Chabrols süßes Gift (arte)

Donnerstag, 06.06.2019

19.6., 20.15-21.50, arte

Diskussion

„Misstraue deinem Nächsten“ könnte als Warnung über den Thrillern von Claude Chabrol stehen, nicht als wortspielerische Abwandlung des Gebotes, sondern als lebensnotwendige Ergänzung. Auch in Chabrols 52. Film mit dem liebenswerten Originaltitel „Merci pour le chocolat“ („Danke für die Schokolade“) (2000) sind es diejenigen, mit denen man täglich zusammen ist, die man am wenigsten kennt: Eine junge Pianistin (Anna Mouglalis) kommt in das Haus eines bekannten Pianisten (Jacques Dutronc) und seiner Frau (Isabelle Huppert), der Besitzerin einer Schokoladenfabrik, weil sie vielleicht bei der Geburt mit dem Sohn des Pianisten vertauscht wurde. Der Pianist wird ihr Lehrer und Ersatzvater, was die Ehefrau und der Sohn nicht gerne sehen. Es kommt zu einem rätselhaften Unfall… Ein subtiler, fast kammerspielartig inszenierter Psychothriller über kleine Geheimnisse, die zu großen Katastrophen führen, weil sich alle bemühen, nicht zu zeigen, was sie denken. Meisterhaft inszeniert und gespielt, schafft Claude Chabrol einen sozialen Mikrokosmos als „Film noir“ in Farbe. – Sehenswert ab 16.


Foto: Jérémie Nassif

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