Der Herr der Ringe: Die Ringe der Macht

Fantasy | USA 2022 | Minuten

Regie: J.A. Bayona

Fortschreibung der Fantasy-Saga um das Mittelerde-Universum von J.R.R. Tolkien, die als Serie jetzt im Zweiten Zeitalter, also vor „Der Hobbit“ und „Herr der Ringe“, angesiedelt ist. Es geht um die Herkunft der „Ringe der Macht", die scheinbar als Geschenke an Elben, Menschen und Zwerge geschmiedet wurden, tatsächlich aber Sauron bei der Unterwerfung der freien Völker helfen sollten. Die Serie verwendet Figuren und Handlungselemente aus Tolkiens Texten und spinnt sie mit frei erfundenen Figuren und Handlungen weiter aus. - Ab 14.

Filmdaten

Originaltitel
THE LORD OF THE RINGS: THE RINGS OF POWER
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2022
Regie
J.A. Bayona · Charlotte Brändström · Wayne Yip
Buch
Patrick McKay · John D. Payne
Kamera
Oscar Faura
Darsteller
Morfydd Clark (Galadriel) · Benjamin Walker (Gil-galad) · Charles Edwards (Celebrimbor) · Robert Aramayo (Elrond) · Ismael Cruz Córdova (Arondir)
Länge
Minuten
Kinostart
-
Pädagogische Empfehlung
- Ab 14.
Genre
Fantasy | Serie

Fortschreibung der Fantasy-Saga um das Mittelerde-Universum von J.R.R. Tolkien, die als Serie jetzt im Zweiten Zeitalter, also vor „Der Hobbit“ und „Herr der Ringe“, angesiedelt ist.

Diskussion

Ulkig sehen sie aus, die neuen Hobbits. Die sogenannten Harfüße kleiden sich in grobes Tuch und Felle, essen gern wilde Beeren, leben überhaupt sehr erdverbunden in windschiefen Baumhütten und haben noch gar keine große Geschichte. Bevor man weiß, welche Rolle diese Urhobbits in der riesigen, in Teilen schon bekannten Geschichte spielen, hat man sie schon ein bisschen lieber als ihre späteren Verwandten aus dem Auenland mit ihren Kataloghäuschen und Trachtenjankern. Die Serie „Der Herr der Ringe: Die Ringe der Macht“ setzt auf Ähnlichkeiten und kleine Unterschiede, wie auch auf einige bekannte neben vielen neuen Charakteren.

Aus dem "Zweiten Zeitalter"

Erzählt wird die Vorgeschichte der Filmtrilogien von Peter Jackson. Was für Frodo und seine Gefährten auf ihrem Weg Richtung Mordor nur noch mythisches Raunen war, ein Heldentum aus grauer Vorzeit, soll nun plastischer werden. Wesentliche Grundlagen lieferten das eher Fans vertraute Werk „Silmarillion“ aus dem fragmentarischen Nachlass von J.R.R. Tolkien, eine über Jahrzehnte erstellte Legendensammlung zu dem von ihm erdachten Gesamtkosmos Mittelerde, sowie die Anhänge zu „Herrn der Ringe“ und „Nachrichten aus Mittelerde“.

Für die Einführung in jenes „Zweite Zeitalter“, um das es nun geht, boten sich in den ersten beiden Folgen, die vorab zu sehen waren, die Elben an. Als unsterbliche Zeitzeugen bestimmen sie die ersten Teile, allen voran Galadriel, die spätere Königin von Lothlorien. Bevor sie den Kampf gegen Sauron aufnimmt, den bösen Herrscher, der in grimmiger Darth-Vader-Gestalt kurz ins Bild rückt, sieht man sie als junges Mädchen und Mobbingopfer, das früh um den Unterschied von Gut und Böse weiß. Sie hat noch keine übersinnlichen Kräfte, aber dafür Elrond an ihrer Seite, den sprachgewandten Wahl-Elb.

In dem deutlich jüngeren und auch diverseren Ensemble lohnt sich ein genauerer Blick auf die Besetzung. In Morfydd Clark als Galadriel erkennt man durchaus die königlichen Züge von Cate Blanchett, und auch Robert Aramayo als Elrond wirkt durchaus an Orlando Bloom als coolen Bogenschützen angelehnt.

Als die Hobbits noch wilder waren

Im Hobbit-Reich wiederholt sich das Spiel mit dem aufgeweckten Harfußmädchen Nori (Markella Kavenagh), dessen große Augen sichtlich gewollt Elijah Woods Frodo zitieren. Und so gehen auch die bekannten Konflikte in die zweite, nein erste Runde: Elrond muss sich mit undankbaren Zwergen herumschlagen, um eine Allianz zu schmieden. Nori hingegen, begleitet von einer ansprechend trägen Freundin namens Poppy, steht bald vor der Wahl zwischen schönem Leben und Verantwortung, leckeren Beeren oder möglicher Gefahr. Denn ein Riese ist vom Himmel gefallen und braucht Pflege; er schweigt aber über seine Herkunft und Absichten.

Muss man noch sagen, dass mit Arondir (Ismael Cruz Córdova) eine weitere Elbenfigur eingeführt wird, die sich unbotmäßig in eine Sterbliche verliebt, wie es später der schönen Arwen mit Aragorn ergeht? Orks und Trolle müssen bekämpft, Gebirge überwunden und wilde Meere durchquert werden. Von den Showrunnern J.D. Payne und Patrick McKay weise gestreute Charakterporträts lassen noch das Auftauchen von legendäre Figuren wie Gil-galad, Elendil und den Durins vermuten.

Mythos ist noch Geschichte

Doch auch die Wiederkehr des gerne Erinnerten wirkt durchaus in Tolkiens Sinn, der sein Mittelerde-Universum, in dem sich Geschichte immer wieder zu wiederholen droht, in großen Teilen zwischen zwei Weltkriegen niederschrieb. Mit ihren kleinen, teils sehr haarigen Füßen stehen die Hobbits auf den Schultern von Giganten. Die sind hier noch sehr menschlich, der Mythos ist noch Geschichte und verliert sich manchmal auch in Geschichten, wie im Serienformat wohl unumgänglich.

Einen gewöhnlichen, ereignislosen Alltag wird es in Mittelerde wohl nie geben, doch dem Kampf gegen Sauron wohnt noch nicht das Pathos inne, das die Kinofilme von Anfang an bestimmte. Nur die Elben scheinen das noch nicht begriffen zu haben und wirken darum noch etwas steifer als sonst.

Keinerlei Abstriche muss man bei der Ausstattung machen, was fürs Kino und die Streaming-Konkurrenten keine gute Nachricht ist. Angeblich 468 Millionen Dollar hat Amazon allein für die erste Staffel ausgegeben, und das sieht man. Die Elbenburg Lórien und noch mehr die unterirdischen Zwergenhallen von Khazad-dûm, eine Mischung aus Bergwerk und Gewächshaus, erzeugen prachtvolle Bilder. Auch hier wird eher auf Kontinuität denn auf Neuerung gesetzt; nicht umsonst war der Peter-Jackson-Set-Designer John Howe an der Gestaltung mitbeteiligt. Optisch hat sich zwischen den Zeitaltern nicht viel getan, von den kleinen Hobbitnomaden einmal abgesehen.

Insgesamt sind diese ersten Folgen noch nicht so spannend wie die „Der Herr der Ringe“-Filme, aber bereits jetzt deutlich lebendiger als die „Hobbit“-Trilogie. Enden wird das Abenteuer mutmaßlich mit dem Schmieden der Ringe und der Schlacht am Schicksalsberg. Fragt sich nur, nach wieviel Staffeln. Eine zweite ist bereits in Arbeit, auf fünf ist die Serie angelegt.

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