Wir haben nur gespielt

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Wie ein ausgesetztes Tier fühlt sich Jona an seinem neuen Wohnort. Die Mutter des Zehnjährigen ist ihrem neuen Freund an die deutsch-tschechische Grenze gefolgt, wo der Stiefvater in spe die Sympathie des Jungen sucht, der aber abblockt, wo er nur kann. Stundenlang streift er zu Fuß oder mit dem Fahrrad auf beiden Seiten der Grenze umher, die in Ann-Kristin Reyels’ Spielfilm „Wir haben nur gespielt“ weitgehend menschenentleert erscheinen: Verlassene Läden und Hotels, verwahrloste Geschäfte, dafür Wiesen und Wälder, die noch nach unberührter Wildnis aussehen, selbst wenn sich dort auch Ruinen mit Einschusslöchern finden.

Statt mit anderen deutschen Kindern zu spielen, fühlt sich der Einzelgänger Jona von der unbekannten Welt auf der tschechischen Seite angezogen, die ihm ausdrücklich verboten worden ist. Einige Kinder treiben sich dort in der Nähe eines heruntergekommenen Fabrikgebäudes herum, darunter auch der Jugendliche Miro, der ab und an in die Autos von deutschen Männern einsteigt und mit ihnen für eine Weile wegfährt. Ein Vorgang, auf den sich Jona noch keinen Reim machen kann; er sucht die Freundschaft von Miro, obwohl dieser ihn zurückstößt und bedroht. Erst allmählich findet er einen Zugang zu dem misshandelten Jungen, ohne dessen prekäre Lage durchschauen zu können.

Ähnlich sensibel wie in ihrem Debüt „Jagdhunde“ von 2007, in dem sie schon einmal von einem Jungen erzählte, der in einem trübsinnigen Nest nach Lebenssinn suchte, geht die Regisseurin auch in ihrem dritten Spielfilm vor. Den ganzen Film bleibt sie der Perspektive der Hauptfigur (gespielt von ihrem Sohn Finn-Henry) verpflichtet, sodass sich deren Ängste und das Gefühl, ungerecht behandelt zu werden, unmittelbar vermitteln. Subtil teilt sich auch die Ahnung eines unabwendbaren Unheils mit, durch Schwarzblenden, unter denen dumpf hallende Töne liegen, aber auch durch die dem Schauplatz entsprechende Ahnung, dass die Wildnis sich nur durch einen gewaltsamen Akt bezwingen lässt. – Sehenswert ab 14.

Zum Film in der ZDF-Mediathek


Foto: ZDF/Jenny Lou Ziegel

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