In memoriam… 2019

Freitag, 27.12.2019

Erinnerungen an Filmschaffende, die im Laufe des Jahres 2019 gestorben sind

Diskussion

Ein Jahr endet, ein neues beginnt. Das ist Anlass für vielerlei Rückblicke, auch für Erinnerungen an Filmschaffende, die 2019 verstorben sind. Zu ihnen zählen nicht nur Bruno Ganz, Agnès Varda, Edith Scob, Hannelore Elsner oder Peter Fonda, sondern auch Mungau Dain von dem Südseestaat Vanuatu (im Bild als Darsteller in "Tanna") und viele viele andere.


Pio Corradi (19.5.1940-1.1.2019)

Der Schweizer Kameramann Pio Corradi prägte mit seiner Bildkunst etliche Filme seines Landes und zeichnete sich vor allem durch seinen Umgang mit Licht und die ruhige Annäherung an Menschen vor der Kamera aus. So übernahm er etwa für Fredi M. Murer ab dem Bergbauern-Drama „Höhenfeuer“ (1985) immer wieder die Bildgestaltung, was ihm auch zur Arbeit bei weiteren Dokumentarfilmen in der Schweizer Bergwelt wie „Giovanni Segantini – Magie des Lichts“ (2015) und „Köhlernächte“ (2017) verhalf.


Mungau Dain (1994-5.1.2019)

Der mit nur 24 Jahren an einer Sepsis verstorbene Laiendarsteller Mungau Dain aus dem Südseestaat Vanuatu spielte die Hauptrolle in der „Oscar“-nominierten „Romeo & Julia“-Variante „Tanna – Eine verbotene Liebe“ (2015).


Gregg C. Rudloff (2.11.1955-6.1.2019)

Der amerikanische Tontechniker Gregg C. Rudloff war einer der begehrten Könner seines Metiers, der u.a. drei „Oscars“ für seine Arbeit an „Glory“ (1989), „Matrix“ (1999) und „Mad Max – Fury Road“ (2015) gewann.


Jocelyne Saab (30.4.1948-7.1.2019)

Die Regisseurin Jocelyne Saab war eine Pionierin des libanesischen Kinos, die über ihre Arbeit als Kriegsreporterin zum Dokumentarfilm kam. Die Zerrissenheit ihres Heimatlands in Folge des Bürgerkriegs waren immer wieder Thema ihrer Spiel- und Dokumentarwerke, für die sie weltweit Anerkennung erntete.

Aus dem Jahr 2006 stammt "Dunia - Kiss Me Not on the Eyes" von Jocelyne Saab
Aus dem Jahr 2006 stammt "Dunia - Kiss Me Not on the Eyes" von Jocelyne Saab

Carol Channing (31.1.1921-15.1.2019)

Die US-Schauspielerin Carol Channing war mit ihren vor Vitalität berstenden Interpretationen einer der größten weiblichen Stars des Musical-Theaters (u.a. in der Uraufführung von „Hello, Dolly!“). Im Kino spielte sie ihre markanteste Rolle als exzentrische Witwe im 1920er-Musical „Modern Millie“ (1967), wofür sie den „Golden Globe“ gewann und für den „Oscar“ nominiert wurde.


François Perrot (26.2.1924-20.1.2019)

Der französische Schauspieler François Perrot war als Interpret bürgerlicher und blasierter Charaktere vor allem in den 1970er- und 1980er-Jahren ein beliebter Nebendarsteller für Regisseure wie Claude Chabrol, Christian de Chalonge oder Henri Verneuil. Dankbare Rollen gab ihm auch Bertrand Tavernier, etwa die eines kriegsmüden Hauptmanns in „Das Leben und nichts anderes (1989).


Jonas Mekas (24.12.1922-23.1.2019)

Der litauisch-amerikanische Filmemacher Jonas Mekas etablierte mit dem New American Cinema ein radikales und zugleich poetisches Avantgarde-Kino. Der „Godfather“ des amerikanischen Underground-Films beschrieb in seinen oft äußerst langen Werken wie „Erinnerungen an eine Reise nach Litauen“ (1971) die Poesie des Alltäglichen und lehnte jede Form der künstlichen Bildbearbeitung für seine Filme ab.

Eine ausführliche Würdigung von Jonas Mekas findet sich hier.

"Godfather" des US-amerikanischen Underground-Kinos: Jonas Mekas
"Godfather" des US-amerikanischen Underground-Kinos: Jonas Mekas


Dusan Makavejev (13.10.1932-25.1.2019)

Der serbische Regisseur Dusan Makavejev ließ sich nicht ins sozialistische System Jugoslawiens einspannen und eckte in den 1960er- und 1970er-Jahren mit spöttisch-subversiven Werken wie „WR– Mysterien des Organismus (1971) regelmäßig an. Auch nach seiner Emigration blieb er ein kritischer Geist, der die Konsumgesellschaft gleichermaßen aufs Korn nahm wie zuvor hehre revolutionäre Ideale.

Eine ausführliche Würdigung von Dusan Makavejev findet sich hier.


Michel Legrand (24.2.1932-26.1.2019)

In den Filmscores des französischen Komponisten Michel Legrand trat die Musik aus dem Hintergrund hervor und wurde selbst zum Star. Zusammen mit dem Regisseur Jacques Demy schuf Legrand bei „Die Regenschirme von Cherbourg (1964) eine einzigartige Form des Filmmusicals. Seine Bandbreite bewies er aber auch als Komponist für Filmemacher wie Orson Welles („The Other Side of the Wind“, 1970-76), Barbra Streisand („Yentl“, 1983) oder Clint Eastwood („Begegnung am Vormittag“, 1973).

Eine ausführliche Würdigung von Michel Legrand findet sich hier.


Dick Miller (25.12.1928-30.1.2019)

Der US-Schauspieler Dick Miller wurde zunächst durch seine Nebenrollen für den Billigfilm-Produzenten Roger Corman bekannt; später besetzten ihn Cormans Schüler James Cameron, Martin Scorsese und insbesondere Joe Dante, bei dem Dick Miller zwischen 1976 und 2014 in jedem Film eine Rolle spielte. Am bekanntesten wurde er durch den Part des Nachbars Murray Futterman in „Gremlins“ (1984) und „Gremlins 2“ (1990). 2014 stand er erstmals im Mittelpunkt eines Films, der Dokumentation „That Guy Dick Miller“.


Ursula Karusseit (2.8.1939-1.2.2019)

Als eine bekannte Theaterschauspielerin in der DDR spielte die Ostpreußin Ursula Karusseit auch in DEFA-Filmen Hauptrollen, wozu populäre Stoffe wie der Vierteiler „Eva und Adam“ (1971/72), Märchen wie „Die vertauschte Königin (1984) oder auch Konrad Wolfs Filmsatire „Der nackte Mann auf dem Sportplatz“ (1974) zählten.


Julie Adams (17.10.1926-3.2.2019)

Die sympathische US-Schauspielerin Julie Adams lockte im Badeanzug in „Der Schrecken vom Amazonas“ (1954) das titelgebende Monster aus seinem Versteck und trat ansonsten in einfühlsamen Rollen in Western („Meuterei am Schlangenfluss, 1951), Kriegsfilmen („Brückenkopf Tarawa“, 1958) und Komödien („Wem die Sterne leuchten“, 1956) auf. Nach den 1950er-Jahren war sie u.a. in Dennis Hoppers „The Last Movie“ (1971) und dem John-Wayne-Actionfilm „McQ schlägt zu“ (1973) zu sehen.


Václav Vorlícek (3.6.1930-5.2.2019)

Der große tschechische Märchenfilmer Václav Vorlícek versüßt auch den Deutschen Jahr für Jahr mit „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel (1973) die Weihnachtstage. In Erinnerung bleibt der Regisseur aber nicht nur mit seinen charmanten Kinderfilmen, sondern auch mit skurrilen Komödien für Erwachsene wie „Das Mädchen auf dem Besenstiel“ (1971), die mit leisem Spott den Alltag für Possen und Satiren plünderten.

Eine ausführliche Würdigung von Václav Vorlícek findet sich hier.

Ein Klassiker der Weihnachtszeit: "Drei Haselnüße für Aschenbrödel"
Ein Klassiker der Weihnachtszeit: "Drei Haselnüße für Aschenbrödel"

Peter Steinbach (10.11.1938-6.2.2019)

Der aus Leipzig stammende Autor Peter Steinbach gehörte zu den renommierten Hörspielverfassern Deutschlands und gewann für seine Arbeit u.a. den „Hörspielpreis der Kriegsblinden“. Als Drehbuchautor wirkte er an verschiedenen Projekten von Edgar Reitz, insbesondere an dessen Fernsehepos „Heimat“ (1981-84), mit, schrieb weitere Fernseh-Mehrteiler wie „Klemperer – Ein Leben in Deutschland“ (1999) und „Jahrestage“ (2000) sowie für Joseph Vilsmaier das Buch zu „Herbstmilch“ (1988).


Albert Finney (9.5.1936-7.2.2019)

Der britische Schauspieler Albert Finney entwickelte auf der Leinwand eine immense Präsenz, mit der er von den Anfängen im Free Cinema („Samstagnacht bis Sonntagmorgen“, 1960) bis zu Altersrollen in Blockbustern („Skyfall“, 2012) zahlreiche denkwürdige Auftritte gestaltete. Filme von John Huston („Unter dem Vulkan“, 1984) und Sidney Lumet („Mord im Orient-Express“, 1974) bis zu Steven Soderbergh („Erin Brockovich“, 2000) und Tim Burton („Big Fish“, 2003) bezogen Kraft aus seinen wuchtigen, oft heißblütigen Charakteren.

Eine ausführliche Würdigung von Albert Finney findet sich hier.

Albert Finney in "Tom Jones"
Albert Finney in "Tom Jones"


Ahuva Sommerfeld (1937-8.2.2019)

Die in Jerusalem geborene Ahuva Sommerfeld kam mit über die Bekanntschaft mit einem Kameramann im Alter von 80 Jahren noch zu späten Filmehren: Im Drama „Frau Stern“ spielte sie eine lebensmüde jüdische Seniorin.


Jan-Michael Vincent (15.7.1944-10.2.2019)

Der gutaussehende, kantige US-Schauspieler Jan-Michael Vincent setzte in den 1970er-Jahren Akzente als rebellischer junger Mann im Actionkino neben etablierten Stars wie Charles Bronson („Kalter Hauch, 1972), Gene Hackman („700 Meilen westwärts, 1975) oder Burt Reynolds („Um Kopf und Kragen“, 1978). In den 1980er-Jahren verkörperte er den Helden der Action-Spionageserie „Airwolf“.


Bruno Ganz (22.3.1941-16.2.2019)

Der Schweizer Schauspieler Bruno Ganz war einer der international meistgeschätzten und -ausgezeichneten deutschsprachigen Mimen, der neben einer langen Theaterkarriere auch im Kino seit den 1960er-Jahren sehr präsent war. Sein ruhiges, vielschichtiges Spiel umgab eine besondere Aura, die es weit über die einzelnen Rollen hinaus zum Ereignis machte, zu deren Meilensteinen „Der sanfte Lauf“ (1967), „Der amerikanische Freund“ (1976), „Der Himmel über Berlin“ (1987), „Brot und Tulpen“ (2000) und „Der Untergang“ (2004) zählten.

Eine ausführliche Würdigung von Bruno Ganz findet sich hier.

Bruno Ganz in "Der Himmel über Berlin"
Bruno Ganz in "Der Himmel über Berlin"


Claude Goretta (23.6.1929-20.2.2019)

Der Schweizer Filmemacher Claude Goretta fand in den 1970er-Jahren auch international Beachtung mit seinem tragikomischen Gesellschaftsspiel „Die Einladung“ (1973) und der subtilen Studie „Die Spitzenklöpplerin“ (1977). In den 1980ern folgten das Frauenporträt „Die Verweigerung“ (1980) und „Der Tod des Mario Ricci“ (1983), der wie viele von Gorettas Filmen um das Scheitern von Lebensträumen kreiste. Optimistischer setzte er in „Wenn die Sonne nicht wiederkäme“ (1987) ein Zeichen für den unbeirrbaren Glauben an den Fortbestand des Lebens.


Stanley Donen(13.4.1924-21.2.2019)

Der US-Regisseur Stanley Donen war der unübertroffene Meister leichtfüßig-romantischer Komödien und Musicals: Mit Filmen wie „Singin’ in the Rain“ (1952), „Eine Braut für sieben Brüder“ (1954) oder „Charade“ (1963) verlieh er dem klassischen Hollywood-Kino durch Eleganz, Timing und elaborierte Choreografien einen unvergleichlichen Charme.

Eine ausführliche Würdigung von Stanley Donen findet sich hier.


Morgan Woodward (16.9.1925-22.2.2019)

Der US-amerikanische Schauspieler Morgan Woodward spielte in etlichen Filmen Nebenrollen, Prägnanz verlieh er insbesondere dem sonnenbebrillten, wortlos Distanz wahrenden Wärter in „Der Unbeugsame“ (1967) als Abbild eines unmenschlichen Gefängnissystems.


Katherine Helmond (5.7.1929-23.2.2019)

Die US-Darstellerin Katherine Helmond belebte mit ihrem länglichen Gesicht und scharfer Zunge Filme von „Hospital“ (1971) bis zu Terry Gilliams „Time Bandits“ (1981) und „Brazil“ (1985). Zum Star wurde sie im Fernsehen mit den Sitcoms „Soap“ (1977-81) und „Wer ist hier der Boss?“ (1984-92).


Mag Bodard (3.1.1916-26.2.2019)

Die in Italien geborene Produzentin Mag Bodard stand hinter vielen herausragenden Produktionen des französischen Kinos. Zu den von ihr geförderten Filmemachern zählten Agnès Varda („Le Bonheur“, 1965), Jacques Demy („Die Regenschirme von Cherbourg“, 1964), Robert Bresson („Zum Beispiel Balthasar“, 1966) und Maurice Pialat („Nackte Kindheit“, 1968).


André Previn (6.4.1929-28.2.2019)

Der deutsch-amerikanische Pianist, Komponist und Dirigent André Previn war im klassischen Fach genauso zuhause wie im Jazz und strich etliche Preise für seine Einspielungen mit den besten Orchestern der Welt ein. Im Kino tat er sich vor allem im ersten Teil seiner Karriere mit Arrangements von Musical-Scores wie „Gigi“ (1958) und „My Fair Lady“ (1964) hervor, komponierte aber auch eigene Musik, u.a. für „Elmer Gantry“ (1960).


Marlen Chuzijew (4.10.1925-22.3.2019)

Der gebürtige Georgier Marlen Chuzijew zog sich mit seiner kritischen Auseinandersetzung mit der Entfremdung junger Männer in der Welt der Väter, „Ich bin zwanzig Jahre alt“ (1963), und der ähnlich angelegten weiblichen Variante „Ljulski doschd“ (1967) den Zorn der Sowjet-Oberen zu und musste sich aufs Unterrichten zurückziehen. Sein Comeback als Regisseur „Infinitas“ (1991) stellte erneut einen 20-jährigen auf der Suche nach Lebenssinn in den Fokus und wurde 1992 auf der „Berlinale“ ausgezeichnet.


Scott Walker (9.1.1943-22.3.2019)

Der US-Amerikaner Scott Walker begann als Teil des Pop-Duos Walker Brothers in den 1960er-Jahren, zeigte sich aber zusehends mehr an Avantgarde-Musik interessiert und veröffentlichte Barock-Pop-Alben. Nach vereinzelten Arbeiten für den Film prägte er mit seinen ausdrucksstarken, teils bombastischen Kompositionen die formale Experimente von Brady Corbet in „The Childhood of a Leader“ (2015) und „Vox Lux“ (2018).


Larry Cohen (15.7.1941-23.3.2019)

Der New Yorker Regisseur und Drehbuchautor Larry Cohen zielte auf extremen Nervenkitzel, wobei er sich mit mörderischen Babys in „Die Wiege des Bösen“ (1974) und Azteken-Drachen in „American Monster“ (1982) wenig um guten Geschmack scherte. Daneben inszenierte er das Biopic „Ich bin der Boss!“ (1976) über FBI-Boss J. Edgar Hoover sowie den durch den Ausstieg von Altstar Bette Davis notgedrungen vom Horrorfilm zur Komödie umfunktionierten „Tanz der Hexen“ (1988) und schrieb das Drehbuch für Joel Schumachers Telefonzellen-Thriller „Nicht auflegen!“ (2002).


Charly Steinberger (3.11.1937-27.3.2019)

Der österreichische Kameramann Charly Steinberger prägte mit seinen besten Arbeiten wie „Deep End“ (1970) von Jerzy Skolimowski und „Einer von uns beiden“ (1974) von Wolfgang Petersen den verwaschenen Look des 1970er-Jahre-Kinos. Daneben bediente er jegliche Formate vom „Tatort“, über Simmel-Verfilmungen bis zu Willy Bogners Skimoden-Actionfilm „Feuer, Eis und Dynamit“ (1990).


Agnès Varda (30.5.1928-29.3.2019)

Die französische Filmemacherin Agnès Varda stand der Nouvelle Vague nahe, ließ sich mit ihren eigenwilligen Werken zwischen Fiktion und Dokumentarischem und ihrer Arbeit als Fotokünstlerin aber keiner Schule zuordnen. Bis ins hohe Alter bewahrte sie sich jedoch einen neugierigen und vorurteilsfreien Blick, der Filme von „Mittwoch zwischen 5 und 7“ (1961) und „Le Bonheur (Glück aus dem Blickwinkel des Mannes)“ (1964) über „Vogelfrei“ (1985) bis zu „Die Strände von Agnès“ (2008) und „Augenblicke: Gesichter einer Reise“ (2017). Auf der „Berlinale“ 2019 stellte sie noch ihren Erinnerungsfilm ans eigene Werk, „Varda par Agnès“, vor.

Eine ausführliche Würdigung von Agnès Varda findet sich hier.

Agnès Varda
Agnès Varda


Heinz Brinkmann (24.6.1948-4.4.2019)

Der deutsche Dokumentarfilmer Heinz Brinkmann war ein aufmerksamer, poetisch-humorvoller Beobachter des Alltags und griff in seinen Filmen oft gesellschaftliche Veränderungen und Umbrüche auf. Neben Werken über die ostdeutsche Wendezeit wurde er so auch zum subtilen Chronisten der Veränderungen auf seiner Heimatinsel Usedom. Eine ausführliche Würdigung von Heinz Brinkmann findet sich hier.


Seymour Cassel (22.1.1935-7.4.2019)

Der amerikanische Schauspieler Seymour Cassel war einer der Favoriten von John Cassavetes und eine Ikone des Independent-Films. Cassels zerknautschtes Gesicht mit den wachen Augen, oft mit einem Schnauzbart verziert, und die leicht zerstreute Aura seiner Charaktere ihn trotz einer rauen Stimme und einer Boxerstatur zum Sympathieträger, der insbesondere in seinen späteren Jahren immer wieder auch als Mentorenfigur zu sehen war.

Eine ausführliche Würdigung von Seymour Cassel findet sich hier.

Seymour Cassel
Seymour Cassel


Georgia Engel (28.7.1948-12.4.2019)

Die amerikanische Schauspielerin Georgia Engel debütierte mit ihrer zarten Stimme in Milos Formans erster US-Regiearbeit „Taking Off“ (1971), in dem sie die Eltern einer durchgebrannten Jugendlichen als Leidensgenossin in eine Gruppe einführt, in der der Graben zwischen den Generationen dadurch überbrückt werden soll, dass man das richtige Joint-Rauchen übt. Im Ensemble der Sitcom „The Mary Tyler Moore Show“ (1972-77) spielte Engel die herzlich-naive Freundin des selbstverliebten Nachrichtensprechers Ted Baxter und wurde fortan in weiteren Fernsehrollen immer wieder für liebenswert unschuldige Frauen besetzt.


Bibi Andersson (11.11.1935-14.4.2019)

Die schwedische Schauspielerin Bibi Andersson war eine von Ingmar Bergmans Lieblingsdarstellerinnen, vom jungen Mädchen in „Das Lächeln einer Sommernacht“ (1955) über die muntere Krankenschwester in „Persona“ (1966) bis zur Freundin mit Eheproblem in „Szenen einer Ehe“ (1973). Ihre Figuren bestachen durch ihre vitale und emanzipierte Persönlichkeit und brachten auch in düstere Szenarien eine Note von Heiterkeit. Auch im internationalen Kino reüssierte Andersson in den Rollen tatkräftiger Frauen.

Eine ausführliche Würdigung von Bibi Andersson findet sich hier.

Bibi Andersson in "Das Siebente Siegel" (1956) von Ingmar Bergman
Bibi Andersson in "Das Siebente Siegel" (1956) von Ingmar Bergman

Klaus Sonnenschein (13.6.1935-19.4.2019)

Der Berliner Schauspieler Klaus Sonnenschein war im Kino vor allem als Synchronsprecher präsent, wo er seine tiefe Stimme als Stammstimme von Morgan Freeman, John Goodman, Danny DeVito, Bob Hoskins oder Gene Hackman mal bedrohlich, mal vertrauenerweckend einsetzte.


Martin Böttcher (17.6.1927-20.4.2019)

Der deutsche Filmkomponist Martin Böttcher verfasste mit seinen Melodien für die Karl-May-Adaptionen einige der größten „Ohrwürmer“ der deutschen Kinogeschichte, verstand sich aber auch auf die Musik für Jugend-Problemfilme („Die Halbstarken“, 1956), Krimis („Das schwarze Schaf“, 1960) und Komödien („Lange Beine – lange Finger“, 1966).


Hannelore Elsner (26.7.1942-21.4.2019)

Die Schauspielerin Hannelore Elsner war eine der wenigen Diven des deutschen Kinos. Von ihren Anfängen im Unterhaltungsfilm der 1960er-Jahre über dankbare Auftritte bei Edgar Reitz und István Szabó bis zu Fernseherfolgen und einer fulminanten Alterskarriere, die mit „Die Unberührbare“ (2000) begann, drückte die Darstellerin ihren Rollen einen besonderen Stempel auf.

Eine ausführliche Würdigung von Hannelore Elsner findet sich hier.

Hannelore Elsner
Hannelore Elsner

Ken Kercheval (15.7.1935-21.4.2019)

Der US-Schauspieler Ken Kercheval war als gutbeschäftigter Nebendarsteller in Kino und Fernsehen unterwegs; Ruhm erwarb er sich als ewig unterliegender Widersacher des Serienschurken J.R. Ewing in „Dallas“.


Steve Golin (6.3.1955-21.4.2019)

Der US-Produzent Steve Golin gründete die Firmen Propaganda Films und Anonymous Content, mit denen er zunächst vor allem Musikvideos und Werbefilme herausbrachte, die dank Talenten wie David Fincher, Gore Verbinski und Alex Proyas hohe Beachtung fanden. Fürs Kino produzierte Golin u.a. Filme von Spike Jonze („Being John Malkovich“, 1999), Alejandro González Iñárritu („Babel“, 2006) oder Tom McCarthy („Spotlight“, 2015), fürs Fernsehen „True Detective“ (2014-19) und „Mr. Robot“ (2015-16).


Terry Rawlings (4.11.1933-23.4.2019)

Die berühmte Strandszene zu Beginn von „Die Stunde des Siegers“ (1981) verdankt ihre Wirkung ebenso der Kunst des britischen Editors Terry Rawlings wie die Schocks von Ridley Scotts „Alien“ (1979) und die Zukunftswelten von „Blade Runner“ (1982). Effektvoll brachte er in „Goldeneye“ (1995) auch die James-Bond-Ära von Pierce Brosnan auf den Weg.


Jean-Pierre Marielle (12.4.1932-24.4.2019)

Melancholische Großbürger, zerrissene Charaktere und Exzentriker waren die Spezialität des französischen Schauspielers Jean-Pierre Marielle, die er in dramatischen wie komödiantischen Stoffen nuancenreich ausspielte. Seine distinguierten Figuren strahlten auch im Scheitern noch Würde aus, was ihn für Regisseure von Alain Corneau, Bertrand Tavernier und Claude Sautet bis Patrice Leconte und Jean-Pierre Jeunet zum vielgefragten Haupt- und Nebendarsteller machte.

Eine ausführliche Würdigung von Jean-Pierre Marielle findet sich hier.


Ellen Schwiers (11.6.1930-26.4.2019)

Die deutsche Schauspielerin Ellen Schwiers war als aufgeweckte Magd in „Helden“ (1958) oder zu Unrecht des Mords Angeklagte in „Der letzte Zeuge“ (1960) von erfrischender Natürlichkeit im biederen bundesdeutschen Kino. Als Verführerin wurde sie in den 1960er-Jahren weiter im Kino eingesetzt. Neben viel Theater- und Fernseharbeit war sie auch die nächsten Jahrzehnte immer wieder im Kino zu sehen, zuletzt 2012 im Natascha-Kampusch-Porträt „3096 Tage“ als Großmutter des jahrelang gefangen gehaltenen Mädchens.


John Singleton (6.1.1968-29.4.2019)

Mit seiner Milieustudie „Boyz ’n the Hood“ (1991) gelang dem US-Regisseur John Singleton ein Durchbruch nach Maß: Als erster Afroamerikaner und jüngster Filmemacher überhaupt wurde er für den „Oscar“ als bester Regisseur nominiert. Auch weitere Filme der 1990er-Jahre wie „Poetic Justice“ (1993) und „Higher Learning“ (1995) fanden Beachtung, bevor Singleton für das Kino-Comeback der schwarzen Detektiv-Legende „Shaft“ (2000) sorgte und für Fernseh-Serien wie „American Crime Story“ arbeitete.


Peter Mayhew (19.5.1944-30.4.2019)

Der 2,18 Meter große britische Schauspieler Peter Mayhew steckte von „Krieg der Sterne“ (1977) bis „Star Wars: Das Erwachen der Macht“ (2015) im Kostüm des Wookies Chewbacca, bevor er das Fell an Joonas Suotamo weitergab. Außerdem spielte er ähnliche großwüchsige Wesen in Filmen wie „Sindbad und das Auge des Tigers“ (1976).


Anémone (9.8.1950-30.4.2019)

Quirlig und aufgeweckt stand die Französin mit dem blumigen Künstlernamen Anémone der Comedy-Truppe „Splendid“ nahe, mit der sie auch erste Kinokomödien drehte. Ihre Vielseitigkeit prädestinierte sie aber auch zu Rollen in Thrillern („Gefahr im Verzug“, 1984), dem Sommer-Jugenddrama „Am großen Weg“ (1987) als Bäuerin, die den Verlust ihres Kindes nicht überwinden kann, als unorthodoxe Schnüfflerin in „Die Detektivin“ (1993) oder als Maler-Mutter in „Toulouse-Lautrec“ (1999).


Alvin Sargent (12.4.1927-9.5.2019)

Der amerikanische Drehbuchautor Alvin Sargent verfasste die Skripts für Filme von „Das Mädchen aus der Cherry-Bar“ (1966), „Paper Moon“ (1972) und „Dominick & Eugene“ (1988) bis zu drei „Spider-Man“-Filmen (2003/2007/2012). „Oscars“ gewann er für die Adaptionen von „Julia“ (1977) und „Eine ganz normale Familie“ (1980).


Jean-Claude Brisseau (17.7.1944-11.5.2019)

Vor seiner höchst umstrittenen Erotik-Filmreihe „Heimliche Spiele“ (ab 2002), die ihn auch mit dem Gesetz in Konflikt brachte, war der französische Regisseur Jean-Claude Brisseau eine anerkannte Stimme im Kino, die u.a. für sozialkritische Dramen wie „Das Leben wie es ist“ (1978) und „Lärm und Wut“ (1988) Beachtung fand. Seine filmische Beschäftigung mit verhängnisvollen Affären zwischen älteren Männern und jungen Frauen begann mit „Weiße Hochzeit“ (1989).


Machiko Kyô (25.3.1924-12.5.2019)

Die gelernte Tänzerin Machiko Kyô wurde vor allem durch ihre darstellerischen Auftritte der 1950er-Jahre berühmt: In Akira Kurosawas „Rashomon“ (1950) spielte die Japanerin die Frau des von einem Räuber überfallenen Samurais, die in den unterschiedlichen Perspektiven des Films mal als unschuldiges Opfer, mal als taktierende Intrigantin erschien. In Kenji Mizoguchis „Ugetsu“ (1953) war sie eine Prinzessin, in der US-Produktion „Das kleine Teehaus“ (1956) eine Geisha, in Yasujiro Ozus „Abschied in der Dämmerung“ (1959) der Star einer Wandertheater-Truppe.


Doris Day (3.4.1922-13.5.2019)

Sie sang für Alfred Hitchock den „Oscar“-prämierten Song „Que sera, sera“ in „Der Mann, der zuviel wusste“ und war im Duo mit Rock Hudson in den frühen 1960ern eine der erfolgreichsten Komödiantinnen Hollywoods: Die US-Sängerin und -Schauspielerin Doris Day wurde viel zu oft aufs Image der patenten, sangesfreudigen Sauberfrau reduziert, bewies in Filmen wie dem Calamity-Jane-Musical „Schwere Colts in zarter Hand“ (1953), dem biografischen Sängerinnen-Melodram „Tyrannische Liebe“ (1955) oder dem Thriller „Mitternachtsspitzen“ (1960) aber durchaus darstellerische Vielseitigkeit.

Eine ausführliche Würdigung von Doris Day findet sich hier.

Überraschend emanzipiert: Doris Day in "Schwere Colts in zarter Hand" (1953)
Überraschend emanzipiert: Doris Day in "Schwere Colts in zarter Hand" (1953)

Tim Conway (15.12.1933-14.5.2019)

Der US-Komiker Tim Conway gehörte zu den großen Clowns des Showgeschäfts, für den die einfallsreiche Sketch-Serie „The Carol Burnett Show“ (1967-78) in seiner Karriere die dankbarste Bühne darstellte. Im Fernsehen mit zahlreichen Gastauftritten präsent und mit sechs „Emmys“ geehrt, blieben seine Kino-Auftritte auf launige, aber anspruchslose Filme wie „Die Semmelknödelbande“ (1976) begrenzt.


Freddy Buache (29.12.1924-28.5.2019)

Der Schweizer Filmkritiker und Historiker Freddy Buache schrieb Bücher über Luis Buñuel, John Huston und Daniel Schmid sowie immer wieder über das Kino der Schweiz. 1951-1996 leitete er das Schweizer Filmarchiv, 1966-70 war er Co-Leiter des Filmfestivals Locarno, außerdem gab er die Buchreihen „Cinéma vivant“ und „Histoire et théorie du cinéma“ heraus.


Renée Le Calm (18.9.1918-8.6.2019)

Die pensionierte Pariser Toilettenfrau Renée Le Calm wurde Anfang der 1990er-Jahre von Cédric Klapisch für das Kino entdeckt und trat bis 2018 für ihn und andere französische Regisseure als nicht auf den Mund gefallene alte Dame vor die Kamera. Zuletzt erschien sie als reale wie fiktionale 100-Jährige in „Einsam zweisam“.


Sylvia Miles (9.9.1924-12.6.2019)

Die US-amerikanische Charakterdarstellerin Sylvia Miles holte in „Asphalt-Cowboy“ in einer Sechs-Minuten-Rolle den naiven New-York-Neuling Joe Buck (Jon Voight) so überzeugend für ein sexuelles Zwischenspiel in ihr Apartment, dass viele Zuschauer sie für eine echte, für das Milieudrama gecastete Prostituierte hielten. Sylvia Miles wurde für den „Oscar“ nominiert, eine zweite Nominierung folgte 1976 für ihren ebenfalls sehr kurzen Auftritt im Krimi „Fahr zur Hölle, Liebling“. Tragende Rollen hatte sie u.a. in Andy Warhols „Heat“ (1972), der Agatha-Christie-Verfilmung „Das Böse unter der Sonne“ (1982) und in Oliver Stones „Wall Street“ (1987) und dessen Fortsetzung (2010).


Maurice Bénichou (23.1.1943-14.6.2019)

Der in Algerien geborene Schauspieler Maurice Bénichou war ein vielgebuchter Nebendarsteller im französischen Film, u.a. in Werken von Jean-Pierre Jeunet, Eric Rochant, Cédric Klapisch und Roschdy Zem. Michael Haneke setzte ihn mehrfach ein, am denkwürdigsten als alter Kinderfreund des mit Videos terrorisierten Journalisten in „Caché“ (2005), der sich schließlich vor dessen Augen das Leben nimmt.


Franco Zeffirelli (12.2.1923-15.6.2019)

Shakespeare und die großen Opern des 19. Jahrhunderts waren der Stoff, aus dem die künstlerische Welt des italienischen Regisseurs Franco Zeffirelli erwuchs. So trieb er das reale Paar Elizabeth Taylor und Richard Burton durch eine turbulente Version von „Der Widerspenstigen Zähmung“ (1966) und besetzte „Romeo und Julia“ (1967) mit Jugendlichen, seine Opernverfilmungen wie „La Traviata“ (1982) gingen weit über konventionelle Bühnenaufzeichnungen hinaus. Beachtung fand der konservative Katholik auch mit seiner vierteiligen Miniserie „Jesus von Nazareth“ (1976) und einer zeitgeistigen Blumenkinder-Annäherung an Franz von Assisi in „Bruder Sonne, Schwester Mond“ (1972).

Eine ausführliche Würdigung von Franco Zeffirelli findet sich hier.

Franco Zeffirelli bei den Dreharbeiten zu "Jane Eyre" (1996)
Franco Zeffirelli bei den Dreharbeiten zu "Jane Eyre" (1996)

Peter Matic (24.3.1937-20.6.2019)

Der Wiener Schauspieler Peter Matic war über Jahrzehnte auf allen großen österreichischen Bühnen präsent und spielte gelegentlich auch Filmrollen wie den schmierigen Spitzel in „Jeder stirbt für sich allein“ (1976). Seine außergewöhnlich variationsreiche, samtige Stimme prädestinierte ihn für herausfordernde Sprecherrollen wie bei der Einlesung von Marcel Prousts Roman-Zyklus „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ (2010) und als Synchronsprecher, der vor allem als Stammstimme von Ben Kingsley seit „Gandhi“ deutsche Filmfassungen aufwertete.


Bruno de Keyzer (11.8.1949-25.6.2019)

Der französische Kameramann Bruno de Keyzer war mit seinem Talent für stimmungsvolle Aufnahmen der ideale Mitarbeiter von Bertrand Tavernier in Filmen wie „Ein Sonntag auf dem Lande“ (1984), „La Passion Béatrice“ (1988) oder „Das Leben und nichts anderes“ (1989). Daneben vertraute Christine Edzard bei ihrer intensiven Dickens-Adaption „Klein Dorrit“ (1987) ebenso auf de Keyzer wie Volker Schlöndorff bei „Der Unhold“ (1996) oder Bourlem Guerdjou beim Abenteuerfilm „Zaïna - Königin der Pferde“ (2005).


Edith Scob (21.10.1937-26.6.2019)

Die russischstämmige französische Schauspielerin Edith Scob mit den zarten Gesichtszügen und dem Schwanenhals hinterließ schon in ihrer ersten Hauptrolle als Tochter eines Arztes, die durch einen Unfall schreckliche Gesichtsverletzungen davongetragen hat, in Georges Franjus „Augen ohne Gesicht“ (1959) unauslöschlichen Eindruck – obwohl ihr Gesicht fast durchgängig hinter einer Maske verborgen ist und sie allein auf das Spiel ihrer Augen und verlangsamte, seltsam anmutige Bewegungen zählen konnte. Franju besetzte Edith Scob auch in weiteren Filmen wie „Judex“ (1963); nach einer Phase kleinerer Nebenrollen brachten sie ab Ende der 1990er-Jahre Regisseure wie Raoul Ruiz („Die wiedergefundene Zeit“), Olivier Assayas („Ende eines Sommers“), Mia Hansen-Løve („Alles was kommt“) und vor allem Léos Carax mit der Rolle der mysteriösen Chauffeurin in „Holy Motors“ (2012) noch einmal ins Bewusstsein der Zuschauer zurück.


Lisa Martinek (11.2.1972-28.6.2019)

Die deutsche Schauspielerin Lisa Martinek empfahl sich als Fahrradkurierin in „Härtetest“ (1997) für weitere Kino-Hauptrollen, zog aber nur noch wenige ähnlich fordernde Leinwand-Parts an Land wie als Frau, die in „Schwester Weiß“ (2016) ohne Gedächtnis aus einem Koma erwacht und fortan mit ihrer einem Orden angehörenden Schwester ringt. Rege Beschäftigung fand sie dafür beim Fernsehen in Krimireihen wie „Das Duo“ (2006-12).


Ennio Guarnieri (12.10.1930-1.7.2019)

Vielseitigkeit war eine der Stärken des italienischen Kameramanns Ennio Guarnieri, der weibliche Stars ebenso gut aussehen lassen konnte, wie er die Ansprüche von Regisseuren wie Pier Paolo Pasolini („Medea“, 1969), Vittorio de Sica („Der Garten der Finzi Contini“, 1970), Franco Zeffirelli („La Traviata“, 1982), Federico Fellini („Ginger und Fred“, 1986) oder Lina Wertmüller („Diesmal sprechen wir über Männer“, 1965) umzusetzen verstand.


Pierre Lhomme (5.4.1930-5.7.2019)

Der französische Kameramann Pierre Lhomme begann im Umfeld von Nouvelle Vague und „Cinéma vérité“ (etwa bei Chris Markers „Der schöne Mai“, 1962), trug aber bald auch zur düsteren Stimmung von „Armee im Schatten“ (1969) bei, setzte die intime Selbstbeschau in „Die Mama und die Hure“ (1973) um oder schwelgte in prächtigen Farben wie bei „Herzkönig“ (1967) oder „Cyrano von Bergerac“ (1990). Der wehmütige Blick bei James Ivory („Maurice“, 1987) oder Schlöndorff („Homo Faber“, 1990) profitierte ebenso von Lhomme wie die Thriller „Süßer Wahn“ (1977) und „Das Auge“ (1982) von Claude Miller.


Artur Brauner (1.8.1918-7.7.2019)

„Mich gibt’s nur einmal“, nannte der deutsche Filmproduzent Artur Brauner seine Autobiografie. Der Sohn eines jüdischen Holzhändlers aus Lodz stieg nach dem Krieg zu einem der erfolgreichsten europäischen Filmproduzenten auf. Neben zahllosen Unterhaltungsfilmen in sämtlichen Genres thematisierte Brauner immer wieder auch den Holocaust in seinen Produktionen, von einer der frühesten deutschen Auseinandersetzungen in „Morituri“ (1948) über „Hitlerjunge Salomon“ (1990) bis „Der letzte Zug“ (2006).

Eine ausführliche Würdigung von Artur Brauner findet sich hier.

Arthur Brauner mit Romy Schneider (l.) und Lilli Palmer am Set von "Mädchen in Uniform" (1958).
Arthur Brauner mit Romy Schneider (l.) und Lilli Palmer am Set von "Mädchen in Uniform" (1958).

Rip Torn (6.2.1931-9.7.2019)

Der Texaner Rip Torn ließ sich am Actors Studio ausbilden und war ab Ende der 1950er-Jahre am Theater und im Film zu sehen. Neben seiner Frau Geraldine Page erschien er als Sohn eines brutalen Provinzpolitikers in „Süßer Vogel Jugend“ (1962) und als Geschäftsmann in „Big Boy – Jetzt wirst du ein Mann“ (1966). Daneben erarbeitete er sich den Ruf eines Protagonisten der „Gegenkultur“ als Regisseur des wegen „Obszönität“ verdächtigten Theaterstücks „The Beard“ und in den Amateurfilmen des Autors Norman Mailer, mit dem er sich in „Maidstone“ (1970) vor laufender Kamera eine Prügelei bis aufs Blut lieferte. Als zwielichtiger Wissenschaftler in „Der Mann, der vom Himmel fiel“ (1976) und „Oscar“-nominiert als Provinzler in „Cross Creek“ (1983) fand er zurück zu fordernden Rollen, in den 1990er-Jahren war er als aggressiver Fernsehproduzent in der Serie „The Larry Sanders Show“ (1992-98) und humorloser Leiter der mit Außerirdischen befassten Behörde in „Men in Black“ (1997) erfolgreich.


Freddie Jones (12.9.1927-9.7.2019)

Der britische Schauspieler Freddie Jones war in David Lynchs „Der Elefantenmensch“ (1980) ein Schurke von Dickens-Format und belebte auch weitere Filme von „Krull“ (1983) und „Fellinis Schiff der Träume“ (1983) bis „Monte Cristo“ (2002) mit exzentrischen Interpretationen teilweise nahe an der Karikatur.


Valentina Cortese (1.1.1923-10.7.2019)

Die Italienerin Valentina Cortese wurde nach dem Einstieg ins Kinogeschäft zuerst in einigen amerikanischen Film noirs wie „The House on Telegraph Hill“ (1951) bekannt, bevor sich auch ihre Landsmänner Antonioni bei „Die Freundinnen“ (1955) und Fellini bei „Julia und die Geister“ (1965) Ausdruckskraft und Temperament der Darstellerin zunutze machten. Weiterhin international unterwegs, glänzte Valentina Cortese insbesondere in Truffauts „Die amerikanische Nacht“ (1973) als Schauspielerin, die divamäßig die Form der Dreharbeiten zu beeinflussen versucht.


Rutger Hauer (23.1.1944-19.7.2019)

Der niederländische Schauspieler Rutger Hauer mit den stahlharten Augen war zunächst ein eindrucksvoller Rebell gegen Spießbürgerlichkeit in Paul Verhoevens „Türkische Früchte“ (1973) und weiteren frühen Filmen des Regisseurs. Sein internationaler Durchbruch gelang mit der Rolle des ambivalenten Replikanten-Anführers in „Blade Runner“ (1982). Dem folgten viele weitere Parts von Schurken in internationalen Filmen, die er ebenso eindrücklich gestaltete wie anspruchsvollere Aufgaben in „Die Legende vom heiligen Trinker“ (1988) und in „Die Mühle und das Kreuz“ (2011).


Edward Lewis (16.12.1919-27.7.2019)

Der Hollywood-Produzent Edward Lewis war im Vergleich zu vielen seiner Kollegen in seinen Filmen ein subversiver, gesellschaftskritischer Geist: Bei „Spartacus“ (1960) trug er mit der Verpflichtung des Drehbuchautors Dalton Trumbo zum Ende der „Schwarzen Liste“ von angeblichen Kommunisten bei, „Sieben Tage im Mai“ (1964) beschwor die Gefahr eines Putsches konservativer US-Militärs herauf, „Vermisst“ (1982) stellte den Sturz der sozialistischen Regierung in Chile 1973 als Coup der CIA dar.


D.A. Pennebaker (15.7.1925-1.8.2019)

In den 1960er-Jahren war der amerikanische Filmemacher D.A. Pennebaker einer der wesentlichen Impulsgeber des „direct cinema“. Nicht zuletzt prägten seine Musiker-Porträts wie „Don’t Look Back“ (1967) das Genre der „Rockumentary“ wesentlich mit, Pennebaker zeichnete sich mit Filmen wie „Primary“ (1960) und „The War Room“ (1993) aber auch in herausragenden Analysen US-amerikanischer Wahlkampf-Eigenheiten aus.

Eine ausführliche Würdigung von D.A. Pennebaker findet sich hier.

D.A. Pennebaker (l.) und Chris Hegedus bei Dreharbeiten.
D.A. Pennebaker (l.) und Chris Hegedus bei Dreharbeiten.

Jean-Pierre Mocky (6.7.1933-8.8.2019)

Nach einer kurzen Schauspielkarriere drehte der französische Regisseur Jean-Pierre Mocky rund 60 Filme in ebenso vielen Jahren und machte in seinen bissigen Satiren und makabren Farcen vor keinem Tabu und keiner gesellschaftlichen Institution Halt. Trotz großer Flops und mancher durchwachsener Werke war er eine einzigartige Stimme im französischen Kino, die kompromisslos mit den Mitteln der Komik gegen Korruption, Heuchelei und Selbstgerechtigkeit ins Feld zog.

Eine ausführliche Würdigung von Jean-Pierre Mocky findet sich hier.


Peter Fonda (23.2.1940-16.8.2019)

Mit „Easy Rider“ (1969) löste sich Peter Fonda aus dem Schatten seines berühmten Vaters Henry Fonda und wurde seinerseits zur Ikone des „New Hollywood“. Der US-Schauspieler, der auch einige eigene Regiearbeiten ablieferte, war zugleich Seismograph und melancholischer Chronist der Hippiebewegung. In späteren Jahren erschien er in reifen Altersrollen wie als Bienenzüchter in „Ulee’s Gold“ (1997).

Eine ausführliche Würdigung von Peter Fonda findet sich hier.

Reife Altersrolle: Peter Fonda in "Ulee's Gold".
Reife Altersrolle: Peter Fonda in "Ulee's Gold".

Richard Williams (19.3.1933-16.8.2019)

Der kanadisch-britische Zeichentrick-Regisseur Richard Williams gestaltete zahlreiche Film-Vorspänne und gewann für die bahnbrechende Arbeit an der Kombination aus Real- und Animationsszenen bei „Falsches Spiel mit Roger Rabbit“ einen „Oscar“ für die Spezialeffekte. Sein über Jahrzehnte geplantes, von Hand gezeichnetes Spielfilm-Projekt „Die drei goldenen Kugeln von Bagdad“ kollidierte Anfang der 1990er-Jahre mit dem Erfolg von Disneys „Aladdin“ und kam nur in Versionen heraus, die mit der ursprünglichen Vision nicht mehr viel gemein hatten.


Helmut Krauss (11.6.1941-26.8.2019)

Der schwergewichtige deutsche Schauspieler Helmut Krauss gab jahrzehntelang den begriffsstutzigen, aber lernwilligen Nachbarn Paschulke in der Kinder-Magazinsendung „Löwenzahn“. Kinofilme bereicherte er als Synchronsprecher von Darstellern wie James Earl Jones, John Goodman oder Samuel L. Jackson mit seiner sonoren Bassstimme.


Michel Aumont (15.10.1936-28.8.2019)

Der französische Schauspieler Michel Aumont war einer der Theatervirtuosen seines Landes, der fast dreißig Jahre der „Comédie française“ angehörte und bis ins hohe Alter auf der Bühne (etwa als „King Lear“) glänzte. Daneben absolvierte er auch zahlreiche Filmauftritte, die ihm zwar oft weniger abverlangten, durchaus aber auch denkwürdige Auftritte wie als Kommissar in „Der Fall Serrano“ (1977), spießbürgerlicher Sohn eines Malers in „Ein Sonntag auf dem Lande“ (1984) oder reicher Onkel in „Männer sind auch nur Frauen“ (1998) bereithielten.


Gero Gandert (13.6.1929-29.8.2019)

Der Filmhistoriker Gero Gandert machte sich wie kein anderer um die Erschließung der Geschichte des Weimarer Kinos wie auch des deutschen Filmexils verdient. Zu seinen Großtaten zählen der Aufbau des Archivbestands der Deutschen Kinemathek und der Erwerb des Nachlasses von Marlene Dietrich.

Eine ausführliche Würdigung von Gero Gandert findet sich hier.


Valerie Harper (22.8.1939-30.8.2019)

Die US-amerikanische Darstellerin Valerie Harper begann als Tänzerin und erwarb sich ewigen Fernsehruhm als quirlige Rhoda Morgenstern in der bahnbrechenden Sitcom „Mary Tyler Moore Show“ (1970-77), wo sie als bodenständige beste Freundin den Gegenpart zur optimistischen, beruflich erfolgreichen Mary Richards (Mary Tyler Moore) abgab. Nach vier Jahren und drei „Emmys“ erhielt Valerie Harper ihr Spin-off „Rhoda“ (1974-78), das mit der Ausmalung jüdischer Lebensrealität und einer im Laufe der Serie vollzogenen Scheidung Neuland im US-Fernsehen betrat und ihr einen weiteren „Emmy“ einbrachte. Die Darstellerin glänzte im Kino in Komödien wie „Das zweite Kapitel“ (1979) und „Schuld daran ist Rio“ (1983), im reiferen Alter verkörperte sie in „Golda’s Balcony“ (2007) die israelische Politikerin Golda Meir.


Tom Zickler (1.5.1964-2.9.2019)

Der umtriebige deutsche Produzent Tom Zickler arbeitete eng mit Til Schweiger bei dessen Erfolgsfilmen von „Knockin’ on Heaven’s Door“ (1996) bis „Honig im Kopf“ (2014) mit, versuchte im Studio Babelsberg aber auch mehrfach, alte Filmtraditionen wiederzubeleben: Etwa mit schrägen Genrefilmen à la Roger Corman oder zuletzt mit „Traumfabrik“ (2019), einer Anknüpfung an Ufa- und DEFA-Zeiten.

Eine ausführliche Würdigung von Tom Zickler findet sich hier.


Carol Lynley (13.2.1942-3.9.2019)

Die US-Schauspielerin Carol Lynley gehörte Ende der 1950er-Jahre zu einer Gruppe junger Interpretinnen netter Teenager auf Abwegen, zeigte aber in den nächsten Jahren durchaus Bandbreite: So spielte sie etwa die Rivalin von Joanne Woodwards gescheiterter Schauspielerin in „Die verlorene Rose“ (1962), eine junge Katholikin, die daran zerbricht, dass ihr Umfeld sich gegen die Ehe mit einem Juden sperrt, in „Der Kardinal“ (1963) und die Mutter eines entführten Mädchens in „Bunny Lake ist verschwunden“ (1965).


Robert Frank (9.11.1924-9.9.2019)

Der amerikanische Fotograf Robert Frank beeinflusste mit seinen Werken stark die US-amerikanische Popkultur. Von 1959 an nutzte er auch den Film für seine Arbeit, mit Werken, die ein alternatives Konzept zur Genreproduktion Hollywoods vertraten und die persönliche künstlerische Sichtweise in den Mittelpunkt stellten.


Mardik Martin (16.9.1934-11.9.2019)

Der im Irak geborene Drehbuchautor Mardik Martin wanderte jung in die USA aus und freundete sich an der New York University mit Martin Scorsese an. Gemeinsam schrieben sie das Drehbuch zu der Milieustudie „Hexenkessel“ (1973), zudem arbeitete Martin auch an den Skripts zu „New York, New York“ (1977) und „Wie ein wilder Stier“ (1980) mit. Seine armenische Abstammung floss in die Zusammenarbeit mit Fatih Akin bei dessen Film „The Cut“ (2014) über den Völkermord an den Armeniern im Ersten Weltkrieg ein.


Charles Gérard (1.12.1922-19.9.2019)

Der französische Darsteller Charles Gérard versuchte sich vor seiner Schauspielkarriere als Boxer, ab den 1960er-Jahren war er mit seiner kräftigen Statur und seiner Knollennase eine einprägsame Erscheinung in zahlreichen Filmen. Als enger Freund von Jean-Paul Belmondo und Claude Lelouch war er insbesondere in deren Filmen regelmäßig zu sehen, wobei Lelouch seine Figuren der Einfachheit halber oft von vornherein „Charlot“ nannte.


Günter Kunert (6.3.1929-21.9.2019)

Der Lyriker und Schriftsteller Günter Kunert war auch ein streitbarer Drehbuchautor, der mit satirischen Beiträgen zur Kurzfilmreihe „Das Stacheltier“ begann, Krimis, Fernseh- und Kinofilme als Spiegel gesellschaftlicher Verhältnisse nutzte und auch Freude an experimentellen Zugriffen entwickelte.

Eine ausführliche Würdigung von Günter Kunert findet sich hier.


Sid Haig (14.7.1939-21.9.2019)

Der 1,93 Meter große US-Schauspieler Sid Haig war auf Erzbösewichter in Filmen spezialisiert, die Präsenz, aber keine Schattierungen verlangten: Etliche Blaxploitation-Filme der 1970er-Jahre wie „Foxy Brown“ verhalfen ihm zu Fans wie Quentin Tarantino, der ihn als Richter in „Jackie Brown“ (1997) besetzte. Der Heavy-Metal-Musiker Rob Zombie vertraute ebenfalls gern auf die Dienste des aus Armenien stammenden Sid Haig, der u.a. in Zombies Horrorfilm „Haus der 1000 Leichen“ (2000) und dessen Fortsetzungen das Oberhaupt der monströsen Mörder-Familie Spaulding spielte.


Diahann Carroll (17.7.1935-4.10.2019)

Die US-Schauspielerin Diahann Carroll war in mehrfacher Hinsicht eine Pionierin: Als erste Afroamerikanerin gewann sie den Theaterpreis „Tony“ und brachte in der Sitcom „Julia“ (1968-71) die erste weibliche schwarze Serienfigur ins US-Fernsehen ein, die nicht auf Stereotype festgelegt war. Im Kino spielte die ausgebildete Sängerin in den Musicals „Carmen Jones“ (1954) und „Porgy und Bess“ (1959) sowie die resolute Mutter von sechs Kindern in der Dramödie „Claudine“ (1974).


Marie-José Nat (22.4.1940-10.10.2019)

Die brünette Korsin Marie-José Nat startete als Modell und erhielt zuerst Rollen, die vor allem ihre Schönheit betonten. Beginnend mit André Cayattes Doppelfilm „Meine Tage mit Pierre / Meine Nächte mit Jacqueline“ (1963), der das Scheitern einer Ehe einmal aus männlicher, einmal aus weiblicher Perspektive darstellt, fand die Schauspielerin dankbare Aufgaben. Vor allem Filme von Michel Drach wie „Elise oder das wahre Leben“ (1970) und „Die Geigen des Balls“ (1974) boten ihr die Gelegenheit zu feinen Frauen-Porträts, in späteren Zeiten war sie u.a. eine der Bewohnerinnen eines jüdischen Shtetls, die sich in „Zug des Lebens“ (1998) auf abenteuerliche Flucht vor den Nazis begeben.


Robert Forster (13.7.1941-11.10.2019)

Als Meister des klugen Minimalismus war der 1941 geborene Schauspieler Robert Forster ein gefragter Charakterkopf Hollywoods. Nachdem er bereits in den späten 1960er-Jahren reüssiert hatte, verhalf ihm nach einem Karrieretief Quentin Tarantino mit „Jackie Brown“ (1997) zu einem Comeback. Forster spielte vor allem Respektpersonen mit einer Aura wohlwollender Autorität und Zuverlässigkeit, bis hin zu seinem letzten Auftritt im „Breaking Bad“-Sequel „El Camino“.

Eine ausführliche Würdigung von Robert Forster findet sich hier.

Kluger Minimalist: Robert Forster
Kluger Minimalist: Robert Forster

Robert Evans (29.6.1930-26.10.2019)

Von dem früheren Leinwandstar Norma Shearer in den 1950er-Jahren entdeckt, versuchte sich der gutaussehende US-Amerikaner Robert Evans zuerst als Schauspieler. Angesichts überschaubaren Talents wechselte er jedoch bald ins Produzentenfach und übernahm 1967 das schwächelnde Paramount-Studio. Dort tat sich der wegen seines knabenhaften Aussehens „The Kid“ genannte Evans als Innovator hervor, der das altgediente Studio mit Hits wie „Rosemary’s Baby“, „Love Story“, „Der Pate 1 & 2“, „Der Dialog“ oder „Chinatown“ wieder in die Erfolgsspur zurückbrachte. Ab 1974 arbeitete er unabhängig und produzierte weitere Erfolgsfilme, bevor Flops wie „Cotton Club“ seinen Rückzug erzwangen.


Pascale Roberts (21.10.1930-26.10.2019)

Die französische Schauspielerin Pascale Roberts war ab Mitte der 1950er-Jahre viel im Kino zu sehen, wobei immer wieder substanzielle Aufgaben wie die Mutter einer ermordeten Jugendlichen in „Monsieur Dupont“ (1974) oder Rollen neben Stars wie Jean-Paul Belmondo („Der Unverbesserliche“, 1975) oder Alain Delon („Killer stellen sich nicht vor“, 1980) abfielen. Ab Mitte der 1990er-Jahre gehörte sie zur „Stock Company“ des Marseiller Regisseurs Robert Guédiguian.


Johannes Schaaf (7.4.1933-1.11.2019)

Als Kino-Regisseur konnte der Stuttgarter Johannes Schaaf nur vier Filme umsetzen, darunter jedoch den visionären „Tätowierung“ (1967), der schon die Gewalteskalation der 1968er-Proteste vorwegnahm, und die stimmungsvolle Joseph-Roth-Adaption „Trotta“ (1971). Zeitgleich erschien er in sympathischen Nebenrollen in Filmen von Kollegen wie Maximilian Schell („First Love“, 1970) und Bernhard Wicki („Das falsche Gewicht“, 1971). Nach dem Flop des surrealen Filmgemäldes „Traumstadt“ (1973) drehte Schaaf noch den fantasievollen Kinderfilm „Momo“ (1986) und machte ansonsten mit Operninszenierungen Furore.


Paul Turner (Dezember 1945-1.11.2019)

Der walisische Regisseur Paul Turner erwarb sich Verdienste mit der filmischen Förderung seiner Sprache, holte mit der Biografie des Nationaldichters „Hedd Wynn“ (1992) die erste „Oscar“-Nominierung für einen Film aus Wales und ließ dem weitere Werke in Walisisch wie das Arbeiterdrama „My Pretty Valley“ (1993) folgen.


Marie Laforêt (5.10.1939-2.11.2019)

In Anlehnung an einen frühen Film mit ihr war die französische Schauspielerin und Sängerin Marie Laforêt als „Mädchen mit den goldenen Augen“ bekannt. Ihr Debüt gab sie in „Nur die Sonne war Zeuge“ (1959), wo sie das doppelte Spiel des Amerikaners Tom Ripley (Alain Delon) zu entlarven droht, der in die Haut eines getöteten Millionärs geschlüpft ist. Hernach trat sie vor allem in Komödien und Abenteuerfilmen wie „M.C. contra Dr. KHA“ (1965) auf, einen großen Bühnenerfolg feierte sie in „Master Class“ als Maria Callas.


Gustav Deutsch (19.5.1952-2.11.2019)

Der österreichische Film- und Videokünstler Gustav Deutsch experimentierte mit Found-Footage-Werken und schuf neben Festival-Trailern vielbeachtete Kurzfilme. 2013 gestaltete er mit „Shirley – Visionen der Realität“ nach 13 Gemälden von Edward Hooper den visuell bestechenden filmischen „Bildungsroman“ einer US-Schauspielerin über den Verlauf von 30 Jahren.


Omero Antonutti (3.8.1935-5.11.2019)

Der italienische Schauspieler Omero Antonutti spielte die tyrannische Vaterfigur im ungeschönt harten Drama „Padre Padrone“ über arme Schäfer auf Sardinien, für das Paolo & Vittorio Taviani die „Goldene Palme“ erhielten. Die Tavianis griffen auch in weiteren Werken auf den Darsteller zurück (etwa im episodischen „Kaos“, wo er den Originalautor Luigi Pirandello spielte), daneben war er in Italien mit seiner respekteinflößenden Stimme ein gesuchter Synchronsprecher.


Branko Lustig (10.6.1932-14.11.2019)

Der jüdische Kroate Branko Lustig überlebte als Junge Auschwitz und setzte sich sein Leben lang für die Erinnerung an den Holocaust ein. In seiner Heimat war er lange als Regie-Assistent, Production Manager und in verschiedenen Produzenten-Funktionen tätig, bevor er 1988 in die USA ging. Dort trieb er die Verwirklichung von Steven Spielbergs „Schindlers Liste“ (1993) voran und hatte einen weiteren Erfolg als Produzent mit „Gladiator“ (2000).


Vojtech Jasný (30.11.1925-16.11.2019)

Der tschechoslowakische Regisseur Vojtech Jasný war mit Filmen wie „Wenn der Kater kommt“ (1963) einer der Begründer der Neuen Welle. Mit satirischen Lustspielen und Parabeln hielt er der sozialistischen Gesellschaft den Spiegel vor. 1972 flüchtete er nach Österreich ins Exil, arbeitete aber auch in Deutschland (etwa bei „Ansichten eines Clowns“), den USA und Kanada.

Eine ausführliche Würdigung von Vojtech Jasny findet sich hier.

"Ansichten eines Clowns" von Vojtech Jasný
"Ansichten eines Clowns" von Vojtech Jasný

Michael J. Pollard (30.5.1939-20.11.2019)

Der US-Schauspieler Michael J. Pollard hinterließ Eindruck als agiler Nebendarsteller von kleiner Statur und mit jungenhaften Zügen, angefangen mit seinem „Oscar“-nominierten Auftritt als sympathischer Mitläufer des Gangsterpärchens in „Bonnie und Clyde“ (1967). Denkwürdig war er auch als Freund eines aufstrebenden Komikers in „Sein großer Auftritt“ (1967), Billy the Kid in „Dreckiger kleiner Billy“ (1972) oder Obdachloser in „Die Geister, die ich rief…“ (1988).


Jean Douchet (19.1.1929-22.11.2019)

Als Kritiker Jean Douchet bei den „Cahiers du cinéma“ und enger Freund von Godard, Truffaut & co. war der Franzose ein Wegbereiter der Nouvelle Vague, die er als Analytiker und Chronist über Jahrzehnte begleitete. Daneben inszenierte er auch Dokumentationen über Filmschaffende, spielte Minirollen und lehrte Filmtheorie an der IDHEC und der Fémis, wo er u.a. François Ozon und Xavier Beauvois beeinflusste.


Thomas Elsaesser (22.6.1943-4.12.2019)

Der deutsche Filmwissenschaftler Thomas Elsaesser war seinem bürgerlichen Habitus zum Trotz ein Provokateur, der sich mit einmal formulierten Gedanken nicht zufriedengeben wollte, sondern sich und andere immer wieder infrage stellte. Als freiwilliger Emigrant und Weltbürger blieb er dennoch dem deutschen Film treu, den er sein Leben lang mit kritischer Aufmerksamkeit begleitete, insbesondere mit seinen Publikationen zur frühen deutschen Filmgeschichte.

Eine ausführliche Würdigung von Thomas Elsaesser findet sich hier.


Ron Leibman (11.10.1937-6.12.2019)

Der gutaussehende US-Schauspieler Ron Leibman kratzte in den 1970er-Jahren am Kino-Starruhm, blieb dort aber trotz markanten Auftritten in „Schlachthof 5“ (1971), „Vier schräge Vögel“ (1972) und „Norma Rae“ (1979) auf Co-Hauptrollen beschränkt. Da auch sein komödiantisches Talent nur selten gefordert wurde, zog er sich auf die Bühne zurück, bevor ihm Regisseure wie Sidney Lumet mit dem Part eines absurd selbstverliebten Staatsanwalts in „Nacht über Manhattan“ (1997) noch einige schöne Altersrollen antrugen.


René Auberjonois (1.6.1940-8.12.2019)

Der hagere US-Schauspieler René Auberjonois mit französisch-schweizerischen Vorfahren spielte in Robert Altmans „Nur fliegen ist schöner“ (1970) einen Vogelexperten, der sich zusehends selbst in einen Vogel verwandelt, und erhielt auch in drei weiteren Altman-Filmen der frühen 1970er-Jahre größere Rollen. Das Kino bot ihm zwar nicht die Entfaltungsmöglichkeit des Theaters, wo Auberjonois seine Virtuosität in Dramen, Komödien und Musicals aller Art einbrachte, doch war er in Spielfilmen über fast 50 Jahre eine prägnante Erscheinung von Sprech- und Gesangsrollen wie in „Arielle, die Meerjungfrau“ (1989) über Gastauftritte in Blockbustern („Batman Forever“, 1995) bis zum Independent-Kino von Kelly Reichardt in „Certain Women“ (2016).


Danny Aiello (20.6.1933-12.12.2019)

Der New Yorker Danny Aiello fand nach Jahren als Hilfsarbeiter und Türsteher Anschluss ans Filmgeschäft, wo er zunächst die stereotypen Erwartungen an italo-amerikanische Charaktere mit Rollen als Mafioso („Der Pate – Teil 2“, 1974) oder harter Cop („The Bronx“, 1981) erfüllte. Ab den 1980ern durchbrach er diese Klischees aber regelmäßig mit feinen Nuancierungen, etwa als roher Working-Class-Ehemann in „The Purple Rose of Cairo“ (1985), übertölpelter Verlobter in „Mondsüchtig“ (1987) und Pizzabäcker im Zentrum von Rassenunruhen in „Do the Right Thing“ (1989).


Anna Karina (22.9.1940-14.12.2019)

Die Dänin Anna Karina wurde Ende der 1950er-Jahre von Jean-Luc Godard entdeckt und spielte in sieben seiner Filme die Hauptrolle, von „Eine Frau ist eine Frau“ (1961) über „Die Außenseiterbande“ (1964) bis „Made in USA“ (1966). Damit und mit Jacques Rivettes „Die Nonne“ (1966) wurde sie zu einer der bekanntesten Interpretinnen der Nouvelle Vague, später drehte sie unter anderem mit Cukor, Schlöndorff und Fassbinder.

Erinnerungen an Anna Karina findet sich hier.

Anna Karina in "Alphaville" von Jean-Luc Godard.
Anna Karina in "Alphaville" von Jean-Luc Godard.

Sue Lyon (10.7.1946-26.12.2019)

Als Jugendliche übernahm die US-Amerikanerin Sue Lyon die Titelrolle in Stanley Kubricks Verfilmung des kontroversen Romans „Lolita“ (1962) und wurde auch im Folgenden für weitere frühreife Verführerinnen mit Schmollmund besetzt, etwa in „Die Nacht des Leguan“ (1964). Abseits dieses Profils taten sich Filmemacher schwerer mit der Schauspielerin, sodass ihr nur wenige andere Rollen wie eine junge Missionarin in „7 Frauen“ (1966) angetragen wurden.

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