„Italien ist ein Staat, der versagt“: Roberto Saviano über „Paranza – Der Clan der Kinder“

Donnerstag, 22.08.2019

Ein Interview mit dem italienischen Schriftsteller über die Macht der Mafia, den zerfallenden Staat in Italien und sein Leben im Untergrund

Diskussion

Seit der Veröffentlichung des Buches „Gomorrha – Reise in das Reich der Camorra“ (2006) steht der Journalist Roberto Saviano auf der Todesliste der Mafia. Er lebt unter Polizeischutz im Untergrund und kann sich nur in gepanzerten Autos fortbewegen. Doch der 1979 geborene Schriftsteller gibt nicht auf, sondern schreibt weiter. In seinem Buch „Der Clan der Kinder“ (2018) porträtiert er eine Gruppe von Heranwachsenden, die schon in jungem Alter in das Geschäft der Camorra einsteigen und davon träumen, es zu übernehmen. Gemeinsam mit Maurizio Braucci und dem Regisseur Claudio Giovannesi verfasste Saviano das Drehbuch zu „Paranza – Der Clan der Kinder“ (zur FILMDIENST-Kritik), der bei der „Berlinale“ 2019 einen „Silbernen Bären“ gewann, und wirkte an der filmischen Adaption auch als Produzent mit. Während des Interviews im Souterrain eines Berliner Hotels standen zwei Bodyguards vor der Tür.


Was fasziniert Jugendliche an der Mafia?

Roberto Saviano: Italien ist ein Staat, der versagt. Nichts funktioniert mehr, weder in der Politik noch in der Justiz oder im Gesundheitswesen. Wirtschaft, Politik und Verbrechen sind miteinander verknüpft, die Zivilgesellschaft hat abgedankt. Die Menschen trauen dem Staat nicht mehr. Früher fanden Menschen aus dem Süden im Norden Arbeit. Doch das ist vorbei. Es fehlt an Schulen und am Gemeinsinn. Wo es keine Bildung gibt, entsteht Gewalt. Die Jugendlichen brechen die Schule ab, einige suchen einen Job, andere arbeiten für die Mafia. Alle Warnungen vor diesen Prozessen sind verhallt. Was bleibt, sin

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