Namaste Himalaja - Wie ein Dorf in Nepal uns die Welt öffnete

Dokumentarfilm | Deutschland 2022 | 93 Minuten

Regie: Anna Baranowski

Auf dem Weg nach Pakistan werden zwei deutsche Globetrotter im Frühjahr 2020 von der Corona-Pandemie ausgebremst und müssen mehrere Monate in einem nepalesischen Bergdorf ausharren. Werden sie zunächst von den Einheimischen als potenzielle Überträger des Virus misstrauisch beäugt, bringen sich die Reisenden mehr und mehr in die Dorfgemeinschaft ein und erfahren etwas über deren entbehrungsreichen Alltag. Eine filmisch unspektakuläre Reisedokumentation, bisweilen mit spirituell angehauchten Reflexionen versehen, die bei aller Anteilnahme am Schicksal der nepalesischen Gastgeber letztlich doch eher als Selbsterfahrungstrip daherkommt. - Ab 14.

Filmdaten

Originaltitel
Produktionsland
Deutschland
Produktionsjahr
2022
Regie
Anna Baranowski · Michael Moritz
Buch
Anna Baranowski · Michael Moritz
Kamera
Anna Baranowski · Michael Moritz
Schnitt
Anna Baranowski
Länge
93 Minuten
Kinostart
11.08.2022
Pädagogische Empfehlung
- Ab 14.
Genre
Dokumentarfilm

Reisedokumentation über zwei Weltreisende, die von der Corona-Pandemie ausgebremst werden, in einem Bergdorf in Nepal ausharren müssen und mit dem Alltag der Dorfbewohner konfrontiert werden.

Diskussion

Eigentlich sollte Nepal nur eine Zwischenstation sein. Für Anna und Michael ist das Unterwegssein im Laufe der Jahre zu einer Lebensform geworden. Sie haben nicht mehr dabei, als in ihre Rucksäcke passt, und bewegen sich per Rad oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln durch die Welt. Nur Flugzeuge sind tabu. Im Prinzip jedenfalls. Denn zwischendurch fliegt Anna immer wieder mal nach Deutschland, wenn ihr irgendwo ein Job als Kamerafrau angeboten wird. Nach fünf Monaten der Trennung treffen sich die beiden Globetrotter im Frühjahr 2020 in der nepalesischen Stadt Pokhara wieder.

Doch die Wiedersehensfreude wird jäh getrübt, als kurz darauf die Corona-Pandemie auch den Himalaya erreicht. Die Stadt wird abgeriegelt und nahezu alle Läden bleiben geschlossen. Da die beiden nicht auf unabsehbare Zeit in der Großstadt festsitzen wollen, flüchten sie sich in ein nahes Bergdorf und mieten eine bescheidene Hütte. Die Bewohner begegnen den Fremden mit distanzierter Skepsis. Nicht zuletzt, weil sie Angst haben, die Besucher könnten das Virus in die Region tragen, die bislang von Infektionen verschont geblieben ist. Statt mit dem üblichen Willkommensgruß „Namaste“ werden Anna und Michael bisweilen weniger freundlich mit „Namaste Corona“ begrüßt.

Eine Reisedokumentation, die zum Stillstand kommt

Bis das Paar in Nepal strandet, sind zwanzig Minuten des Dokumentarfilms „Namaste Himalaja“ um. Bis dahin sieht man die beiden auf einer Radtour zum Nordkap oder bei einem Volksfest in Norwegen. Von dort macht Michael sich allein auf den Weg nach Russland, fährt mit der Transsibirischen Eisenbahn gen Osten, trifft Nomaden in der Mongolei und reist schließlich kreuz und quer durch China und Südostasien. Für ihn sicherlich ein spektakulärer Trip, aber als Zuschauer hat man solche, vielfach mit dem Smartphone gefilmte, Reisedokumentationen in den letzten Jahren auch im Kino bereits zuhauf gesehen. Zumal auch Michaels Begegnungen mit den Menschen vor Ort nur flüchtiger Natur sind.

Was diesen von ähnlich angelegten Reisefilmen unterscheidet, ist letztlich der durch die Pandemie erzwungene Stillstand. Und mit dem tun sich die beiden Abenteurer sichtlich schwer. Sonst ständig unterwegs, sehen sie sich plötzlich auf sich selbst zurückgeworfen und leiden darunter, dass ihnen schlicht langweilig ist. Erst nach und nach finden sie Kontakt zu einigen Dorfbewohnern und lernen, dass diese Corona weit härter trifft als die beiden ausgebremsten Globetrotter. Ein Bergführer hat keine Arbeit mehr, seit wegen der Schließung der Grenzen keine Touristen mehr ins Land reisen, und die Lebensmittel, die sonst vorwiegend aus Indien kommen, werden knapp oder für viele unerschwinglich. Anna und Michael packen hie und da mit an, helfen beim Bau eines Stalls, lernen, dass Reisanbau eine elende Plackerei ist, und staunen über Homeschooling per Handy. So man denn eines besitzt.

Zwangsaufenthalt als Selbsterfahrungstrip

Trotz dieser zaghaften Annäherung an die Dorfbewohner dreht sich der Film aber letztlich vor allem um das Paar aus Deutschland. Wie ihre Reisen kommt ihr Zwangsaufenthalt als Selbsterfahrungstrip daher. Man ist bei ihren Unterhaltungen dabei oder lauscht ihren – mal direkt, mal im Off – einzeln eingesprochenen Kommentaren über das, was ihnen gerade so durch den Kopf geht. Vielfach sind diese Reflexionen spirituell bis esoterisch angehaucht. Mal fühlt Anna eine Nähe zu Sandkörnern („Auch wir fühlen uns vom Wind getragen.“), mal sieht sie sich in ihrer Reiselust mit Menschen verwandt, die nicht zu ihrem Vergnügen unterwegs sind („Nomaden kennen keine Grenzen.“).

Filmisch sind die manchmal mit landestypischen Klängen unterlegten Sequenzen eher unspektakulär, und erstaunlicherweise kommen die schneebedeckten Achttausender hier so gut wie gar nicht vor. Auch über die Biografien der beiden Reisenden erfährt man nur wenig. Dass sie sich auf dem Jakobsweg kennen gelernt haben, er seinen Bürojob gekündigt und Hab und Gut verkauft hat – viel mehr ist da nicht. Dabei wüsste man doch beispielsweise schon ganz gern, wie man – bei aller Bescheidenheit – so eine Lebensform finanziert.

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