Transgender im Film

Donnerstag, 18.10.2018

Zum Kinostart von "Girl": Über Girls, Tomboys und Romeos

Diskussion

Die Wahrnehmung von Transgender-Menschen und Transidentität hat sich nicht nur in der Gesellschaft, sondern auch im Kino in den letzten Jahren gewandelt. Vermehrt zeigen Filme die existenzielle Herausforderung, die eigene Identität ausleben zu dürfen, auch angesichts eines oft zumindest argwöhnischen Umfelds. Das belgische Drama „Girl“ zeigt aktuell, wie schwer dieser Zwiespalt gerade für Jugendliche in der Pubertät ist, und hat darin bereits einige Vorgänger.


Ein Trailer Park in Lincoln, Nebraska. Hier findet in einem Wohnwagen gerade etwas statt, das ein Leben verändern wird. „Kürzer. Noch kürzer“, hört man eine Stimme. Erst dann sieht man einen Burschen, der seine neue Frisur begutachtet. Er glättet ein paar widerspenstige Strähnen mit Spucke und lächelt. „Das ist das Abartigste, was ich je gesehen habe!“, findet Lonny, der die Haare geschnitten hat. Doch der andere scheint das kaum zu hören, erkennt er doch im Spiegel endlich die Person, die er innerlich schon lange ist und äußerlich herbeigesehnt hat: einen jungen Mann, groß, schlaksig, mit vollen Lippen im schmalen Gesicht und einer beeindruckenden Beule in der Hose, wobei ihm so viel ausgestellte Männlichkeit dann doch zu viel ist. Er zieht eine der beiden zusammengerollten Socken aus dem Schritt, überprüft sein Profil und ist zufrieden. Aus einem Mädchen namens Teena Brandon ist Brandon Teena geworden – ein abenteuerlustiger Kerl auf dem Weg zu einer Rollschuhbahn, wo er ein Date hat.

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Basierend auf einer wahren Begebenheit aus dem Jahr 1993 erzählte Regisseurin Kimberly Peirce in ihrem Debüt „Boys Don’t Cry“ (1999) eine Geschichte, die bekanntermaßen nicht gut ausgeht. Brandon wird Opfer einer Gesellschaft, die alles Nicht-Konforme ablehnt und darüber hinaus extrem homophob ist. Denn er wird, als sein Geheimnis herauskommt, von seinem Umfeld nicht als transident, also in seinem Fall als jemand, der von Geburt aus weiblich ist, sich diesem Geschlecht aber nicht zugehörig fühlt, wahrgenommen. Vielmehr wird er als Frau gesehen, die sich männlich gibt und auf Mädchen steht. In den Augen seiner Mitmenschen ist er folglich ein „dyke“, herablassend für Lesbe. Noch schlimmer ist allerdings, dass Brandon der bessere Mann ist. Die Herzen der Frauen fliegen ihm nur so zu, ist er doch zärtlicher und v

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