Eva Trobisch über ihren Film „Alles ist gut“

Mittwoch, 26.09.2018

Ein Interview zum Kinostart eines ungewöhnlichen Debütfilms

Diskussion

„Alles ist gut.“ Wenn man sich und anderen diese Floskel nur oft genug vorsagt, kann das funktionieren. Das ist Jannes Strategie, jedenfalls so weit es ihr eigenes Leben betrifft. Sie will bloß nicht auffallen und dabei vor allem: Immer weitermachen. Auf gar keinen Fall will sie Mitleid. Auch dann nicht, wenn etwas geschieht, von dem man nie gedacht hätte, dass es einem selbst passieren kann. Wie Scheitern. Wie vergewaltigt werden. In ihrem Debüt, das in Locarno und auf dem Münchner Filmfest mit Preisen bedacht wurde (Link zur Kritik von „Alles ist gut), zeichnet die HFF-Absolventin Eva Trobisch das Psychogramm einer Frau, die sich weigert, Opfer zu sein.


Frau Trobisch, seit wann denken Sie über diese Geschichte nach und wie hat sie sich im Lauf der Zeit verändert?

Seit 2015 arbeite ich an dem Stoff. Der Vorfall ist relativ spät dazu gekommen in der Stoffentwicklung.

Der Vorfall?

Die Figur nennt das, was ihr passiert, nicht Vergewaltigung. Ich spreche aus der Perspektive der Figur. Strafrechtlich ist es eine Vergewaltigung, aber es geht ja im Film auch darum, dass die beiden Figuren verhandeln: „Was war das jetzt eigentlich – und wie gehen wir damit um?“

Wenn die Vergewaltigung – der Vorfall – erst spät dazu kam: Von was sind Sie zu Beginn ausgegangen?

Ich hatte die Idee zu dieser Figur, zu einer sehr modernen, aufgeklärten Frau, die sich überhaupt nicht als Opfer sehen möchte, als Verliererin. Diesozialisiert worden ist mit dem Gedanken, dass Frauen gleichberechtigt sind, alles schaffen können und sollen. Zunächst hat mich also interessiert: Wie geht diese Frau mit dem Scheitern um, mit dem beruflichen Scheitern? Was macht das mit der Beziehung? Piet und Janne hatten ein gemeinsames berufliches Projekt. Nun hält der eine daran fest, während die andere loslässt und sagt: „Ich lasse mich anstellen.“ Dann fand ich auch die Beziehung zu Jannes Chef Robert spannend, die Grenzüberschreitung, die Umkehrung von Machtverhältnissen. Ausgehend von dieser Figurenkonstellation, noch alles auf den Job bezogen, habe ich festgestellt, dass so ein Vorfall eine starke Metapher sein kann für das, was ich erzählen möchte.

Was möchten Sie erzählen?

Inwiefern können wir bestimmen, wer wir sind und was uns prägt? Inwieweit können wir bestimmen, ob wir Opfer sind, ob wir Täter sind? Wovon hängt das ab – von einer Gesellschaft, die Dinge vorgibt, von der Leiblichkeit des weiblichen Körpers, vom Intellekt, von der Ratio, mit der man nicht entscheiden kann, was man erlebt, aber wie man damit umgeht. Das waren die Themenkomplexe, um die ich gekreist bin.

Hans Löw und Aenne Schwarz in "Alles ist gut"

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