Hans Menasse. The Austrian Boy

Freitag, 19.07.2019

Eine Biografie über das bewegte Leben des Wiener UIP-Presseattachés, der mit vielen Hollywood-Stars auf Du und Du war

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Nach dem Krieg kehrte Hans Menasse, der Vater von Robert und Eva Menasse, nach Wien zurück und betreute bei der UIP ein halbes Jahrhundert lang Hollywood-Stars während ihrer Besuche anlässlich von Filmpremieren. Über seine Begegnungen und Widerfahrnissen erzählt er in einer spannenden Biografie, die im Böhlau Verlag erschienen ist.


Hans Menasse, 1930 als Sohn eines jüdischen Vaters in Wien geboren, musste als Achtjähriger seine Heimat verlassen. Mit einem der legendären Kindertransporte floh er nach Großbritannien, wuchs dort bei einer Pflegefamilie auf und begann für sein Leben gern Fußball zu spielen. Mit 17 Jahren kehrte er nach Wien zurück, stieg zum Fußballstar auf, unter anderem als Mitglied der österreichischen Nationalmannschaft, suchte sich aber zugleich auch ein anderes Betätigungsfeld. In der Presseabteilung der US-amerikanischen Filmexportfirma UIP betreute er Hollywood-Stars während ihrer Besuche in der österreichischen Hauptstadt.

Kein Wunder, dass Hans Menasse viel zu berichten hat, am liebsten in seinem Lieblingslokal, dem Café Zartl in der Wiener Rasumowskygasse, in das er die drei Autoren des Buches einlud, um gemeinsam in seine Vita einzutauchen: zwei Historiker und einen Journalisten, der zugleich sein Neffe ist. Menasses Kinder Robert (der berühmte Schriftsteller), Eva und Tina steuerten dazu noch ein Nachwort bei: Reminiszenzen an den Vater, den sie als „unaufhörlichen Geschichtenerzähler“ und „leidenschaftlichen Schöpfer von Anekdoten, witzigen Formulierungen und verrückten, manchmal sehr albernen Sprachspielen“ bezeichnen.


Neuanfang nach dem Krieg

Das Buch „Hans Menasse. The Austrian Boy“ erweist sich hingegen eher als sachlich-nüchtern. Es wirkt bisweilen so, als hätten die Autoren Menasses unbändige Fabulierlust auf den rationalen Kern, die reine Aneinanderreihung von Tatsachen, heruntergebrochen. Das Buch ist gut lesbar; allerdings könnte man sich einen von Menasse selbst verfassten Lebensbericht wesentlich schillernder und prickelnder vorstellen. Gerade die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg und der Rückkehr nach Wien, in der Menasse als Lehrling bei einem Automechaniker und als Dreher Geld für den Familienhaushalt zu verdienen wollte, hält vermutlich viel mehr Anekdoten bereit, als sie hier versammelt sind.

1947 sprach Menasse, der im Exil fließend Englisch gelernt hatte, im Wiener Büro der US-amerikanischen Filmexportfirma Motion Picture Export Association vor und wurde im Service Department eingestellt. In den 47 Jahren seiner Tätigkeit fürs Kino überzeugte er seine Arbeitgeber durch eine Reihe kluger, wirkungsvoller Ideen. So übersetzte er Drehbücher von Filmen, die er zu promoten hatte, aus dem Englischen ins Deutsche und bot sie österreichischen Zeitungen zum Abdruck als Fortsetzungsserien an. Um den Elvis-Presley-Film „Girls! Girls! Girls!“ ins Gespräch zu bringen, holte er sich den Miss-Austria-Organisator an seine Seite und veranstaltete einen eigenen Schönheitswettbewerb. Als „nettesten Hollywood-Star“ empfand er den Komiker Danny Kaye, den er in seiner Funktion als Botschafter des Kinderhilfswerkes der Vereinten Nationen (UNICEF) durch Wien begleitete. Charlton Heston und Brian de Palma erinnert er hingegen als egomanisch und unangenehm.



Nicht im Bett des Judenmörders

Steven Spielberg begegnete Menasse bereits bei der Österreich-Premiere von dessen erstem Kinofilm „Duell“ im Sommer 1973. Damals erzählte ihm der junge, noch völlig unbekannte Regisseur den Plot zu „Der weißen Hai“, was Menasse zweifeln ließ, ob ein Film über einen Fisch ein Erfolg werden könnte. Auch für „Schindlers Liste“ übernahm Menasse die Pressearbeit; für Spielbergs Wien-Aufenthalt hatte er ein Zimmer im Hotel Imperial gebucht. Spielbergs Antwort ließ nicht lange auf sich warten: Er wolle unter keinen Umständen in jenem Hotel wohnen, in dem einst auch Adolf Hitler untergebracht gewesen sei „und vielleicht gar im selben Bett nächtigen wie der Judenmörder“. Die Österreich-Premiere von „Schindlers Liste“ kam dann einem Staatsakt gleich; neben Bundespräsident und Bundeskanzler war auch Simon Wiesenthal anwesend.

„Hans Menasse. The Austrian Boy“ enthält Geschichten über Arnold Schwarzenegger, Mel Ferrer, David Zucker, Natalie Wood und Leonard Nimoy – und natürlich über den umtriebigen Franz Antel, in dessen Fußballklub Menasse eine Zeitlang mitspielte. Die Autoren resümieren: „Die Mischung aus britischer Lebensart, Wiener Schmäh, Kreativität und ,Zug zum Tor‘ nicht nur im Fußball, sondern auch im Beruf hat Hans Menasse zu einer allseits geachteten und beliebten Person werden lassen.“ Das Buch unterstreicht diese Aussage auf respekt- und liebevolle Weise.


Hans Menasse. The Austrian Boy. Von Alexander Juraske, Agnes Meisinger, Peter Menasse (Hrsg.). Böhlau Verlag, Wien Köln Weimar 2019. 180 S., 23 EUR.

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