© Aston Martin

James Bond: Motorlegenden

Montag, 06.04.2020

Ein neues Filmbuch huldigt kenntnisreich und unterhaltsam einem wichtigen James-Bond-Accessoire: den Autos, die 007 durch die Kinogeschichte gefahren haben.

Diskussion

007-Fans, die sich auf den für Anfang April angekündigten Kinostart des neuesten Bond-Films „Keine Zeit zu sterben“ gefreut hatten, wurde durch die Covid19-Pandemie ein Strich durch die Rechnung gemacht und der Start ins Spätjahr verschoben. Trösten kann man sich mit einem neuen Filmbuch, das kenntnisreich und unterhaltsam einem wichtigen Bond-Accessoire huldigt: den Autos, die 007 durch die Kinogeschichte gefahren haben.


Bis zum Start des neuen James-Bond-Films „Keine Zeit zu sterben“ im November ist es noch ein bisschen hin. Was liegt also näher, als sich die Wartezeit mit diesem Buch zu verkürzen, das einen kultigen Aspekt der Bond-Filme beleuchtet: die fahrbaren Untersätze des Geheimagenten ihrer Majestät. Siegfried Tesche, seit vierzig Jahren freier Filmjournalist, hat das neue Werk über den britischen Geheimagenten geschrieben. Tesche ist ausgewiesener James-Bond-Experte, er hat im Laufe der Jahre zahlreiche Dreharbeiten besucht und dabei die Beteiligten, vom Regisseur bis zum Hauptdarsteller, interviewt. Sein erstes eigenes Buch, nach Mitarbeiten für den Kino-Verlag (Cinema), erschien 1995 anlässlich des Starts von „Goldeneye“, zuletzt konnte man sich mit dem „James Bond Atlas“ zu den Handlungsorten der Serie entführen lassen.

Nun also geht es ausschließlich um die Autos, vom legendären Aston Martin DB 5 aus „Goldfinger“ über den Lotus Esprit aus „Der Spion, der mich liebte“ und die knallgelbe Ente aus „In tödlicher Mission“ bis zum BMW 750 IL aus „Der Morgen stirbt nie“. Denn die Autos sind es zumeist, die für kinetische Attraktion und Bewegung sorgen, vor allem bei den Verfolgungsjagden – unvergesslich etwa der Spiralsprung des AMC Hornet X Hatchback in „Der Mann mit dem goldenen Colt“, der sich um die eigene Längsachse drehte. Aber auch als Statussymbol ist es für Bond, den hedonistischen Verteidiger der westlichen (Konsum-)Kultur, unverzichtbar. Denn nur mit einem coolen Auto lässt sich auch ein cooles Image pflegen.

Prestige auf vier Rädern, inklusive Reifenaufschlitzer und Nebelmaschine

Kenntnisreich und detailverliebt schildert Tesche die anfängliche Naivität der Aston-Martin-Werke, die die Werbewirksamkeit der Bond-Filme für ihr Produkt nicht sofort erkannten (während zum Beispiel Lotus mit einer frechen Aktion selbstbewusst auf ihren auffälligen Wagen aufmerksam machte). Er beschreibt die vielen Veränderungen am Chassis, von den Maschinengewehren vorne bis zur Nebelmaschine hinten, vom Kugelfang bis zum drehbaren Nummerschild, nicht zu vergessen die seitlichen Reifenaufschlitzer. Zahlreiche Bilder illustrieren die Beschreibungen; Detailaufnahmen verdeutlichen, wie die Veränderungen ausgesehen haben.

Unterwasserauto in "Der Spion, der mich liebte" © Fox
Unterwasserauto in "Der Spion, der mich liebte" © Fox

Manche Tricks sind dabei hausgemacht, etwa wenn ein Mitarbeiter des Prop-Departments mit einem Kanister im Heck des Aston Martins kauert, um den Nebel zu produzieren. Andere sind wiederum sehr aufwändig, etwa der Tauch-Gang des Lotus Esprit, bei dem immerhin vier Wagen aufwändig umgestaltet werden mussten. Tesche beschreibt die Entstehung haargenau in all ihren Schritten. Und läuft damit auch Gefahr, die Szene zu entzaubern. Denn nur die Illusion, dass dieser Lotus Esprit alles kann, erlaubt auch das Staunen. Dass die Luftblasen unter Wasser durch Alka-Seltzer-Tabletten hervorgerufen werden, ist eine schöne, kuriose Randnotiz.

Was ist aus den kultigen Autos geworden?

Am Ende eines jeden Unterkapitels stellt Tesche Daten und Fakten zu den zehn verschiedenen Autos vor, PS, Höchstgeschwindigkeit, Gewicht, sogar ihre Screen-Time im einzelnen Film hat er mit der Stoppuhr gemessen. Was ist aus den Autos geworden? Wer hat sie ersteigert? Wer besitzt sie jetzt? Tesche gibt Antwort. Besonders spannend sind dabei die Geschichten von James-Bond-Sammlern, die die Wagen mühsam ausfindig machen mussten und dann aufwändig (und teuer) restaurierten. Tesche weiß sogar die Nummernschilder, er informiert über Anschlussfehler und Links- oder Rechtsteuerung.

Nicht mehr ganz so ergiebig sind die Kurzbiografien der sechs Bond-Darsteller und ihr privates Verhältnis zum Auto. So fuhr Timothy Dalton „einen verbeulten, alten Toyota“. Und das passt so gar nicht zur Coolness von James Bond. Mit den Beschreibungen der schönsten Fahrstrecken aus einigen Filmen lädt Tesche schließlich zur Nachahmung ein, ein Kapitel über die Stuntmen Bob Simmons, Rémy Julienne, Vic Armstrong und Gary Powell beschließt das schöne, flüssig und schnörkellos geschriebene und reich bebilderte Buch.


Siegfried Tesche: Motorlegenden – James Bond. Motorbuch-Verlag, Stuttgart 2020, 240 S., 29,90 Euro.


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