Tagung: Fluchtpunkte. Religion und Migration im Film

Die Forschungsgruppe Theologie und Film beschäftigt sich in Schwerte mit der Rolle der Medien im Kontext der gegenwärtigen Flüchtlingskrise

Diskussion

In den vergangenen Jahren sind auffallend viele Filme zu Migration und Flucht entstanden, die in den Medien kontrovers diskutiert wurden. Oftmals zeigen sie eine neue, nicht selten verstörende Sicht auf Menschen, die alles verloren haben, ihre Heimat und Familie verlassen mussten und verzweifelt nach neuen Perspektiven suchen.

Diese Darstellungen des Phänomens Flucht produzieren nicht nur neue Bilder und Erkenntnisse über die aktuelle Migrationsdebatte, sondern hinterfragen auch die Art, wie Bilder betrachten werden.

So führte das Bild des toten Flüchtlingskindes Aylan Kurdi am Strand von Bodrum (siehe oben) im September 2015 zu enormen Reaktionen in den Medien. Das traurige Bild wurde auf mindestens zwei Ebenen gelesen: als Dokument der humanitären Katastrophe, die sich im Mittelmeer noch immer ereignet, und als ein Beleg für die Haltung Europas gegenüber Flüchtlingen.

Angesichts des toten Körpers schienen die Argumente von „wir“ gegen „die anderen“ ihre Überzeugungskraft verloren zu haben. Menschen haben Kinder, und Kinder müssen beschützt werden, unabhängig von ihrer Herkunft, ihrer Religion oder Weltanschauung.

Doch weder Aylans Tod noch die erschütternde Wirkung des Fotos von Nilüfer Demir haben an der Situation der Menschen, die in westlichen Gesellschaften Schutz suchen, viel geändert. Das tragische Ereignis ist dennoch ein gutes Beispiel für die eigentümliche Macht von Bildern, die Gesellschaften tief bewegen und unterschiedliche Lesarten und Rezeptionen hervorrufen.

Die Jahrestagung der Forschungsgruppe „Film und Theologie“ (30.5.-2.6., Katholische Akademie Schwerte) will die Rolle der Medien in der gegenwärtigen Migrationsdiskussion und die Inszenierung von Religion in diesem Kontext analysieren. Welche Rolle spielen Spiel-, Dokumentarfilme und andere audiovisuelle Medien bei der Darstellung von Migration in europäischen Gesellschaften? Wie beeinflussen Medien das Verständnis von Migration? Welche normativen Gewichtungen sind mit welchen filmischen Strategien verbunden? Welche Rolle kommt den Religionen in den audiovisuellen Darstellungen von Migration und Flucht zu? Wie werden Religion und Normen in den ausgewählten audiovisuellen Medien miteinander in Verbindung gebracht?

Im Rahmen der Filmtagung werden die Filme „Reise der Hoffnung“ (1990) von Xavier Koller, „Fuocoammare“ (2016) von Gianfranco Rosi, „The Other Side of Hope“ (2017) von Aki Kaurismäki und „Iraqi Odyssey. A Global Family Saga“ (2015) von Samir gezeigt. Der Schweizer Filmemacher Samir ist am 1. Juni auf der Tagung auch anwesend und spricht mit Charles Martig und Natalie Fritz über „Bilder der Flucht“.

Anhand von Vorträgen, Workshops, Gesprächen und Diskussionen wird das Tagungsthema aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet und in einem interdisziplinären Umfeld vertieft. Die Tagung richtet sich auch an Interessierte aus nicht-theologischen und nicht-akademischen Betätigungsfeldern und Disziplinen.

Informationen und Anmeldung (ist auch kurzfristig noch möglich) finden sich auf der Website der Katholischen Akademie Schwerte (hier).


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