In memoriam… 2019

Freitag, 27.12.2019

Erinnerungen an Filmschaffende, die im Laufe des Jahres 2019 gestorben sind

Diskussion

Ein Jahr endet, ein neues beginnt. Das ist Anlass für vielerlei Rückblicke, auch für Erinnerungen an Filmschaffende, die 2019 verstorben sind. Zu ihnen zählen nicht nur Bruno Ganz, Agnès Varda, Edith Scob, Hannelore Elsner oder Peter Fonda, sondern auch Mungau Dain von dem Südseestaat Vanuatu (im Bild als Darsteller in "Tanna") und viele viele andere.


Pio Corradi (19.5.1940-1.1.2019)

Der Schweizer Kameramann Pio Corradi prägte mit seiner Bildkunst etliche Filme seines Landes und zeichnete sich vor allem durch seinen Umgang mit Licht und die ruhige Annäherung an Menschen vor der Kamera aus. So übernahm er etwa für Fredi M. Murer ab dem Bergbauern-Drama „Höhenfeuer“ (1985) immer wieder die Bildgestaltung, was ihm auch zur Arbeit bei weiteren Dokumentarfilmen in der Schweizer Bergwelt wie „Giovanni Segantini – Magie des Lichts“ (2015) und „Köhlernächte“ (2017) verhalf.


Mungau Dain (1994-5.1.2019)

Der mit nur 24 Jahren an einer Sepsis verstorbene Laiendarsteller Mungau Dain aus dem Südseestaat Vanuatu spielte die Hauptrolle in der „Oscar“-nominierten „Romeo & Julia“-Variante „Tanna – Eine verbotene Liebe“ (2015).


Gregg C. Rudloff (2.11.1955-6.1.2019)

Der amerikanische Tontechniker Gregg C. Rudloff war einer der begehrten Könner seines Metiers, der u.a. drei „Oscars“ für seine Arbeit an „Glory“ (1989), „Matrix“ (1999) und „Mad Max – Fury Road“ (2015) gewann.


Jocelyne Saab (30.4.1948-7.1.2019)

Die Regisseurin Jocelyne Saab war eine Pionierin des libanesischen Kinos, die über ihre Arbeit als Kriegsreporterin zum Dokumentarfilm kam. Die Zerrissenheit ihres Heimatlands in Folge des Bürgerkriegs waren immer wieder Thema ihrer Spiel- und Dokumentarwerke, für die sie weltweit Anerkennung erntete.

Aus dem Jahr 2006 stammt "Dunia - Kiss Me Not on the Eyes" von Jocelyne Saab
Aus dem Jahr 2006 stammt "Dunia - Kiss Me Not on the Eyes" von Jocelyne Saab

Carol Channing (31.1.1921-15.1.2019)

Die US-Schauspielerin Carol Channing war mit ihren vor Vitalität berstenden Interpretationen einer der größten weiblichen Stars des Musical-Theaters (u.a. in der Uraufführung von „Hello, Dolly!“). Im Kino spielte sie ihre markanteste Rolle als exzentrische Witwe im 1920er-Musical „Modern Millie“ (1967), wofür sie den „Golden Globe“ gewann und für den „Oscar“ nominiert wurde.


François Perrot (26.2.1924-20.1.2019)

Der französische Schauspieler François Perrot war als Interpret bürgerlicher und blasierter Charaktere vor allem in den 1970er- und 1980er-Jahren ein beliebter Nebendarsteller für Regisseure wie Claude Chabrol, Christian de Chalonge oder Henri Verneuil. Dankbare Rollen gab ihm auch Bertrand Tavernier, etwa die eines kriegsmüden Hauptmanns in „Das Leben und nichts anderes (1989).


Jonas Mekas (24.12.1922-23.1.2019)

Der litauisch-amerikanische Filmemacher Jonas Mekas etablierte mit dem New American Cinema ein radikales und zugleich poetisches Avantgarde-Kino. Der „Godfather“ des amerikanischen Underground-Films beschrieb in seinen oft äußerst langen Werken wie „Erinnerungen an eine Reise nach Litauen“ (1971) die Poesie des Alltäglichen und lehnte jede Form der künstlichen Bildbearbeitung für seine Filme ab.

Eine ausführliche Würdigung von Jonas Mekas findet sich hier.

"Godfather" des US-amerikanischen Underground-Kinos: Jonas Mekas
"Godfather" des US-amerikanischen Underground-Kinos: Jonas Mekas


Dusan Makavejev (13.10.1932-25.1.2019)

Der serbische Regisseur Dusan Makavejev ließ sich nicht ins sozialistische System Jugoslawiens einspannen und eckte in den 1960er- und 1970er-Jahren mit spöttisch-subversiven Werken wie „WR– Mysterien des Organismus (1971) regelmäßig an. Auch nach seiner Emigration blieb er ein kritischer Geist, der die Konsumgesellschaft gleichermaßen aufs Korn nahm wie zuvor hehre revolutionäre Ideale.

Eine ausführliche Würdigung von Dusan Makavejev findet sich hier.


Michel Legrand (24.2.1932-26.1.2019)

In den Filmscores des französischen Komponisten Michel Legrand trat die Musik aus dem Hintergrund hervor und wurde selbst zum Star. Zusammen mit dem Regisseur Jacques Demy schuf Legrand bei „Die Regenschirme von Cherbourg (1964) eine einzigartige Form des Filmmusicals. Seine Bandbreite bewies er aber auch als Komponist für Filmemacher wie Orson Welles („The Other Side of the Wind“, 1970-76), Barbra Streisand („Yentl“, 1983) oder Clint Eastwood („Begegnung am Vormittag“, 1973).

Eine ausführliche Würdigung von Michel Legrand findet sich hier.


Dick Miller (25.12.1928-30.1.2019)

Der US-Schauspieler Dick Miller wurde zunächst durch seine Nebenrollen für den Billigfilm-Produzenten Roger Corman bekannt; später besetzten ihn Cormans Schüler James Cameron, Martin Scorsese und insbesondere Joe Dante, bei dem Dick Miller zwischen 1976 und 2014 in jedem Film eine Rolle spielte. Am bekanntesten wurde er durch den Part des Nachbars Murray Futterman in „Gremlins“ (1984) und „Gremlins 2“ (1990). 2014 stand er erstmals im Mittelpunkt eines Films, der Dokumentation „That Guy Dick Miller“.


Ursula Karusseit (2.8.1939-1.2.2019)

Als eine bekannte Theaterschauspielerin in der DDR spielte die Ostpreußin Ursula Karusseit auch in DEFA-Filmen Hauptrollen, wozu populäre Stoffe wie der Vierteiler „Eva und Adam“ (1971/72), Märchen wie „Die vertauschte Königin (1984) oder auch Konrad Wolfs Filmsatire „Der nackte Mann auf dem Sportplatz“ (1974) zählten.


Julie Adams (17.10.1926-3.2.2019)

Die sympathische US-Schauspielerin Julie Adams lockte im Badeanzug in „Der Schrecken vom Amazonas“ (1954) das titelgebende Monster aus seinem Versteck und trat ansonsten in einfühlsamen Rollen in Western („Meuterei am Schlangenfluss, 1951), Kriegsfilmen („Brückenkopf Tarawa“, 1958) und Komödien („Wem die Sterne leuchten“, 1956) auf. Nach den 1950er-Jahren war sie u.a. in Dennis Hoppers „The Last Movie“ (1971) und dem John-Wayne-Actionfilm „McQ schlägt zu“ (1973) zu sehen.


Václav Vorlícek (3.6.1930-5.2.2019)

Der große tschechische Märchenfilmer Václav Vorlícek versüßt auch den Deutschen Jahr für Jahr mit „Drei Haselnüsse für Aschenbrödel (1973) die Weihnachtstage. In Erinnerung bleibt der Regisseur aber nicht nur mit seinen charmanten Kinderfilmen, sondern auch mit skurrilen Komödien für Erwachsene wie „Das Mädchen auf dem Besenstiel“ (1971), die mit leisem Spott den Alltag für Possen und Satiren plünderten.

Eine ausführliche Würdigung von Václav Vorlícek findet sich hier.

Ein Klassiker der Weihnachtszeit: "Drei Haselnüße für Aschenbrödel"
Ein Klassiker der Weihnachtszeit: "Drei Haselnüße für Aschenbrödel"

Peter Steinbach (10.11.1938-6.2.2019)

Der aus Leipzig stammende Autor Peter Steinbach gehörte zu den renommierten Hörspielverfassern Deutschlands und gewann für seine Arbeit u.a. den „Hörspielpreis der Kriegsblinden“. Als Drehbuchautor wirkte er an verschiedenen Projekten von Edgar Reitz, insbesondere an dessen Fernsehepos „Heimat“ (1981-84), mit, schrieb weitere Fernseh-Mehrteiler wie „Klemperer – Ein Leben in Deutschland“ (1999) und „Jahrestage“ (2000) sowie für Joseph Vilsmaier das Buch zu „Herbstmilch“ (1988).


Albert Finney (9.5.1936-7.2.2019)

Der britische Schauspieler

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