Komödie | Frankreich 2025 | 120 Minuten

Regie: Lisa-Nina Rives

Ein ebenso eitler wie frustrierter Filmstar begegnet einer schlagfertigen Aushilfskellnerin, die ihn als einzige Person in Paris nicht zu kennen scheint. Nach Anlaufschwierigkeiten verlieben sich die beiden und schwelgen im heimlichen Glück, bis Paparazzi das Liebespaar entdecken. Der Starrummel und die extrem unterschiedlichen Lebensentwürfe stellen die Liebesbeziehung auf eine harte Probe. Der Liebesfilm auf den Spuren des Genre-Klassikers „Notting Hill“ nutzt den Kontrast der Persönlichkeiten für eine temporeiche Variation bekannter Muster. Die gut besetzten Hauptdarsteller liefern sich charmante Wortgefechte und sorgen trotz einiger Längen des weitgehend vorhersehbaren Films für solide Unterhaltung. - Ab 14.
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Filmdaten

Originaltitel
FRENCH LOVER
Produktionsland
Frankreich
Produktionsjahr
2025
Produktionsfirma
Zazi Films/Federation Studio/Korokoro
Regie
Lisa-Nina Rives
Buch
Hugo Gélin · Lisa-Nina Rives · Noémie Saglio
Kamera
Renaud Chassaing
Musik
Guillaume Ferran
Schnitt
Valérie Deseine
Darsteller
Omar Sy (Abel Camara) · Sara Giraudeau (Marion) · Pascale Arbillot (Camille) · Alban Ivanov (Sami) · Cindy Bruna (Léna)
Länge
120 Minuten
Kinostart
-
Pädagogische Empfehlung
- Ab 14.
Genre
Komödie | Liebesfilm | Romantische Komödie
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Filmromanze über einen eitlen Filmstar und eine frustrierte Aushilfskellnerin, die sich gegen alle Wahrscheinlichkeiten in Paris verlieben, aber schnell mit Widrigkeiten konfrontiert werden.

Aktualisiert am
29.09.2025 - 13:56:16
Diskussion

Die Romantikkomödie „Notting Hill“ aus dem Jahr 1999 machte einst Julia Roberts und Hugh Grant noch berühmter, als sie ohnehin schon waren, und gilt mittlerweile als Klassiker des Genres. Spielte Roberts seinerzeit einen US-Filmstar, der sich bei einem London-Besuch in einen braven britischen Buchhändler verliebt, so vertauscht die französische Regisseurin Lisa-Nina Rives in ihrer Filmromanze „French Lover“ die Rollen: In ihrem Spielfilmdebüt verknallt sich ein männlicher Filmstar in eine schlagfertige Aushilfskellnerin. Formell beruft sich die Regisseurin allerdings nicht auf den Dauerbrenner „Notting Hill“, vielmehr wurde das Originaldrehbuch von Rives, Hugo Gélin und Noémie Saglio von der israelischen Serie „Ish Hashuv Meod“ inspiriert.

Der Schauspieler Abel Camara (Omar Sy) ist ein überaus populärer Star, den in Paris jeder und jede kennt. Während er gerade Werbung für seinen anstehenden neuen Kinofilm macht und einen Reklamespot für ein Deodorant dreht, ist er trotz seines Ruhms und des Star-Rummels frustriert und fühlt sich innerlich leer. Zudem ist er in seinem Stolz gekränkt, weil ihn seine jüngste Flamme, die schöne Kollegin Léna (Cindy Bruna), für einen anderen Mann verlassen hat. Doch dann begegnet er in einem Pariser Restaurant der forschen Kellnerin Marion (Sara Giraudeau), die sich gerade von ihrem Ehemann Antoine (Amaury de Crayencour) scheiden lässt. Das gemeinsam betriebene Restaurant hat sie bereits verloren, nun schlägt sie sich mit Gelegenheitsjobs durch.

Zarte Romanze unter Druck

Als der schlecht gelaunte Abel Marion fälschlicherweise vorwirft, sie habe ihn heimlich mit dem Smartphone fotografiert, verliert sie ihren Job. Getrieben von einem schlechten Gewissen will Abel den Schaden wiedergutmachen, zumal sie die einzige Frau in Paris zu sein scheint, die ihn nicht sofort erkennt. Trotz der anfänglichen Hindernisse blüht zwischen den beiden gefrusteten Leidensgenossen eine zarte Romanze auf. Doch schnell wird klar, welchen Druck das Interesse der Öffentlichkeit und die Sachzwänge der Medienszene auf das ungleiche Paar ausüben. Marions jüngere Schwester Estelle (Agnès Hurstel) und Abels Agentin Camille (Pascale Arbillot) sowie sein Jugendfreund Sami (Alban Ivanov) versuchen ihnen zwar beizustehen, aber trotzdem ist es ungewiss, ob die Romanze zwischen charismatischem Promi und bürgerlicher Durchschnittsfrau den permanenten Druck überstehen kann.

Die geradlinige Inszenierung erfindet das Genre der romantischen Komödie nicht gerade neu. Das Handlungsgerüst ist schnell durchschaut, der Ausgang früh absehbar. Da der temporeiche, eskapistische Film jedoch mit attraktiven Pariser Schauplätzen, pointierten Dialogen und etlichen witzigen Einfällen aufwartet, beschert er dem Publikum nichtsdestotrotz reichlich gute Unterhaltung. Etwa wenn Abel beim ersten Besuch in Marions Wohnung eine Gurke nicht von einer Zucchini unterscheiden kann und beim Abschied im Gemüse seine Telefonnummer für sie hinterlässt.

Zudem stimmt die Chemie zwischen den Hauptdarstellern Omar Sy und Sara Giraudeau. Sy, der durch den Kinohit „Ziemliche beste Freunde“ zum internationalen Star aufgestiegen ist und hier wieder seinen Charme aufblitzen lässt, und Giraudeau, die 2018 für ihre Leistung in dem Film „Bloody Milk“ den „César“ als beste Nebendarstellerin gewonnen hat, spielen sich als ungleiches Paar aus konträren Lebenswelten hier gekonnt die Bälle zu und sorgen dafür, dass „French Lover“ als gefühlvolles Date-Movie gut funktioniert.

Die Einzige ohne glänzende Augen

Wie bei einem Kinodebüt fast schon zu erwarten, kommt „French Lover“ nicht ohne Schwächen und Ungelenkigkeiten aus. So mag man kaum glauben, dass die intelligente Marion die einzige Person in Paris ist, die Abel nicht erkennt, während alle anderen Menschen sofort glänzende Augen bekommen, wenn sie ihn erspähen. Auch wirkt die abgöttische Liebe Marions zu ihrem übergroßen Hund, der den schrulligen Namen Claudine trägt, allzu dick aufgetragen. Zudem erscheint es inkonsistent, dass Marion gegenüber ihrem Ex-Mann so wankelmütig und schwach auftritt, während sie Abel immer wieder recht selbstbewusst Kontra gibt oder die Leviten liest. Und bei einer Laufzeit von rund zwei Stunden schleicht sich die eine oder andere Länge in den etwas dialoglastigen Film hinein.

Als willkommene Ergänzung der Love-Story fungieren dagegen die charmanten Ausflüge auf die Meta-Ebene. Denn Abel, der in einfachen Verhältnissen aufgewachsen ist, leidet trotz seines Ruhms offenkundig an Minderwertigkeitskomplexen. Mit rund 40 Jahren möchte er nicht länger kommerzielle Filme und Werbespots drehen, sondern auch mal wie sein schärfster Rivale Louis Latour in künstlerisch ambitionierten Filmen mitwirken und endlich einen „César“ gewinnen. Paradigmatisch für die Unreife Abels ist eine Szene, in der Marion ihren Geliebten am Set eines historischen Kostümfilms besucht. Abel spielt sich wie ein kleiner Junge auf, brüstet sich als angstfreier Reiter, verzichtet auf ein Stunt-Double und wird bei einer Verfolgungsjagd prompt an einem Hindernis abgeworfen.

Die Fallstricke des Ruhms kappen

Die Lebendigkeit der Inszenierung resultiert vor allem aus dem Kontrast der Persönlichkeiten und Lebensentwürfe. Abel ist zu Beginn in den Marketingschablonen des Showgeschäfts gefangen, ist gelangweilt und unzufrieden mit seinem Leben. In manchen Verhaltensweisen wirkt er weltfremd und geradezu unreif gegenüber Marion, die zwar mit ihrer gescheiterten Ehe und dem beruflichen Hin und Her hadert, aber eine Familie hat, die ihr den Rücken stärkt, und mit beiden Beinen im Leben steht. Erst durch die Denkanstöße der vom Star-Rummel unbeeindruckten Marion schafft es Abel, die Fallstricke des Ruhms zu kappen und zu erkennen, was wirklich zählt im Leben. Insofern wirken die Hauptfiguren sogar stärker konturiert und ausgearbeitet als in „Notting Hill“.

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