Ein Gespräch mit Agnès Jaoui

Dienstag, 16.10.2018

Zum Kinostart von „Champagner und Macarons“

Diskussion

Der deutsche Titel ihres neuen Films „Champagner und Macarons“ klingt luftig-genießerisch; tatsächlich geht es der französischen Schauspielerin, Autorin und Regisseurin Agnès Jaoui aber wie in all ihren Werken um Substanzielles: Im Mikrokosmos eines Festes werden Konfliktlinien der französischen Gesellschaft abgeschritten. Im Interview erzählt die 1964 geborene Künstlerin von der Entwicklung des Stoffs zusammen mit ihrem langjährigen Kollegen Jean-Pierre Bacri und über die Zusammenführung der Themen im Film.


Sie haben seit Alain Resnais’ „Smoking / No Smoking“, seit 1993, bereits zahlreiche Drehbücher gemeinsam mit Jean-Pierre Bacri geschrieben. Wie arbeiten Sie zusammen?

Agnès Jaoui: Wir treffen uns jeden Nachmittag (bis auf das Wochenende) von drei Uhr bis sieben Uhr, wir sprechen darüber, was wir in unseren Schreibblocks mit dem Kuli an Ideen notiert haben. Wir arbeiten nämlich nicht am Computer. Und dann versuchen wir herauszufinden, welchen Dingen wir uns widmen wollen, welche Themen wir verfolgen, welche Charaktere wir einführen und dann vielleicht auch selber spielen wollen, welche Art von Film es werden soll. Das Wichtigste ist aber immer das Thema, das, was wir aussagen wollen, die Worte, die Sätze. Was wollen wir sagen? Nach einer Weile, nach sechs oder sieben Monaten, fühlen wir uns sicherer, was die Charaktere und die Handlungsführung anbelangt. Was bleibt im Script, wie soll die Geschichte enden? Und dann feilen wir an den Dialogen. So machen wir das immer.

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Ihre Zusammenarbeit hat sich also in den letzten 25 Jahren nicht geändert?

Jaoui: Nein. Wir haben die Zeit angehalten.

Ihr neuer Film hat mehr als zwölf Hauptfiguren, mehrere Handlungsstränge, aber nur einen Ort, die Geschichte trägt sich in nur wenigen Stunden zu. Wie schwierig war es beim Schreiben, diese Prämissen unter einen Hut zu bringen?

Jaoui: Ja – das sind die Einschränkungen, die Einheit von Ort und Zeit. Wir mögen aber diese Bedingungen und sind daran gewöhnt: So haben wir auch schon für das Theater geschrieben. Die Schwierigkeit ist dabei, nicht den Überblick und die anfängliche Idee aus den Augen zu verlieren. Viele Zuschauer haben mir auch berichtet, dass der Film beim zweiten Sehen besser wird. Man kann den Figuren besser folgen, man entdeckt mehr

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