgendwas mit aufopferungsvoller Mutterschaft, bedingungsloser Liebe und unerschütterlichem Kampfgeist soll sie verkörpern, mehr scheint „Mother/Android“ an seiner Protagonistin nicht zu interessieren. Wie blass die Heldin gezeichnet ist, wird besonders in der unnötig zerdehnten melodramatischen Schlussszene deutlich, die einen erschreckend kaltlässt.

Halbgare Science-Fiction-Ideensammlung

Ähnlich überfordert steht Tomlin auch seiner schematisch aus bewährten Science-Fiction-Szenarien zusammengebastelten Geschichte gegenüber. Immer wieder verheddert er sich in Nebensächlichkeiten und langatmigen Dialogszenen, spielt mit Erwartungen, die Handlung dramatisch oder spannungstechnisch zu vertiefen, widmet sich dann aber doch jedes Mal etwas anderem. In seiner Richtungslosigkeit wirkt „Mother/Android“ in erster Linie unfertig, wie eine halbgare Ideensammlung ohne Rhythmus, Kontur oder auch nur einer konsequenten Idee davon, was er uns eigentlich erzählen will.

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