Ein Interview mit Nikolaus Leytner

Freitag, 02.11.2018

Zum Kinostart von „Der Trafikant“

Diskussion

Robert Seethaler erzählt in „Der Trafikant“ von einem Teenager, der in Wien den Anschluss Österreichs an Nazideutschland miterlebt, und von der fiktiven Freundschaft des Jungen zum jüdischen Psychoanalytiker Sigmund Freud. Nikolaus Leytner hat das Buch verfilmt. Im Interview erzählt er von dramaturgischen Herausforderungen, seinen Schauspielern und der aktuellen Brisanz, die er in dem Stoff sieht.


Wie sind Sie auf das Buch von Robert Seethaler gestoßen?

Nikolaus Leytner: Ich weiß gar nicht mehr, wann das genau war, 2012 vielleicht. Das Buch ist ja erst in Österreich erschienen, dann in Deutschland. Ich habe zunächst eine Rezension im Radio gehört und es mir dann gleich am ersten Tag, als es erschienen ist, gekauft. Und dann in einem Zug gelesen. Ich habe mir sofort gedacht, dass das ein toller Filmstoff sei. Ich habe dann bei der Produktionsfirma, beim Lektorat angerufen: „Kauft bitte diesen Stoff. Das ist eine schöne Geschichte.“ Damals war Robert Seethaler noch nicht so bekannt, der Erfolg dieses Buchs auch nicht absehbar. Wir haben das irgendwie verschlampt. Später habe ich gehört, dass die Epo-Film die Rechte gekauft hat, und hatte das Glück, dass die Produzenten dort mich tatsächlich gefragt haben, ob ich die Verfilmung realisieren will.

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Was ist denn das Besondere an dieser Geschichte?

Leytner: Wir haben diese Zeit in Filmen schon sehr oft gesehen. Das Besondere an dieser Geschichte ist, dass sie jetzt anders gezeigt wird. Und zwar aus der Sicht eines jungen, sehr wachen, sehr neugierigen, aber auch sehr naiven Burschen, der vom Land in die Stadt kommt und auf eine völlig neue Welt trifft. Eine Welt, die im Umbruch ist, in der es brodelt, in der es politisch sehr schwierig ist. Es nimmt das alles so lange nicht wahr, so lange es seine unmittelbare Umgebung nicht betrifft. Er verliebt sich. Für ihn ist das Dekolleté einer Kundin wichtiger als die Politik. Das hat mir gut gefallen, dass diese Geschichte eine andere Perspektive zeigt. Robert Seethaler hatte die Idee, diese zwar nicht wahre, aber vorstellbare Geschichte mit dieser berühmten Persönlichkeit Sigmund Freud mit einzubauen. Es gibt ja mehrere Beziehungsachsen zwischen dem Jungen und anderen Figuren in diesem Film: Da ist der Ersatzvater, der Vater, den er nicht ge

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