Serie: Ozark - Staffel 2

Die Fortsetzung der Netflix-Serie mit Jason Bateman und Laura Linney

Diskussion

Seit Marty Byrde (Jason Bateman), ein selbständiger Finanzberater und Geldwäscher eines großen mexikanischen Drogenkartells, in der ersten Staffel der Krimiserie nach dem Betrug seines Partner von Chicago in die Ozarks nach Missouri fliehen musste, ist nicht viel Zeit vergangen. Marty und seine Frau Wendy (Laura Linney) sowie ihre Kinder Charlotte und Jonah haben sich in der ländlichen Gegend eingelebt. Dennoch wirken die Byrdes weiterhin wie ein Fremdkörper; von einer Integration in die ländlichen Strukturen kann keine Rede sein. Die Familie erweckt auch nicht den Anschein, Teil eines etablierten Gefüges werden zu wollen. Lediglich die junge Charlotte bildet eine Ausnahme; die Bemühungen der anderen Byrdes erscheinen als ebenso unermüdliche wie unredliche Versuche. Ihr Sozialleben, die Teilhabe am politische Geschehen, zwischenmenschliche Beziehungen – alles ist hier nur machiavellistische Fassade.

Der Plot kreist um den Aufbau eines Casinos mit Hilfe des Kartells und der vor Ort etablierten, ebenfalls kriminellen und in der Drogenproduktion aktiven Familie Snell. Die Mexikaner bieten Mittel für den Bau des Glücksspiel-Palastes, in dem ihr Geld gewaschen werden soll. Die Snells besitzen das Grundstück und Drogen, die unter die Leute gebracht werden sollen. Bei der Realisierung dieses Projekts entpuppt sich Wendy Byrde als clevere Strippenzieherin. Es sind letztlich ihre Bemühungen, ihre Voraussicht und ihr kluges Handeln, die den Bau der Spielhölle vorantreiben.

Laura Linney mit Jason Bateman
Laura Linney mit Jason Bateman

Nachdem in der ersten Staffel der grundlegende Plot im Vordergrund stand, nimmt sich zweite Staffel Zeit, die Charaktere zu vertiefen und psychologisch auszugestalten. Während Martys trockene Art, seine kaum dechiffrierbare Mimik und seine stets strategisch orientierten Handlungen erneut kaum eine Möglichkeit zur emotionalen Anteilnahme lassen, ziehen die weiblichen Charaktere nachhaltig in das Geschehen. Beispielsweise Ruth (Julia Garner), das Oberhaupt der Familie Langmore. Sie erweist sich als der entschlossenste Charakter der Geschichte und besäße durchaus das Potenzial, Martys Nachfolgerin zu werden. Etwa an der Seite von Wendy, die alle wichtigen Fäden in der Hand hält. Aber auch zusammen mit der Dealerin Darlene Snell, der Frau des lokalen Mobsters Jacob Snell (Peter Mullan), die in der strikten Auslegung des Ganoven-Kodex bis zum Äußersten geht. Die drei Frauen etablieren sich als richtungsweisende Charaktere. Instruiert werden sie von Helen Pierce (Janet McTeer), die als juristische Repräsentantin des Kartells fungiert und als emotionslose Entscheidungsträgerin immer wieder unverhoffte Wendungen forciert.

Erzählerisch macht die Serie da weiter, wo sie in der ersten Staffel endete. Auch visuell bleibt sich die Inszenierung treu. Farbfilter spiegeln die geografischen und emotionalen Atmosphären der einzelnen Orte und Personen. Jede Episode wird durch ein flexibles Intro eröffnet: Der Graphic Designer Fred Davis hat ein weißes O vor schwarzem Hintergrund kreiert; innerhalb des geviertelten Os erscheinen vier Symbole, die die Hauptthemen der Erzählung visualisieren und gleichzeitig das Word „Ozark“ ausbuchstabieren. Schon in diesem Intro kündigt sich an, dass hier nichts ohne Absicht geschieht, sondern alle Geschehnisse von vornherein festgelegt sind; dennoch kämpfen alle Figuren gegen den Fatalismus an. Der Zweck heiligt hier alle Mittel. Machiavelli ist in den Missouri Ozarks angekommen.

Anbieter/Fotos: Netflix


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