How to Talk to Girls at Parties

Musikfilm | Großbritannien/USA 2017 | 98 Minuten

Regie: John Cameron Mitchell

Das Jahr 1977 ist ein Kulturschock für Großbritannien: Der Punk sucht das Land wie eine Alien-Invasion heim. Auch ein Teenager sympathisiert mit der Punk-Bewegung und verliebt sich auf einer Party in eine ungelenke jugendliche Schönheit – die tatsächlich von einem anderen Stern kommt. Was eine schräge Coming-of-Age-Science-Fiction-Komödie über jugendliche Gefühlsverwirrungen sein möchte, will in der Umsetzung nicht recht funktionieren. Zu hölzern sind die Genre-Versatzstücke aneinandergereiht, während die zentralen Darstellerinnen fehlbesetzt sind. - Ab 16.

Filmdaten

Originaltitel
HOW TO TALK TO GIRLS AT PARTIES
Produktionsland
Großbritannien/USA
Produktionsjahr
2017
Regie
John Cameron Mitchell
Buch
Philippa Goslett · John Cameron Mitchell
Kamera
Frank G. DeMarco
Musik
Nico Muhly · Jamie Stewart
Schnitt
Brian A. Kates
Darsteller
Elle Fanning (Zan) · Alex Sharp (Enn) · Nicole Kidman (Boadicea) · Matt Lucas (PT Wain) · Ruth Wilson (PT Stella)
Länge
98 Minuten
Kinostart
-
Fsk
ab 16; f
Pädagogische Empfehlung
- Ab 16.
Genre
Musikfilm | Romantische Komödie | Science-Fiction

Heimkino

Verleih DVD
Nameless Media
Verleih Blu-ray
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Ein junger Punk stolpert auf einer Party über eine junge Schönheit, die sich als Teil einer Alien-Kolonie entpuppt: Eine schräge Coming-of-Age-Science-Fiction-Komödie.

Diskussion

Der Punk sucht das Land wie eine Alien-Invasion heim und die Sex Pistols kontern das silberne Thronjubiläum der Königin mit ihrem hingerotzten „God Save The Queen“. Das Jahr 1977 ist, gelinde gesagt, ein Kulturschock für Großbritannien. Diesen Kulturschock versteht John Cameron Mitchell in seinem Film „How to Talk to Girls at Parties“ zugleich wörtlich wie auch bildlich: Der Teenager Enn (Alex Sharp) ist Punk, aber vor allem ziemlich schüchtern. Deshalb weiß er nicht recht, wie ihm geschieht, als er eines Abends auf einer Party die hübsche Zan (Elle Fanning) kennenlernt – scheinbar ein Mädchen und scheinbar aus Kalifornien. Nur dass sie eben ein Alien ist und Enn und seine Kumpels aus Versehen in die Residenz ihrer Kolonie geraten sind. Die hat ihren Heimatplaneten zerstört und deshalb einen Abstecher zur Erde gemacht. Um nicht mehr aufzufallen als nötig, haben die Außerirdischen menschliche Formen angenommen. Natürlich ist Zan in Erdenstandards eine Schönheit: blond, rehäugig und mit „Haut wie Milch“. Die Kolonie will eigentlich weiterziehen, Zan will endlich irgendwo ankommen und Teil von etwas sein.

Punk-Boy meets Alien-Girl

Mitchell hat für seinen Film eine Kurzgeschichte von Neil Gaiman als Vorlage genommen und inszeniert dieses Kennenlernen im Wechsel von Musikvideoelementen zu rohem Gitarrengeschraddel und ungelenken Gesprächen, in denen Zan „mehr Punk erleben“ will und Enn aus ihren Erzählungen von „Parent Teachers“, die zur Erhaltung ihrer Kolonie die eigenen Kinder fressen, kaum schlau wird. Zan lernt ihren menschlichen Körper erst langsam kennen und wandelt zwischen Staunen und wissbegierigem Ausprobieren. Die ersten zaghaften Annäherungsversuche enden dann auch darin, dass sie Enn ankotzt, statt ihn zu küssen – Punk pur, sozusagen. Zumindest für den verblendeten Enn.

Was für Zan als Bildungsreise anfängt, ist für Enn der erste Versuch, endlich die Spezies Mädchen zu verstehen. Die klassische Boy-meets-Girl-Dramaturgie und der Clash von Punk und Aliens sind hier natürlich auch als Dilemma der Coming-of-Age-Phase zu verstehen: Wer hat sich nicht auch schon beim Versuch, das hübscheste Mädchen oder den coolsten Jungen der Party anzusprechen, wie ein Außerirdischer auf einem fremden Planeten gefühlt?

Die Elemente finden nicht recht zusammen

Auf dem Papier klingt all das wie eine schräge Coming-of-Age-Science-Fiction-Komödie, will auf der Leinwand allerdings nicht recht zusammenpassen, und die Versatzstücke aus beiden Genres bleiben hölzern nebeneinanderstehen. Die Analogie aus Aliens und Erwachsenwerden nutzt sich zudem schnell ab, und als letzter Spannungsbogen bleibt die Frage, ob es eine Zukunft für Zan und Enn geben kann. Dafür müsste es jedoch die Möglichkeit geben, sich mit den beiden zu identifizieren, doch dieses Duo lässt eher verwundert staunen denn mitfühlen. Das mag auch daran liegen, dass zwischen Alex Sharp und Elle Fanning in den Hauptrollen kaum Chemie entstehen will und deshalb bis zum Ende nicht klar wird, was Enn an der spröden und etwas dümmlichen Zan findet.

Alex Sharp wirft sich mit viel Spaß in die Rolle des Punks, doch bis auf Stachelfrisuren und Lederjacken ist vom Exzess der Subkultur kaum etwas zu spüren. Vor allem eine Szene bleibt als besonders ungelenk in Erinnerung. Darin treten die beiden gemeinsam mit einer Punk-Band auf, und Elle Fanning wirkt in ihren zerrissenen Klamotten und schwarz umrandeten Augen weiterhin wie ein „Spice Girl“ im Punk-Kostüm. Anarchie geht anders, da hilft auch ein Gastauftritt von Nicole Kidman kaum weiter. Mitchell inszeniert sie als eine Kreuzung aus Vivienne Westwood und David Bowies Koboldkönig Jareth in „Labyrinth“, und doch wirkt sie als Bandmanagerin ähnlich unglaubwürdig wie Elle Fannings Punk-Alien.

Hier fehlen die Anarchie und die Lust am Exzess, die Mitchell etwa in seinem Musical-Biopic Hedwig and the Angry Inch so unterhaltsam wie mitreißend inszeniert hat. Zu bewusst versucht „How to Talk to Girls at Parties“ exzentrisch zu sein und wirkt daher oft nur berechnend – und das ist letztendlich das Gegenteil von Punk.

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