Der komische Ingmar Bergman

Man tut dem schwedischen Regisseur Unrecht, wenn man ihn ausschließlich mit düsteren Stoffen und existenziellen Fragen verbindet. Ingmar Bergman hatte auch eine Hand fürs Leichte, Spielerische und Komödiantische.

Diskussion

Ingmar Bergman hat sein Verhältnis zur Komödie einmal als „kompliziert“ beschrieben. Während sein Bruder Dag bereits als Kind amüsant und schlagfertig gewesen sei, hätte über seine Späße niemand gelacht. Stets hieß es, „Ingmar hat keinen Humor“. Doch man tut Bergman Unrecht, wenn man ihn ausschließlich mit düsteren Stoffen und existenziellen Fragen verbindet. Er hatte durchaus eine Hand fürs Leichte, Spielerische; das lässt sich an zahlreichen seiner Filme – nicht nur den ausgewiesenen Komödien – erkennen. Und: Bergmans Humor springt sogleich ins Auge, wenn man die Werkaufnahmen seiner Filme betrachtet. Auch bei den Dreharbeiten zu ernsten Stoffen scheint es am Set stets amüsant und heiter zugegangen zu sein.


Die Filmkomödie hat ihren Ursprung im Vaudeville und Varieté-Theater; daher wundert es kaum, dass gerade in Filmen wie Abend der Gaukler (1953) oder Das siebente Siegel (1957), in denen Schausteller eine zentrale Rolle spielen, der burleske Humor und die oft körperbezogene Komik dominieren. Nicht umsonst findet sich auf Bergmans Liste der von ihm besonders geschätzten Filme Charles Chaplins „Circus“ (1928). Den Marx Brothers erweist Bergman 1949 in Gefängnis Reverenz. Der stumme Slapstick-Film, den Thomas (Birger Malmsten) der Prostituierten Birgitta (Doris Svedlund) auf dem Dachboden vorführt, wurde eigens für den Film gedreht: Ein schnurrbärtiger Mann in Nachthemd und Schlafmütze will sein Bett mit einer Bratpfanne wärmen und verbrennt sich das Gesäß. Ein schnauzbärtiger Ganove schleicht ins Zimmer und wird von einem ebenfalls schnauzbärtigen Polizisten verfolgt. Alle drei jagen sich unter akrobatischen Verrenkungen durchs Zimmer und werden abwechselnd von einer Spinne oder einem Skelett erschreckt. Die Zuschauer Thomas und Birgitta lachen sich über den Streifen kaputt. 1966 integrierte Bergman einen Auszug dieses Klamauks in den Vorspann von Persona.

Der "Film im Film" in "Gefängnis": Stummfilm-Slapstick à la Bergman
Der "Film im Film" in "Gefängnis": Stummfilm-Slapstick à la Bergman

Es ist der unschuldige

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