Burt Reynolds (11.2.1936-6.9.2018)

Zum Tod des US-amerikanischen Schauspielers

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Zuletzt konnte er noch einmal groß auftrumpfen, in einer Rolle, die ihm auf den Leib geschrieben war: In der Tragikomödie „The Last Movie Star“ von Adam Rifkin feierte Burt Reynolds 2017 einen kleinen Erfolg als früherer Leinwandstar, dem mit 80 Jahren nur noch die Erinnerung an den lange vergangenen Ruhm bleibt, während die Gegenwart nur noch deprimierende Treffen mit alternden Fans und abseitige Preisverleihungen bereit zu halten scheint.

Mit dieser feinen Altersrolle schloss sich für den US-amerikanischen Schauspieler Burt Reynolds ein Kreis in einer Karriere, die selbstreflexiv immer wieder die Nähe zu seinem Metier hergestellt hatte: Von seiner Darstellung eines eitlen Stummfilm-Schauspielers in Peter Bogdanovichs „Nickelodeon“ (1976) über Rollen als Drehbuchautor in „Zwei dicke Freunde“ (1982) und als Stuntman in „Um Kopf und Kragen“ (1978) sowie die Selbstparodie in „Silent Movie“ (1976) bis zum Part eines altgedienten Produzenten in dem von ihm selbst inszenierten „Letzte Ausfahrt Hollywood“ (1999). Nicht zu vergessen seine späte Rolle als ambitionierter, an die künstlerischen Möglichkeiten seiner Arbeit glaubender Porno-Produzent in Paul Thomas Andersons „Boogie Nights“ (1997). So hätte es als Ensemble-Mitglied bei Quentin Tarantinos „Once Upon a Time in Hollywood“ eigentlich noch weitergehen sollen.

Die Fähigkeit von Burt Reynolds, mit seiner Persönlichkeit quasi mustergültig fürs Filmgeschäft zu stehen, sagt viel über die Starqualität des 1936 in Michigan geborenen Darstellers aus. Die betonte Lässigkeit seines Spiels und die ironische Übersteigerung seiner Draufgänger- und Machofiguren machten ihn zum Liebling der Zuschauer, die er vor allem in den späten 1970er- und frühen 1980er-Jahren praktisch mit jedem neuen Film scharenweise ins Kino lockte. Aus dieser Zeit gründet allerdings auch der Eindruck, Burt Reynolds habe seine Talente allzu oft für niedrigste Unterhaltungsformen geopfert – was angesichts der kläglichen Witzlosigkeit von Werken wie „Auf dem Highway ist die Hölle los“ (1980) und dessen Fortsetzung "Auf dem Highway spielt die Polizei verrückt" (1983), „Der rasende Gockel“ (1983) oder „Rent-A-Cop“ (1986) nicht ganz von der Hand zu weisen ist.

Dabei hatte sich Reynolds in den Jahren davor durchaus für anspruchsvollere Aufgaben empfohlen. Nachdem der Traum von einer Football-Karriere gescheitert war, fand er über erste Theaterauftritte zum Fernsehen, wo er unter anderem drei Jahre in der Westernserie „Rauchende Colts“ (1962-1965) mitwirkte, und bald darauf zum Film. Noch ohne seinen ikonischen Schnurrbart drehte er Western („Kopfgeld: Ein Dollar“, 1966, „Sam Whiskey“, 1968) und spielte für Samuel Fuller („Hai“, 1969), bevor ihm John Boormans düsterer Survival-Film „Beim Sterben ist jeder der Erste“ (1972) die erste wirklich anspruchsvolle Aufgabe bot: Als arroganter Teilnehmer einer vierköpfigen Männergruppe auf Wildwasserfahrt, der sich in der gewaltsamen Begegnung mit brutalen Hinterwäldlern durch seine treffsichere Bogenfertigkeit als Retter in der Not erweist.

Burt Reynolds in "Beim Sterben ist jeder der Erste" von John Boorman
Burt Reynolds in "Beim Sterben ist jeder der Erste" von John Boorman

Von hier aus hätte sich für Burt Reynolds durchaus die Chance eröffnen können, seine physische Agilität öfter mit komplexen Charakterisierungen zusammenzuführen, ähnlich wie es sein Namensvetter Burt Lancaster vorgemacht hatte. Ansatzweise ist ihm dies immer wieder gelungen, etwa im Gefängnisdrama „Die härteste Meile“ (1974), dem Thriller „Straßen der Nacht“ (1975) oder romantischen Komödien wie „Auf ein Neues“ (1979), doch auf Dauer setzte sich ein anderes Image durch. Erst mit Schnurr-, in Altersrollen dann mit gleichermaßen attraktivem Vollbart, fanden sich unzählige Variationen seiner 1976 in „Ein ausgekochtes Schlitzohr" gespielten Figur des von Gesetzen oder anderen Rücksichten unbeeindruckten Tausendsassas mit der kessen Lippe und dem Schlag bei Frauen.

Auffallend ist, dass Burt Reynolds diese Zielbewusstheit bei seiner Karriereplanung nur bedingt besaß. Während er sich dem von Einspielergebnissen beförderten Diktat durchaus willig unterwarf und nach manchen Flops auch wieder daran anzuknüpfen versuchte, verpasste er Aufgaben wie in „Einer flog über das Kuckucksnest“, lehnte Rollen wie die von James Bond oder die eines ehemaligen Astronauten in „Zeit der Zärtlichkeit“ ab (die dann wie schon beim „Kuckucksnest“ Jack Nicholson dankbar übernahm) oder verkannte ihr Potenzial wie bei „Boogie Nights“. Auch im Rückblick erschien Burt Reynolds diese Zusammenarbeit mit dem hochambitionierten Jungregisseur Paul Thomas Anderson als „furchtbares Erlebnis“; den fertigen Film konnte er sich nicht ansehen; die dafür erhaltenen Preise versetzten ihn eher in Erstaunen.

Um ihn für das Independent-Kino zu gewinnen, war es da allerdings schon zu spät, zumal dieses mit seinem luxusgewöhnten Lebensstil kaum vereinbar gewesen wäre. Dafür fand der vom Filmgeschäft fast schon Aufgegebene aber wieder rege Beschäftigung in größeren und kleineren Werken, die er oft allein durch seine Präsenz aufwerten konnte. „The Last Movie Star“ kam dann zur rechten Zeit, um noch einmal an Burt Reynolds zu erinnern: an einen wahren Star, dessen Aura über die seiner individuellen Filmarbeiten weit hinausreichte.

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