Dance me outside

Tragikomödie | Kanada 1994 | 87 Minuten

Regie: Bruce McDonald

Zwei junge kanadische Indianer warten auf ihre Lehrstelle und durchleben in der Zwischenzeit den von Nichtstun, Trinken und Prügeleien geprägten Alltag in ihrem Reservat, der jedoch von einem Mord und Blutrache überschattet ist. Obwohl der Film die Probleme der indianischen Ureinwohner ernsthaft thematisiert, besticht er durch abrupte Tempo- und Atmosphärenwechsel. Ein Roadmovie voller Witz und Charme, das von der Spiellaune der jugendlichen Darsteller getragen wird und indianische wie weiße Vorurteile ironisiert. (Kino: O.m.d.U.) - Sehenswert ab 16.

Filmdaten

Originaltitel
DANCE ME OUTSIDE
Produktionsland
Kanada
Produktionsjahr
1994
Regie
Bruce McDonald
Buch
Bruce McDonald · John Frizzell · Don McKellar
Kamera
Miroslaw Baszak
Musik
Mychael Danna
Schnitt
Michael Pacek
Darsteller
Ryan Black (Silas) · Adam Beach (Frank Fencepost) · Jennifer Podemski (Sadie) · Michael Greyeyes (Gooch) · Lisa Lacroix (Illianna)
Länge
87 Minuten
Kinostart
-
Fsk
ab 12; f
Pädagogische Empfehlung
- Sehenswert ab 16.
Genre
Tragikomödie | Road Movie | Literaturverfilmung

Heimkino

Verleih DVD
Al!ve (1:1.78/Dolby Digital 2.0)
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Diskussion
Silas und Frank, zwei junge Indianer aus dem kanadischen Reservat von Kidabanesee, wollen eine Automechanikerlehre machen. Aufnahmebedingung sind rätselhafterweise Aufsätze, und da in ihrem Leben so gar nichts passiert, setzen sie sich einfach hin und schreiben, was nicht passiert - und das ist eine ganze Menge.

Gooch, der einen Mann erschlagen hat, wird aus dem Gefängnis entlassen. Seine Ex-Geliebte Illianna die nicht auf ihn gewartet, sondern den weißen Anwalt Robert geheiratet hat, kommt zum Wochenendbesuch in die Indianersiedlung. Ihre Mutter nervt mit dem ständigen Wunsch nach einem Enkelkind und erfährt, daß Robert nicht genügend Sperma produziert. Am Abend findet das wochenendübliche Besäufnis im Blue Quill statt. Alles ist wie gehabt, Weiße und Indianer treffen sich, die Atmosphäre ist wie üblich aufgeladen, wenig später fliegen die Fäuste. Wochenendspaß eben. Doch mit einem Mal ändert sich alles. Sadie, Silas Freundin, hat die ewigen Schlägereien, das permanente Rumhängen, das Sich-unter-Wert-Verkaufen satt, trennt sich und will fortan für die Belange der Indianer eintreten. Und Little Margaret, eine ihrer besten Freundinnen, wird am Morgen nach dem Tanz ermordet aufgefunden. Der Täter, Clarance, ein weißer Rassist, ist rasch ausfindig gemacht und wird abgeurteilt ein junges Indianerleben kostet zwei Jahre Haft. Ein Strafmaß, das die Indianer mit Recht in Rage bringt.

Ein Jahr später, wieder ein Wochenende: Silas und Frank hängen weiter rum. Wieder ist Illianna ohne Enkel zu Besuch, Clarance ist vorzeitig aus dem Gefängnis entlassen worden. Es gibt viel zu tun für die Freundesclique. Illiannas Mann muß für: eine Nacht abgelenkt werden, da sie mit Gooch - in aller Unschuld - ein Kind zeugen will, und da gibt es ja auch noch die Vorbereitungen für den Kriegspfad, der Clarances Tod herbeiführen soll. Die jungen Krieger haben das Blue Quill als Tatort auserkoren, doch die Planung einer Ermordung erweist sich als viel einfacher als ihre Durchführung. Mitten in der Nacht wird Clarance zwar mit durchschnittener Kehle aufgefunden, doch alle Haupttatverdächtigen können ihre Unschuld beweisen. Am Ende bleibt ein Mord ungesühnt, Sadie ist ins Reservat und zu Silas zurückgekehrt, Robert ist so etwas wie Ehrenindianer, Illianna ist endlich schwanger und die beiden Freunde können ihre Lehre antreten.

Auch mit seinem dritten Film stellt Bruce McDonald sein Talent unter Beweis. Nach "Road-kill" (fd 28 653) und "Highway 61" (fd 29 551), die beide auch der Rockmusik gewidmet waren, liefert er erneut eine ungemein stimmige Mixtur der unterschiedlichsten Filmgenres. "Dance me outside" ist ein Roadmovie auf engstem Raum, ist naturlich Kriminalfilm, nutzt Chiffren des Westerns bzw. Indianerfilms, liefert eine Initiationsgeschichte, setzt sich ernsthaft mit den Problemen der Indianer auseinander und bietet als grimmige Komödie ungeheuren Filmspaß. Der Leser mag meinen, daß all dies nicht zusammenpassen könnte, doch McDonald schuf einen Film aus einem Guß, spannend und spaßig zugleich, und er geht noch einen Schritt weiter. Er stellt indianische und weiße Denkweise und Lebensart vor, persifliert die Klischees und Vorurteile beider, ohne sie zu denunzieren. So können seine jugendlichen Indianer wackere Säufer, entschlossene Krieger und ungeheure Blödmänner zugleich sein, ohne ihr Gesicht zu verlieren, und Anwalt Robert mag ja der verweichlichte Stadtmensch aus Toronto sein, doch in seiner Brust schlägt ein zutiefst indianisches Herz, auch wenn dies erst durch eine Persiflage auf Initiationsriten geweckt werden muß.

McDonald versteht sich glänzend auf Timing, Tempo- und Atmosphärenwechsel. Eine Szene, die tragikomisch angelegt wird, schlägt urplötzlich in rohe Gewalt um die Szene, in der Silas dem Mörder die Kehle durchschneiden will, hat urkomische Momente. Doch über den reinen Genremix hinaus hat "Dance me outside" ein durchaus ernstes Anliegen in der Behandlung der Indianer: sie werden als ein Volk dargestellt, das die weiße Zivilisation weitgehend abgeschrieben und abgestempelt hat, das verurteilt ist, ohne große Zukunftschancen in den Tag hinein zu leben. Zugleich werden sie als stolze, intelligente und gewitzte Menschen charakterisiert, die erkennen, wie der Hase (gegen sie) läuft, die jedoch derzeit nicht die Macht haben, ihr Los aus eigener Kraft zu ändern. Daß sie diese Macht einmal hatten, zeigt bereits das erste Bild. Es zeigt einen Raben: Nach indianischer Überlieferung den Erschaffer der Erde, die er für sie geschaffen hat.

Wie die beiden anderen Filme auch, steckt "Dance me outside" voller Rock- und Popmusik, doch zu den populären Songs, Verbindungsglied zwischen den Kulturen, sind indianische Musikmotive addiert, die dem Film einen unverkennbaren Charakter verleihen und seine Grundstimmung vertiefen. Ein rundum gelungener Film, der ungeheuer Spaß macht, und dessen junge indianische Darsteller vor Spielfreude zu bersten scheinen.
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