© Paramount (Vera Miles in "Psycho", 1960)

Kino & Corona: Betreiberängste und Zuschauersorgen

Dienstag, 09.06.2020

Sollten die Zuschauer sich auch nach dem Ende der Corona-bedingten Schließungen nicht wieder in die Filmtheater trauen, droht vielen Kino-Unternehmern das Aus

Diskussion

Geht die Coronakrise ihrem Ende entgegen? Oder gibt es nur eine Pause der Ansteckungsgefahr bis zu einer zweiten Welle? Keiner kann dies mit Sicherheit sagen.

Mit am meisten haben die Kinos zu leiden, deren Geschäft komplett zusammengebrochen ist. In manchen Ländern öffnen jetzt einige Vorreiter der Kinobranche zögerlich wieder ihre Türen. Andere sind dazu kaum mehr in der Lage, weil ihre Verluste eine Fortexistenz verhindern. Ein Blick ins Ausland zeigt, welche Probleme möglicherweise auch in Deutschland zu befürchten sind.

In den USA hat das Coronavirus die Kinokette AMC Entertainment schwer getroffen. AMC ist der größte Kinobetreiber in den Vereinigten Staaten. Zu Beginn der Viruskrise sah sich das Unternehmen gezwungen, seine mehr als 1 000 Filmtheater zu schließen und 600 Mitarbeiter zu entlassen. Das sah schlimm aus, sollte aber noch schlimmer kommen. Am 3. Juni gab AMC bekannt, dass die Folgen der Krise die Kinokette in den Konkurs treiben könnten. Die Verluste bewegen sich in Milliardenhöhe. „Wir haben erhebliche Zweifel“, heißt es in einer Erklärung der Betriebsführung, „dass wir noch lange weiterexistieren können.“

Zweifel am rasch wiederkehrenden Publikum

Ändern könnte sich an der fatalen Wirtschaftslage der Kinos nur etwas, wenn das Publikum rasch zurückkehren würde, sobald die ersten Blockbuster des Sommers im Juli zur Verfügung stehen. Filme wie Niki Caros „Mulan“ und Christopher Nolans „Tenet“ sind die Hoffnungsträger. Aber nun weckt eine Studie im Auftrag der britischen Film Distributors Association Zweifel am aufkommenden Optimismus. Vier von fünf Filmfreunden in Großbritannien und in Irland sind laut dieser Umfrage nicht gewillt, gleich wieder in die Kinos zurückzukehren.

Das scheint dies bei der Majorität nichts mit einer reduzierten Kinofreundlichkeit zu tun zu haben, sondern mehr mit der Furcht des Publikums vor eventuellen gesundheitlichen Konsequenzen. Kinobesuche stehen bei den Engländern nach wie vor auf Platz drei der Beliebtheitsskala, gleich nach Familien- und Restaurantbesuchen und sogar vor dem Einkaufsbummel; eine Tatsache, die den Kinos die Fortexistenz allerdings nicht wesentlich erleichtert.

Eine gleichzeitig publizierte Umfrage unter den Betreibern von unabhängigen Filmtheatern in England macht die Zurückhaltung nachvollziehbar, die in den Antworten der potentiellen Kinobesucher zum Ausdruck kommt. Die Eigentümer dieser Kinos befürchten nämlich, vor allem den Anforderungen des „social distancing“ aus räumlichen und finanziellen Gründen nur schwer nachkommen zu können.

An die Bequemlichkeit des Heimkinos gewöhnt

28 Prozent der Befragten bekannten sich dazu, auch nach dem Ende der Epidemie weniger regelmäßig ins Kino gehen zu wollen. Sie scheinen sich in den letzten Monaten an die Bequemlichkeit der vielen Streaming-Angebote gewöhnt zu haben und dem heimischen Ersatzkino auch in Zukunft treu bleiben zu wollen.

Auch in diesen Ländern wäre es höchste Zeit, darüber nachzudenken, wie die Kinos vor dem dauerhaften Verschwinden bewahrt werden könnten. Wenn zum Beispiel staatliche Gelder verteilt werden sollen, um versteckte Folgen der Coronakrise zu lindern, dann wären auch die Kinos keine schlechten Adressaten. Vor allem die kleinen, aber wichtigsten unter ihnen, die sich dem anspruchsvollen Film widmen, haben Unterstützung dringend nötig.

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