Blochin - Das letzte Kapitel

Freitag, 02.08.2019

Das ZDF zeigt am 5.8. ein verspätetes Finale von Matthias Glasners Krimiserie um den Berliner Kriminalkommissar Blochin (Jürgen Vogel)

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Mit Blochin erschien im September 2015 ein Polizist im öffentlich-rechtlichen Fernsehen, wie man ihn in dieser Form selten erlebt hatte. Angetrieben durch eine schmerzhafte Vorgeschichte, die das Schlimmste befürchten lässt, überschreitet der von Jürgen Vogel verkörperte Kriminalkommissar Blochin alle Grenzen der üblichen Polizeiarbeit im Kampf gegen die russische Mafia in Berlin. Das erinnerte an Dominik Grafs „Im Angesicht des Verbrechens“, reichte daran letztlich aber erzählerisch und schauspielerisch nicht heran.

Eigentlich war eine zweite Staffel geplant, die auch schon entwickelt wurde, doch waren die Einschaltquoten letztlich doch nicht so, dass sich das ZDF ein solches Unterfangen getraut hätte. Stattdessen drehte Matthias Glasner einen abschließenden Fernsehfilm. Der spielt zwei Jahre nach den Ereignissen der ersten Staffel. Den Mord des Killers Kyrill an seiner Tochter, der die fünfte Episode zu einem perfiden Höhepunkt hochschraubte, hat Blochin zu einem düsteren Rächer gemacht, der zu noch drastischeren Methoden greift als zuvor. Kaum geschehen – es handelt sich um eine Entführung – sieht die Dramaturgie einen Zeitsprung vor und fünf Tage später kommt es zu einer Schießerei zwischen mehreren Personen mit Todesfolge. Blochin und Dominik Stötzner (Thomas Heinze) sind darin verwickelt und werden festgenommen, weil der Fall intern untersucht werden muss. In den Verhören wird rückblickend erzählt, wie es zu dieser Schießerei gekommen und wie sie verlaufen ist.

Ein moralisches Armageddon

Es gibt noch weitere Rückblenden, und zwar in die Kindheit Blochins. Da gibt es noch ein Geheimnis zu lüften – ein schauderhaftes, so viel sei verraten. Es hat wie fast alles in diesem Film mit Schuld zu tun. Blochin trägt so viel Schuld auf seinen Schultern und Wunden an seinem Körper, dass es selbst Jürgen Vogel kaum noch gelingt, dies glaubwürdig zu verkörpern, auch wenn er sich wacker hält in seiner Darstellung dieses Schmerzensmannes. Ein zerquälter Held ist dem Film aber nicht genug, und so ist auch Stötzner geplagt von seinen unmoralischen Taten. Immerhin hält sich Thomas Heinze im Vergleich zu seinem bisweilen grotesken Spiel in den ersten Episoden etwas zurück. Doch die Bedeutungsschwere ist ihm immer noch in jedes gesprochene Wort, in jede Bewegung seines schlaksigen Körpers eingeschrieben.

„Blochin – das letzte Kapitel“ ist so dermaßen düster und schwer inszeniert als handele es sich um das letzte Kapitel der Menschheit. Eine Dystopie der Auflösung von Gut und Böse, angesiedelt nicht in Gotham City, sondern in Berlin. Die Berlin-Mafia-Serien haben damit ihren Zenit überschritten. Es wird Zeit, neue Handlungsorte zu finden.


"Blochin - Das letzte Kapitel" wird am 5.8. um 22.15 im ZDF ausgestrahlt. Außerdem steht die komplette Serie inklusive des Finales in der ZDF Mediathek bereit.



Foto: © ZDF/Stefan Erhard

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