Action | USA 2022 | 99 Minuten

Regie: Dan Trachtenberg

Im 17. Jahrhundert irgendwo auf den amerikanischen "Great Northern Plains": Eine junge Ureinwohnerin träumt davon, Jägerin zu werden, findet aber bei ihrem Stamm wenig Unterstützung. Als sie sich ihrem großen Bruder und anderen Männern bei der Jagd nach einem Puma anschließt, stößt sie auf seltsame Spuren und bricht kurz darauf allein auf, um das unbekannte Wesen zu jagen. Daraus wird ein dramatisches Survival-Abenteuer, denn auf die junge Frau warten nicht nur die normalen Gefahren der Wildnis und brutale weiße Kolonisatoren, sondern auch ein Jäger, der nicht von dieser Welt ist. Ein Spin-off aus dem "Predator"-Franchise, das die für die Reihe typischen blutigen Kämpfe der Kreatur dosiert einsetzt und sich vor allem auf die Perspektive seiner faszinierenden weibliche Hauptfigur konzentriert, die sich mit Naturkenntnis, scharfer Beobachtungsgabe und Intelligenz gegen körperlich stärkere Gegner behauptet. - Ab 18.

Filmdaten

Originaltitel
PREY
Produktionsland
USA
Produktionsjahr
2022
Regie
Dan Trachtenberg
Buch
Patrick Aison
Kamera
Jeff Cutter
Musik
Sarah Schachner
Schnitt
Claudia Castello · Angela M. Catanzaro
Darsteller
Amber Midthunder (Naru) · Dakota Beavers (Taabe) · Dane DiLiegro (Predator) · Harlan Blayne Kytwayhat (Itsee) · Stormee Kipp (Wasape)
Länge
99 Minuten
Kinostart
-
Pädagogische Empfehlung
- Ab 18.
Genre
Action | Horror | Science-Fiction | Survival-Film

Sci-Fi-Actionfilm aus dem „Predator“-Franchise, der im Amerika des 17. Jahrhunderts spielt und um eine junge Ureinwohnerin kreist, die es mit einem außerirdischen Jäger zu tun bekommt.

Diskussion

Vom Schauspieler Carl Weathers, der durch seine Rolle als „Rocky“-Widerpart Apollo Creed einige Berühmtheit erlangte, stammt in Bezug auf die Dreharbeiten zum ersten „Predator“-Film mit Arnold Schwarzenegger die Anekdote, dass sich die körperbetonten Akteure bereits lange vor Tagesanbruch zum Muskeltraining trafen, damit ihre Bodys bei Drehbeginn auch ordentlich aufgepumpt aussahen. Diese Männerkörper-stählende Praxis ist heute insofern überlieferungswürdig, als Regisseur Dan Trachtenberg mit seinem „Predator“-Prequel „Prey“ einen konkreten Gegenentwurf zum hypertrophierten Männlichkeitsbild bereithält, in Gestalt einer weiblichen Hauptfigur, die beherzten Körpereinsatz zwar nicht scheut, doch gegenüber dem mörderischen Biest strategisch weitaus versiertere Überlebensmethoden an den Tag legt als weiland Arnold Schwarzenegger und seine stramme Spezialeinheit.

Ein Alien-Jagdausflug auf die „Great Northern Plains“

Die Prämisse des Originals ist Nichteingeweihten schnell auseinandergesetzt: Beim Predator handelt es sich um den Vertreter einer technologisch avancierten Trophäenjäger-Spezies, der es bei seinem Jagdausflug auf der Erde auf die Raubtiere am Ende der Nahrungskette abgesehen hat, vor allem auf den Menschen. 1987 lieferte sich Arnold Schwarzenegger mitsamt einer paramilitärischen Eliteeinheit eine brachiale Sumpf- und Dschungelschlacht mit der mörderischen Kreatur, an deren Ende Schwarzenegger der einzige Überlebende war. In den Jahren 1990 bis 2018 folgten einige Fortsetzungen, über die es – selbst bei großer Zuneigung – nicht viel zu berichten gibt.

Drehbuchautor Patrick Aison und Regisseur Dan Trachtenberg verlegen das Prequel nun auf den nordamerikanischen Kontinent des 17. Jahrhunderts, um die Geschichte der jungen Ureinwohnerin Naru zu erzählen, verkörpert von der US-Schauspielerin Amber Midthunder, die selbst eine Angehörige des Fort Peck Sioux Stammes ist.

Wie ihr großer Bruder Taabe (Dakota Beavers) will Naru Jägerin werden. Geschlechterungerechtigkeiten plagen indes nicht nur die westliche Zivilisation, sondern auch die Indigenen. Als angehende Jägerin hat es Naru in der rein männlichen Jagdeinheit ihres Bruders, die hinter einem Puma her ist, schwer. Für sie gilt es fortan, sich zu beweisen, vor ihrer Familie wie der gesamten Stammesgemeinschaft. Ihre Initiation muss sie dann auch schon bald bestehen, wenngleich in Konfrontation mit einer ganz anderen „Beute“, als es ihr zunächst vorschwebt.

Ein bösartiger Eindringling aus dem All

Die Inszenierung tut gut daran, die Indigenen nicht zu einer knuffigen Hollywood-Gattung „nobler Wilder“ zu idealisieren; Ungerechtigkeiten und Brutalität sind ihnen nicht fremd. Übertroffen werden sie indes deutlich von der Rücksichtslosigkeit europäischer Siedler. Als Naru allein loszieht, um rätselhaften Spuren zu folgen, auf die sie bei der Jagd nach dem Puma gestoßen ist, bekommt sie es nicht nur mit den Gefahren der Wildnis zu tun; sie stößt vielmehr auf die Kadaver einer ganzen Büffelherde, die von den Weißen nur der Felle wegen niedergemetzelt wurden, und schließlich auch auf einen waffenstarrenden Jagdtrupp weißer Männer.

Doch deren arrogantes Vertrauen in ihre Überlegenheit und ihre Schießeisen rächt sich bald, wenn das Wesen auftaucht, dessen Spuren Naru in die Wildnis gefolgt ist. Der Predator geht daran, die Emissäre des alten Kontinents genauso zu Hackfleisch zu verarbeiten wie die indigenen Krieger, die auf der Suche nach Naru sind. Deren große Stunde schlägt just, als der Predator beginnt, immer weitere Teile des männlichen Personals mit seinem umfangreichen Waffenarsenal auseinander zu nehmen.

Ein guter Jäger ist vor allem ein Beobachter

Die Frage, was den perfekten Jäger (oder die perfekte Jägerin) ausmacht, hängt über dem 100-minütigen Filmgeschehen, das sich als höchst effektiv getakteter und präzise inszenierter Survival-Thriller rund um eine starke weibliche Hauptfigur entpuppt. Der Predator selbst scheint athletischer und agiler als in den Vorgängerfilmen. In bester Ninja-Manier hechtet die ursprünglich vom Special-Effects-und-Make-Up-Meister Stanley Winston geschaffene Kreatur in bedrohlichem Tempo von Baum zu Baum und von Schauplatz zu Schauplatz.

Gleichwohl sind Drehbuch und Regie klug genug, ihn der weiblichen Hauptfigur nicht die Show stehlen zu lassen. Im Mittelpunkt bleibt stets das Erleben der jungen Naru, die vor allem eines ist: eine aufmerksame, intelligente Beobachterin, die von klein auf gelernt hat, die Natur im Blick zu behalten, sich Wissen über Flora und Fauna anzueignen und diese Kenntnisse zu nutzen. Fähigkeiten, die sie auch im Umgang mit dem Predator nicht im Stich lassen.

Zurück zu den existenziellen Wurzeln

Höchst betrüblich ist, dass „Prey“ hierzulande nur via Streaming ausgewertet wird, da der Film eine Leinwandpräsenz mehr als verdient hätte, nicht zuletzt wegen der teils überbordenden, im kanadischen Alberta verwirklichten Landschaftsaufnahmen des Kameramanns Jeff Cutter, mit dem Trachtenberg bereits bei seinem Vorgänger „10 Cloverfield Lane“ zusammenarbeitete. Auch die suggestive Filmmusik von Sarah Schachner verdiente eine stattliche Kino-Soundanlage.

Ohne Schnörkel kehrt „Prey“ zu den existenziellen Wurzeln der „Predator“-Reihe zurück. „I fit bleeds, we can kill it“ – „Wenn es blutet, können wir es töten“, lautet eines der berühmten Zitate des Mann-vs.-Monster-Duells. Doch die Geschlechtervorzeichen wurden in der filmischen Neuauflage verkehrt – ein überfälliger Perspektivwechsel. Die Protagonistin setzt sich nicht mithilfe ballistischer Kaliber oder hemmungsloser Muskelpower gegen alle Eindringlinge inklusive das außerirdische Kraftpakets mit seinen berüchtigten Dreadlocks durch, sondern mit ihrem laserscharfen Verstand. Eine überraschend sehenswerte Neuauflage der Killerbiest-Reihe.

 

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