Ein Interview mit Ziad Doueiri

Donnerstag, 25.10.2018

Zum Kinostart von „Der Affront“

Diskussion

Der 1963 geborene libanesische Filmemacher Ziad Doueiri ist keiner, der ein Blatt vor den Mund nimmt oder einer Konfrontation ausweicht. Das brachte ihm von muslimischer und palästinensischer Seite schon anlässlich seines Films „The Attack“ (2012) Feinde ein. Sein neuer Film „Der Affront erzählt von zwei Männern in Beirut, dem libanesischen Christen Toni und dem palästinensischen Flüchtling Yasser, die wegen einer Beleidigung vor Gericht landen. Ein Streit aus verletzter Ehre, der zu Demonstrationen und politischer Eskalation führt. Die Parabel über religiöse Eiferei und Fanatismus geht über die persönliche Ebene hinaus, zeigt die unbewältigten Traumata eines Landes und seiner Bewohner. Der palästinensische Schauspieler Kamel El Basha wurde 2017 in Venedig mit der „Coppa Volpi“ als bester Darsteller ausgezeichnet und der Film in diesem Jahr für den „Auslands-Oscar“ nominiert. Beim Filmfest München erhielt Doueiri den „Friedenspreis des Deutschen Films – Die Brücke“ für seine „tiefe Menschlichkeit“ und gleichzeitig die Darstellung „bitterer Realität“.


Sie haben in USA studiert, mit Quentin Tarantino gearbeitet und leben derzeit in Paris. Was brachte Sie wieder in den Libanon?

Ziad Doueiri: Ich habe meine Herkunft nicht vergessen und kehre zu meinen Wurzeln zurück. Die Region, in der ich aufgewachsen bin, ist nicht nur reich an Konflikten, sondern auch reich an Kultur. Die Handlung meines Films von 1998 „Die Kinder von Beirut“ spielte auch schon im Libanon, zu Beginn des Bürgerkrieges. Ich kenne die Region gut und finde da interessante Themen wie Glaube, Justiz, Ehre. Dabei versuche ich immer so zu schreiben, dass auch der Rest der Welt versteht, um was es geht. Egal ob in Europa, Australien oder Amerika. Wir sind ein in sich gespaltenes Volk mit einer Geschichte, die mich inspiriert und immer wieder zurückholt. Beirut war einmal eine wunderschöne Stadt, aber leben möchte ich da heute nicht mehr.


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