Filmklassiker: Die Wikinger

Montag, 18.03.2019

Restauriert auf DVD/BD: Richard Fleischers Abenteuer-Spektakel mit Kirk Douglas (1958)

Diskussion

Die wilden Nordmänner im Spiegel von Hollywoods Ausstattungskino der 1950er Jahre: Richard Fleischers Abenteuerfilm mit Kirk Douglas und Tony Curtis war ein für die damalige Zeit erstaunlich brachiales Spektakel. Nun ist er brillant restauriert als Blu-ray und DVD neu erschienen.


„Ich werde ihn bis ans Ende der Welt jagen. Und ich werde ihn finden. Das schwöre ich beim heiligen Blute Odins!“ Der Ton in Richard Fleischers Abenteuerspektakel „Die Wikinger“ (1958) ist von Beginn an martialisch. Regisseur Richard Fleischer (1916-2006) inszenierte mit „Die Wikinger“ ein Prunkstück des Hollywoodkinos der späten 1950er-Jahre – jener Zeit, in der Hollywood sich mit aufwändig ausgestatteten, in bunten Farben erstrahlenden Historien-Stoffen in Form von Monumental-, Ritter- und Mantel-und-Degen-Filmen gegen die Konkurrenz des neuen Mediums Fernsehen wehrten. In der zweiten Hälfte der 1950er-Jahre verfügte zwar bereits etwa jeder zweite Haushalt in den USA über ein (Schwarz-weiß-)TV-Gerät, aber einen Bilderrausch, wie Fleischer und sein Kameramann Jack Cardiff ihn auf die Leinwand brachten, gab es da nicht zu sehen. Fleischer ließ im Auftrag des Studios United Artists für die damals gigantische Produktionssumme von 6 Millionen Dollar sogar originalgetreue Wikingerschiffe zimmern, die beim Dreh in den norwegischen Fjord-Landschaften tatsächlich auf dem Wasser schwammen und nicht etwa im Studio für Einzelszenen nachgebaut oder per Tricktechnik zum Leben erweckt wurden – was seinem Historienepos eine sinnliche, taktile Qualität verleiht, der die über 60 Jahre, die der Film nun alt ist, nichts anhaben konnten. Dasselbe gilt für die Dekorschlachten, die für diese Prestigeproduktion in den Bavaria Film Studios in Geiselgasteig ausgefochten wurden.


An Bord bei den Wikingern: Szene aus "Die Wikinger"
An Bord bei den Wikingern: Szene aus "Die Wikinger"


Ein vergleichsweise finsteres und gewalttätiges Spektakel

Richard Fleischer gilt als versierter Handwerker, der mühelos viele Genres bedienen konnte. Bildgewaltige Monumentalfilme („Barabbas“) oder Fantasy-Abenteuer („Die phantastische Reise“) inszenierte er ebenso wie kluge Science-Fiction-Stoffe („... Jahr 2022... die überleben wollen“), Musicals („Doctor Dolittle“) oder spannende Thriller („Stiefel, die den Tod bedeuten“). Seine Version der mythenumrankten Wikingerwelt („Die Wikinger“) ist nun brillant restauriert zum ersten Mal als Blu-ray erschienen und nicht nur wegen ihrer Spektakel-Werte auch heute noch interessant. Fleischer und seine Drehbuchautoren Calder Willingham und Dale Wasserman schlugenmit dem mythisch aufgeladenen Leinwandstoff um Rivalität und Freundschaft, Hinterlist und Opferbereitschaft bei den wilden Nordmännern einen Tonfall ein, der für die damalige Zeit einigermaßen grenzgängerisch war: Verglichen mit den anderen Bibel-, Monumental-, Ritter- und Mantel-und-Degen-Filmen jener Epoche, die den Zuschauern eine herausgeputzte, familientaugliche Version der Geschichte präsentierten, gaben sich Fleischers „Wikinger“ ausgesprochen finster und verhältnismäßig gewalttätig – Vorläufer eines physischeren Actionkinos, wie es in den Jahrzehnten danach die romantisierten Abenteuerfilme der 1950er-Jahre allmählich ablösen sollte. Für dieses aus heutiger Perspektive erstaunlich freizügige Körperkino kreierte Kameramann Jack Cardiff („Die roten Schuhe“/„African Queen“) eine Reihe pathetisch-einprägsamer Heldenszenen, die in der Naturlandschaft Norwegens weitgehend ohne Body-Doubles gedreht wurden und in formidablen Cinemascope-Einstellungen erstrahlen.


Harte Kerle, fügsame Frauen

Im Mittelpunkt der Story stehen zwei ungleiche Heroen: Zum einen der Sklave Eric, der eigentlich aus einem edlen Geschlecht stammt und als Neugeborener verschleppt worden ist. Tony Curtis spielt ihn muskelbepackt, braungebrannt und mit einem leicht androgynen Touch als interessanteste Figur in einem weitgehend konservativ besetzten Rollenumfeld und als Gegenpart zum Testosteron-gesteuerten Wikingerfürsten Einar (Kirk Douglas), der für seine Ziele gleichermaßen tyrannisch wie skrupellos agiert. Was beide eint, ohne es anfangs zu wissen, ist derselbe Familienstammbaum: Eric ist eigentlich Einars Halbbruder.


Tony Curtis & Janet Leigh: Traumpaar der 1950er auf und jenseits der Leinwand
Tony Curtis & Janet Leigh: Traumpaar der 1950er auf und jenseits der Leinwand

In Richard Fleischers Actionregie tritt dieses wichtige Faktum allerdings in den ersten 30 Minuten nicht in den Vordergrund; vielmehr erweckt das Drehbuch zunächst eine „barbarische“ Welt voller Trinkgelage, Raufereien, Vergewaltigungs- und Misshandlungsszenen rauschhaft zum Leben – ohne sich selbstverständlich um die Gemütslage neuer Feminismus-Bewegungen zu scheren: „Die Wikinger“ zeichnet Geschlechterverhältnisse, die man als „Rückprojektion“ der konservativ-reaktionären Gender-Bilder der 1950er-Jahre in die Wikingerzeit sehen kann, und ist in dieser Hinsicht wesentlich schlechter gealtert als bezüglich seines Looks. Frauenfiguren wie Prinzessin Morgana (Janet Leigh), um die sowohl Einar wie Eric bald kämpfen, werden auf Seiten der titelgebenden Wikinger als immerzu willige Sexualpartner gesehen, während die rivalisierenden Engländer sie als bloßes Machtinstrument für erzwungene Eheschließungen oder neue politische Bündnisse missbrauchen. In einer besonders einprägsamen Szene, in der einer blonden Wikinger-Frau Untreue unterstellt wird, schnallt man sie in einen hölzernen Apparat und befestigt ihre drei langen Zöpfe in unterschiedliche Richtungen. Im Anschluss werfen ihr vermeintlich gehörnter Mann sowie Einar in einer furiosen Tricksequenz nacheinander mit Äxten nach ihr, um entweder die Zöpfe zu durchtrennen und sie damit „freizusprechen“, oder sie „nach Odins Willen“ ihres Fremdgehens zu überführen und gleichzeitig öffentlich hinzurichten.


Da bleibt nur noch beten: Janet Leigh als Prinzessin unter archaischen Machos
Da bleibt nur noch beten: Janet Leigh als Prinzessin unter archaischen Machos

Was der „Oscar“-Preisträger („Design for Death“, 1948) und klassische Auftragsregisseur Fleischer hier nach einer Romanvorlage von Edison Marshall auf die Leinwand gebracht hat, ist letztlich ein vorweggenommenes „Game of Thrones“ für überwiegend männliche Zuschauer, die von harten Recken und schönen Frauen träumen; ein visuell brillanter Historienfilm, der beständig zwischen Pathos und Düsternis mäandert. Dabei trägt das hochkarätige Ensemble aus der „goldenen Ära“ Hollywoods den insgesamt wenig spannungsreichen Plot quasi wie von selbst. Bemerkenswert ist auch der üppig orchestrierte Filmscore von Mario Nascimbene, der wiederholt auf sakrale Chöre und ein heroisches Hornmotiv setzt, was in seiner Leitmotivik durchaus Assoziationen zu Richard Wagners „Götterdämmerung“ weckt und den atemberaubenden Totalen eine geradezu opernhafte Atmosphäre verleiht.


Seit dem 1.3. als aufwendig gestaltete 2-Disc Limited Collector’s Edition im Mediabook (mit BD und DVD) oder als Single-DVD erhältlich.


Fotos: ©Capelight

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