Ein Interview mit Talal Derki

Montag, 18.03.2019

Ein Gespräch über den Dokumentarfilm „Of Fathers and Sons – Die Kinder des Kalifats“, der den Alltag eines syrischen Islamisten porträtiert

Diskussion

In seinem Dokumentarfilm „Of Fathers and Sons – Die Kinder des Kalifats“ (zur FILMDIENST-Kritik) taucht der in Berlin lebende Filmemacher Talal Derki indie Welt von Dschihadisten ein. Als angeblicher Sympathisant begleitete Derki zwei Jahre lang einen fanatischen Islamisten und seine acht Söhne und filmte den Alltag einer sonst streng abgeriegelten Welt. Ein Gespräch über das „Oscar“-nominierte Werk.


Was war Ihr Hauptmotiv, den Alltag eines Islamisten zu dokumentieren und dabei Ihr Leben zu riskieren?

Talal Derki: Ich wollte die komplizierte Situation meines Landes verstehen und wie sie entstanden ist. Es geht in dem Film darum, warum religiöse Menschen sich radikalisieren, aber auch um den Ursprung der Gewalt und wie sie sich ausbreitet. Wenn Dschihadisten große Teile von Syrien besetzen, verurteilen sie diese Regionen dazu, komplett zerstört zu werden. Terroristen wissen, dass jeder Ort, an dem sie sich niederlassen, der Vernichtung anheimfällt. Ich bin kein religiöser Mensch und kann daher nicht nachvollziehen, wie Anhänger des Islams immer gewalttätiger werden und immer mehr die politische Situation prägen. Ich habe meine eigenen Vorstellungen von Gott, und die haben mit dieser Religion nichts zu tun. Ich wollte verstehen, wie Islamisten es schaffen, aus ihren Kindern Soldaten zu machen, was sie wirklich antreibt. Es ging mir darum, ihren Alltag kennenzulernen, denn nur dort findet man vielleicht Antworten darauf, was sie zu ihren Handlungen antreibt. Erst wenn man versteht, was in ihren Köpfen vorgeht, kann man Lösungen suchen, wie man ihr Treiben beenden kann.

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