Vergissmichnicht (WDR Fernsehen)

13.12., 23.25-00.45, WDR Fernsehen

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Der französische Regisseur Yann Samuell zeichnet in „Vergissmichnicht“ das doppelbödige Porträt einer Karrierefrau (Sophie Marceau), die an ihrem 40. Geburtstag eine Briefsendung erhält, die sie sich selbst als Siebenjährige geschrieben hat. Die darin niedergelegten Träume von einem erfüllten Leben stehen in spürbarem Gegensatz zu ihrer auf Geld und Erfolg ausgerichteten Wirklichkeit, was eine tiefe Irritation auslöst.

Margaret hat es bis in die Chefetage eines großen Pariser Konzerns geschafft. Sie verkauft Kernkraftwerke in die Dritte Welt und achtet dabei primär auf Profit, nicht auf Sicherheit. Um ja keine Schwäche zu zeigen, stellt sie sich bei schwierigen Verhandlungen immer vor, eine Berühmtheit wie Ava Gardner oder Marie Curie zu sein. Dann aber erreicht sie ausgerechnet an ihrem 40. Geburtstag ein in Kinderschrift verfasstes Schreiben. Als kleines Mädchen hatte sie mehrere Botschaften an ihr erwachsenes Ich verfasst und bei einem schrulligen Notar deponiert, der ihren Auftrag ernst nahm und die Flaschenpost pflichtgemäß am vereinbarten Tag mehrere Jahrzehnte später aushändigt. Die Lektüre der Briefe erweist sich als schmerzliche Reise in die eigene Vergangenheit.

Ein doppelbödiges, in der Hauptrolle hinreißend gespieltes Frauenporträt, hinter dessen scheinbar sentimental-nostalgischen Tendenzen die Geschichte einer Traumatisierung ausgelotet wird. Die Niedlichkeit und Wärme, mit der die kindliche Welt zunächst im Kontrast zur kühl-rationalen Gegenwart der Figur dargestellt wird, entpuppt sich dabei auf reizvolle Weise als trügerisch.- Ab 16.


Foto: WDR/Degeto/Nord Quest Productions/Mars Films

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