Chronist mit offenem Ausgang: Interview mit Peter Heller

Mittwoch, 19.06.2019

Ein Gespräch mit dem Dokumentaristen Peter Heller über sein Werk und den Film „Markt der Masken“ (2015), der in einer überarbeiteten Version bei arte zu sehen ist

Diskussion

Peter Heller (Jahrgang 1946) gehört mit über 70 Filmen zu den produktivsten Dokumentaristen Deutschlands. Über 30 Filme drehte er in Afrika. Am 19. Juni strahlt arte seinen Film „Markt der Masken“ (2015, zum Film bei arte) aus, dessen ursprüngliche Fassung der Regisseur auf eigene Initiative hin in großen Teilen überarbeitet hat. Ein Gespräch über sich ändernde Methoden im dokumentarischen Schaffen und die Schubladen der „Afrika-Experten“.


Ihre Dokumentarfilme behandeln ein breites Themenspektrum, aber Ihr Herz scheint für Afrika zu schlagen. Woran liegt das?

Peter Heller: Anfangs war es gar keine Liebe zu Afrika. Nach Erfahrungen in Lateinamerika und Asien habe ich nach einem weißen Fleck beim Fernsehen gesucht, nach einem unbekannten Thema. Dabei entdeckte ich die deutsche Kolonialgeschichte. Die erste Malaria habe ich mir 1974 auf Sansibar eingehandelt, bei Recherchen für den Film Die Liebe zum Imperium (1978) über den deutschen Kolonialpionier Carl Peters in Tansania. Dabei habe ich mich mit den Menschen gut verstanden und bin deshalb bei Afrika geblieben.

Wie liefen damals die Arbeiten zum ersten Film?

Heller: Eigentlich nicht schwierig, nur die Schlepperei der vielen schweren Geräte war körperlich anstrengend. Es gab kein Licht, keine Akkus, man musste total improvisieren. Wir haben mit Petroleumlampen gedreht und hatten wenig Filmmaterial, weil man es ja transportieren und bezahlen musste. Das ist mit heute nicht vergleichbar. Die Freundlichkeit und Anständigkeit der Menschen entschädigte uns für die Mühe.

Halten Sie noch Kontakt zu Ihren Protagonisten?

Heller: Ich habe 1977 in Tansania gedreht. In Mbogos Ernte oder die Teilung der Welt ging es um die Frage, was unsere Blue Jeans mit den Bauern in Afrika und deren Baumwolle zu tun haben. Inzwischen kenne ich die dritte Generation der Bauern im Dorf, zu dem nur eine Buschstraße hinführt. Der Sultan im Königreich Bamoun (Kamerun) hat mich zum Ritter geschlagen, nachdem ich fünf Filme in Originalsprache zur Geschichte und der lokalen Kultur gedreht habe und weil ich immer wieder mit den Filmen zurückgekommen bin. In meinem Team arbeiteten von Anfang an Afrikaner und Afrikanerinnen gleich

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