© ZDF/Pär Bäckstrand

Serie: Hidden Agenda

Dienstag, 10.11.2020

Eine schwedische Krimiserie um eine Anwältin, einen Ex-Häftling & einen gefährlichen Entführungsfall - bis 26.12. in der ZDF Mediathek

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Hinter ihrem Rücken macht sich ein Kollege über den Arbeitseifer von Junganwältin Emily (Josefin Asplund), die in der Wirtschaftskanzlei Leijon um den Aufstieg kämpft, lustig. Als sie ihn zur Rede stellt, fragt er sie, was sie eigentlich zu suchen habe in diesem Elite-Unternehmen, in dem nur die Besten der Besten unterkommen, und deutet schleimig an, dass zwischen ihr und ihrem Vorgesetzten Magnus wohl etwas laufen würde. Emily hat zwar eine schlagfertige Antwort parat, aber als Zuschauer kann man sich trotzdem vorstellen, wie aufreibend es für sie sein muss, ständig um ihre Position unter den hauptsächlich männlichen Kollegen zu kämpfen.

Um die berühmte gläserne Decke trotzdem zu durchbrechen und eine Partnerschaft in der Kanzlei angeboten zu bekommen, lässt Emily sich darauf ein, einen so heiklen wie wichtigen Fall zu übernehmen: sie soll Philip Schale ausfindig machen, den verschwundenen Erben eines schwerreichen Familienunternehmens, das einer der wichtigsten Klienten von Leijon ist. Zunächst kalkulieren Emily und das beauftragte Detektivbüro noch ein, dass Philip sich einfach abgesetzt haben könnte, um dem Druck als neuer Geschäftsführer zu entgehen. Die Zuschauer wissen es zu diesem Zeitpunkt aber schon besser: Philip ist das Opfer von Kriminellen geworden.

Bei der Recherche kreuzen sich Emilys Wege mit denen einer anderen Figur: Teddy (Alexej Manvelov) ist gerade frisch aus dem Knast entlassen und will eigentlich ein neues Leben anfangen, hat aber keinerlei Perspektiven und erliegt langsam, aber sicher der Schwerkraft seines kriminellen Milieus. Ein ehemaliger „Freund“ und aktueller Boss der lokalen Unterwelt fühlt sich durch die Recherchen der Anwältin bedroht und setzt Teddy darauf an, diese zum Schweigen zu bringen.

Die achtteilige, von von Molly Hartleb und Alexis Almström inszenierte schwedisch-deutsche Ko-Produktion nach dem Roman "Top Dog" von Jens Lapidus überzeugt als unterkühlter „Nordic noir“, der sich Zeit lässt, seine Figuren und ihre Milieus gründlich einzuführen, und elegant zwischen Krimi- und Dramaserie changiert. In Emily und Teddy hat er zwei Hauptfiguren aus unterschiedlichen sozialen Welten, denen aber im Kern viel gemeinsam ist: Sowohl in der Kanzlei als auch in den Bandenstrukturen rund um Teddy herrscht eine knallharte, patriarchalisch geprägte Haifisch-Mentalität und eine gnadenlose Hackordnung, die nicht zuletzt über die titelgebende „Hidden Agenda“ – Intrigen und Hinterhältigkeiten – ausgetragen wird. Emily und Teddy versuchen beide auf ihre Weise, sich in diesen Strukturen zu behaupten, teilen aber eine instinktive Abscheu dagegen. Ein Verbindung, aus der ein Hoffnungsschimmer werden könnte, um sich frei zu machen vom Zwang, mit den Wölfen zu heulen.

Bis 26.12. in der ZDF Mediathek

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