20 Jahre „The Sopranos“: Eine Hommage

Freitag, 11.01.2019

Am 10. Januar 1999 startete der Pay-TV-Sender HBO die Mafia-Serie, die Maßstäbe fürs serielle Erzählen setzte

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Tony vermisst die Enten. Immer wieder hat er die kleine Familie beobachtet: Wie sie in seinem Pool schwammen. Wie brav die Küken ihren Eltern folgten. Wie sie harmonisch schnatterten. Warum sind sie plötzlich nicht mehr da? Als Tony Soprano seiner Psychiaterin Dr. Melfi diese Gedanken anvertraut, steht er unter Druck. Seine missgünstige Mutter hält ihm ständig den schon lang verstorbenen Vater vor. Seine Frau Carmela verbringt lange Filmabende mit dem frauenflüsternden Priester Phil. Sein bisheriger Boss Jackie Aprile liegt im Sterben; bald kommt die Erbfolge aufs Tableau. Tony gilt als Anwärter, ebenso Onkel Corrado. Auf Vermittlung seines Nachbarn Cusamano, eines gesellschaftlich aufgestiegenen Italoamerikaners, gerät Tony an Dr. Melfi. Seinen Beruf verschleiert er halbherzig: Müllentsorgung. So kann man es auch nennen.

Vor 20 Jahren strahlte der Pay-TV-Sender HBO am 10. Januar 1999 die erste Folge der Mafia-Serie „The Sopranos“ aus. Der Drehbuchautor David Chase war damit beauftragt worden, eine Art Der Pate als moderne Serie zu entwickeln. Die mit unzähligen Fernsehpreisen bedacht Serie wurde schnell zum Zuschauermagneten wie zum Kritikerliebling. Und trug maßgeblich dazu bei, das Format der über sechs Staffeln ausgebreiteten Drama-Serie mit unzähligen Figuren zum Goldstandard der Fernsehunterhaltung aufzuwerten – dies gilt insbesondere für internetbasierte Streamingdienste à la Netflix, die solche Serien als wichtigstes Mittel nutzen, um Abonnenten an sich zu binden.


Artwork zu Staffel 3 der "Sopranos"
Artwork zu Staffel 3 der "Sopranos"

Auf den Spuren von „Der Pate“ und „Goodfellas“

Ein Mafioso vertraut seine Ängste einer Psychiaterin an. Das schien trotz der geradlinigen Geschichte gut zu den seinerzeit ewig um sich selbst kreisenden Erzählungen zu passen. Zugleich beschäftigten sich die Autoren um David Chase mit der inzwischen zur Obsession gewordenen ethnischen Identität.

Einen „Shrink“, einen Psychiater aufzusuchen, gilt in Tonys Kreisen als Tabu. Es dient zwar seiner mentalen Gesundheit, doch es gefährdet ihn zugleich. Tony macht rasch deutlich, dass er nach seinen Regeln spielen will: „Dieser ganze Freud-Kram, ein Mann will mit seiner Mutter schlafen – so was läuft hier nicht.“ Trotzdem wird es immer wieder um diese Mutter gehen, um ihre Ma

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