Steven Spielbergs „Unheimliche Begegnung der dritten Art“

Eine Neuedition des Science-Fiction-Klassikers

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Vor 40 Jahren konnte man erleben, wie es jenseits der kurz zuvor im Kino von George Lucas entfachten Sternenkriege „wirklich“ zugehen kann, wenn Fremde aus anderen Galaxien die Erde besuchen. Eine „unheimliche Begegnung“ versprach der deutsche Kinofilmtitel irreführenderweise – im Original versprach Steven Spielbergs Film lediglich „Close Encounters of the Third Kind“. Und doch trifft er den Kern der Ereignisse, spiegelt er doch den Unglauben, die Beunruhigung und den Zweifel, der die Protagonisten anfänglich befällt, als die Außerirdischen landen – in Fluggeräten, die glitzern wie Christbaumkugeln. Was wiederum recht gut umschreibt, wie es sich wohl anfühlen würde, sollten einmal tatsächlich außerirdische Flugobjekte über den Straßen der eigenen Stadt auftauchen. Spielbergs Film ist kein Abenteuerfilm à la „Star Wars“, kein Horror- und auch kein typischer Science-Fiction-Film, eher schon wirkt er wie ein Doku-Drama, in dem zufällig auch Wissenschaft(-ler) und Außerirdische vorkommen.

Was „Unheimliche Begegnung der dritten Art“ mit seinem ganz besonderen Erzählgestus bewirkt, ist das Staunen angesichts einer Begegnung mit etwas zuvor noch nie Gesehenem, mit etwas völlig Fremdem. Spielberg entwirft die Utopie, dass solch eine Begegnung nicht in Angst und Abwehr verharren muss, sondern in den Drang zu verstehen münden kann. Genau das versuchen die Figuren des Films: Sie basteln und rechnen und forschen, um mit den Wesen aus dem Himmel kommunizieren zu können. Am Ende stellt sich heraus, dass etwas „Unbedeutendes“ wie Klang und Musik den Schlüssel bildet: Eine riesige Lichtorgel in der Wüste macht mit einem Fünftonlauf aus einer „unheimlichen“ Begegnung eine wahrlich erhebende, glückliche Erfahrung. Geerdet wird dies durch die Besetzung: Regisseur François Truffaut spielt einen Wissenschaftler, Richard Dreyfuss einen chaotischen, grantelnden, sinnsuchenden Familienvater, der damals fünfjährige Cary Guffey ist das exemplarische Kind in uns allen. Und dank der Kompositionen von John Williams sind immer die richtigen Klänge an der richtigen Stelle, wenn die Sprache dem Staunen weichen soll.

Seit nunmehr 40 Jahren hält dieses Staunen über den Film an. Lange vor der Manie, neue und (vermeintlich) bessere Versionen von alten Filmen für den DVD- und Blu-ray-Markt zu erstellen, bastelte Spielberg schon kurz nach der Erstveröffentlichung an neuen Visionen. So entstand 1980/81 „Unheimliche Begegnung der dritten Art – Die neue Version“, sehr zum Ärger vieler Zuschauer und Kritiker, weil mehr von den Außerirdischen gezeigt wurde, während sie in ihren Augen doch eher vage bleiben sollten. Nach weiteren 18 Jahren bog Spielberg dies in einer neuerlichen (längeren) „Directors‘s Cut“-Fassung zurecht, die das Original zwar nicht wieder herstellte, aber vielleicht sogar noch verbesserte. 2007 erschien „Unheimliche Begegnung der dritten Art“ erstmals auf Blu-ray, als erster Spielberg-Film überhaupt. Nun konnte man auf einem Trägermedium alle drei Fassungen miteinander vergleichen, wobei bunte Einblendungen erklärten, was wo fehlt oder was neu ist.

Das Staunen blieb dabei allenfalls noch den Filmwissenschaftlern, die das Meisterwerk dank des Spielwillens seines Regisseurs trefflich „sezieren“ konnten. Zum 40. Jubiläum erlebt der Film jetzt seine „Wiedergeburt“: In US-amerikanischen Kinos sowie auf Festivals startete er in in der restaurierten „Director’s-Cut“-Fassung, die hierzulande nun mit den beiden übrigen Versionen auf 4K-UHD herauskommt. Was es möglich macht, einmal mehr ins Staunen zu geraten – angesichts eines zeitlosen Films mit kongenialer Musik, glaubwürdigen Figuren und Bildern, die immer noch (oder wieder) umwerfend schön sind.


„Unheimliche Begegnung der dritten Art“. USA 1977. Regie: Steven Spielberg. 137 Min. FSK: ab 12. Anbieter: Sony Pictures (4K-UHD).

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