Prälat Wilhelm Schätzler

Nachruf auf den langjährigen Filmreferenten der Deutschen Bischofskonferenz

Diskussion

Der katholische Prälat Wilhelm Schätzler koordinierte die Katholische Filmarbeit in der Umbruchsphase der 1960- und 1970er-Jahre. Er meldete sich mit Leitartikeln auch im FILMDIENST zu Wort und setzte die Gründung der Zentralstelle Medien ins Werk. Von 1983 bis 1996 amtierte er als Sektretär der Bischofskonferenz. Ein Nachruf.


Als Prälat Wilhelm Schätzler im April 1969 mit 40 Jahren der zweite „Steuermann“ der katholischen Filmarbeit in der Nachkriegszeit wurde, begrüßte ihn der Filmdienst-Mitbegründer Wilhelm Bettecken auch als „Praktiker der Produktionsseite“ (FD 17/1969). Schätzler, im Jahr 1929 in Weiden geboren, hatte nämlich acht Semester Theaterwissenschaft studiert, bevor er zur Theologie fand. Mit August Everding verband ihn seit Studententagen eine lebenslange Freundschaft; bei ihm hat er unter anderem als Regieassistent gearbeitet. Als Studentenseelsorger aus Regensburg wurde er 1969 zum Direktor der Kirchlichen Hauptstelle für Bild- und Filmarbeit ernannt und damit Nachfolger des seit 1947 amtierenden und aus Altersgründen ausscheidenden Monsignore Anton Kochs. „Die Katholische Filmarbeit darf hoffen, in der Ära der nachkonziliaren Neuorientierung davon zu profitieren“, schrieb Bettecken im Leitartikel.

In der Tat übernahm Schätzler die Verantwortung in einer Phase des Umbruchs. Die Katholische Filmkommission hatte im April 1969 eine Änderung des Wertungssystems mit den Noten von 1 bis 4 beschlossen und Schätzler verteidigte diesen Schritt als notwendige Befreiung von „einer penetranten Lehrhaftigkeit“ und als wichtigen Schritt, der „Bewusstseinslage des Menschen in der westlichen Gesellschaft“ und seiner wachsenden Selbstständigkeit Rechnung zu tragen.

In den folgenden Jahren meldete sich Schätzler im Filmdienst immer wieder in Leitartikeln zu Wort: zur Zukunft kirchlicher Filmarbeit (FD 10/1970), zur Auseinandersetzung um die FSK, die 1972 zum Auszug der Kirchen aus der Erwachsenenfreigabe führte (FD 41/42, 1969; FD 47/1969, FD 21/1971) oder zur Filmförderung (FD 6/1972). Der Wandel der Mediennutzung änderte die Zielrichtung des Filmdienst. In einem Beitrag zur Zukunft kirchlicher Filmarbeit verweist Schätzler auf die wachsende Bedeutung des Fernsehens als Abspielort und die Notwendigkeit verstärkter medienpädagogischer Bemühungen. Mit den sinkenden Abo-Zahlen der Zeitschrift, die bis in die 1960er-Jahre alle Pfarrgemeinden erreicht hatte, wuchs auch der Finanzbedarf, weshalb Schätzler weitsichtig eine langfristige, überdiözesane Finanzplanung forderte. Eine strategische Neuausrichtung der katholischen Medienarbeit wurde 1976 mit der Gründung der Zentralstelle Medien der Deutschen Bischofskonferenz umgesetzt, deren Leiter Schätzler wurde, der bis 1978 auch noch das Filmreferat verwaltete. 1983 wurde er Sekretär der Deutschen Bischofskonferenz und war in dieser Funktion auch während der schwierigen Phase nach der Wende bis 1996 tätig.

Das Interesse am Film hat ihn weiterhin beschäftigt. Als ich das Amt des Filmreferenten 1988 übernahm, ergaben sich im Sekretariat immer wieder Begegnungen, bei denen er sich nach dem Filmdienst oder der Entwicklung bei der FSK erkundigte. Prälat Schätzler war das, was man einen Macher nennt, einen Mann, der schwierige Aufgaben annimmt und nach pragmatischen, tragfähigen Lösungen sucht. Er war aber alles andere als ein kalter Manager. Er konnte scharf argumentieren, besaß aber auch eine gehörige Portion Humor. Das Bild, das mir in Erinnerung bleibt, stammt von einem Kritikerseminar 1978 in Augsburg. Nach intensiver Diskussion über Filme stimmte Prälat Schätzler in geselliger Runde die „Waldeslust“ an; er liebte es aber auch, über die Möglichkeit des „perfekten Mordes“ fachzusimpeln. Der Kirchenkrimi, den er immer schreiben wollte, blieb eine schöne Idee. Nach langer schwerer Krankheit starb Prälat Wilhelm Schätzler am 9. Juli 2018 in Regensburg.


Foto: KNA

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