Mit dem Werk muss gerungen werden

Mittwoch, 10.10.2018

Der Dokumentarist Jörg Adolph versteht sich als Freund und Komplize seiner Protagonisten.

Diskussion

In den Filmen des Dokumentaristen Jörg Adolph geht es häufig um kreative Menschen oder Situationen, die sich vorab nicht planen oder beherrschen lassen. In „direct cinema“-Manier folgt er den Protagonisten ohne gängelnde Kommentierung bei ihrem Tun. Aktuell erzählt er in „Elternschule“ (Kinostart: 11. Oktober) mit großer Klarheit und viel Witz von Menschen, die renitenten Kindern und ihren überforderten Eltern aus der Sackgasse helfen.


Wir leben in einer „Epoche des Willens und der Perfektionierung des Machens“ (Carl Friedrich von Weizsäcker). Alles soll verfügbar und machbar sein. Dennoch entziehen sich wesentliche Momente unseres Tuns simpler Verfügbarkeit. So lässt sich die Inspiration eines Künstlers nicht beliebig herbeikommandieren, und auch ein perfekt trainierter Sportler benötigt beim Wettbewerb das Glück des Augenblicks. Wir können vieles machen, doch immer bleibt die Frage bestehen: ist das Gemachte auch gelungen? Was ist der Anteil einer Steigerung des Machens am Gelingen?

Der Dokumentarist Jörg Adolph, 1967 in Herford geboren, erforscht das Spannungsfeld zwischen Machen und Gelingen in der Manier des „direct cinema“, eines dokumentarischen Stils, der ohne Kommentar, ohne Interviews oder Statements auskommt. Die auf der Leinwand ausbereiteten Geschehnisse sollen aus sich evident sein, sie sollen sich selbst erklären, ohne gängelnde Einordnungen oder Kommentare. Adolph beherrscht diesen Stil meisterlich, den Dokumentaristen wie D.A. Pennebaker, Jean Rouch oder Frederick Wiseman exemplarisch ausgeprägt haben.

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