Konfetti 23: Schatzinsel

Dienstag, 09.10.2018

Hommage an den französischen "Auteur" Guillaume Brac und dessen neuen Film „L’île au trésor“

Diskussion

Guillaume Brac ist ein Auteur der freien Zeit, des Rumhängens, des Urlaubflirts. Seine Filme spielen in den Sommerferien oder in sommerferienartigen Situationen: Arbeit, Schule, Uni sind weit weg, so weit weg, dass man fast vergessen könnte, dass es diese Zwangssysteme überhaupt gibt. Stattdessen etablieren sich andere soziale Regelsysteme, andere Blickregime, andere Bildrhythmen. Nicht langfristiges Vorankommen, sondern kurzfristige Bedürfnisse und die Schönheiten des Moments bestimmen dieses Kino.

Vielleicht hat Brac, wiewohl seit geraumer Zeit ein Liebling der französischen Filmkritik, auch deshalb bislang nur einen „echten“ langen Spielfilm gedreht: „Tonnerre“ (2013). Eher scheint es ihn zu kurzen und mittellangen Formaten zu ziehen, die um ein, zwei Situationen herumgebaut und stets stark von den Darstellerinnen und Darstellern her gedacht sind: „Une monde sans femmes“ (2011), sein Durchbruchsfilm, ist nur gut 50 Minuten lang, „Contes de juillet“ (2017) dauert zwar knapp über eine Stunde, ist aber trotzdem nur ein (großartiges!) Pseudo-Feature, das aus zwei voneinander unabhängigen mittellangen Filmen besteht. Sein neuester Film „L’île au trésor“ wiederum ist zwar „abendfüllend“, aber nicht, wie die anderen, fiktional, sondern dokumentarisch.

Der Film beschreibt ein soziales Spektrum; im engeren Sinne ethnografisch ambitioniert ist er allerdings nicht. Genau wie sich Bracs fiktionale Arbeiten offensichtlich einer außergewöhnlichen Beobachtungsgabe, einer unbedingten Aufmerksamkeit für soziale Situationen verdanken, mobilisiert der neue Film die narrativen Potentiale des Alltags und zeigt, dass die Versuche einiger Jugendlicher, sich an den Aufsehern vorbei ins Bad zu schleichen, als Ausgangspunkt gleich mehrerer tragikomischer Miniaturen dienen können.

Filmdienst Plus

Ich habe noch kein Benutzerkonto

Kommentieren