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Serie: The Politician - Staffel 2

Dienstag, 30.06.2020

Diskussion

Die zweite Staffel der Serie „The Politician“ bedient so ziemlich jedes Klischee über Politik im Zeitalter der sozialen Medien: Haltungen sind austauschbar. Junge Leute spiegeln sich pausenlos auf Instagram und Twitter. Sie sind Narzissten mit Aufmerksamkeitsdefizit – die andere öffentlich bloßstellen, wenn sie nicht nach ihrer Pfeife tanzen. Doch es gibt noch ein Relikt aus analogen Zeiten: den Sexskandal. Und den zweifelhaften Glauben daran, dass solche Skandale heutzutage noch Wahlen entscheiden.

Nachdem Payton Hobart (Ben Platt) in der ersten Staffel noch alles daransetzte, Schülersprecher seiner High School zu werden, strebt er nun höheren Zielen entgegen: State Senator in New York. Seine abgebrühte Konkurrentin Dede Standish (Judith Light) liegt in den Umfragen meilenweit vor Payton, den sie bei einer öffentlichen Debatte als unerfahren abkanzelt und nicht ganz ernst zu nehmen scheint. Mit seinem Team, das er aus seinem Schulwahlkampf mit nach New York genommen hat, sucht Payton verzweifelt nach Schwachstellen der Konkurrentin. Er schreckt auch nicht davor zurück, einen Maulwurf in ihr Team zu schleusen. Doch alles, was ihr gefährlich werden kann, ist ihre Ménage-à-trois mit zwei Männern. Als Dedes altgediente Kampagnen-Managerin Hadassah davon erfährt, gerät sie außer sich – und verfällt auf die Idee, dass einer der Männer ab sofort mit ihr ins Bett gehen soll.

Möglichst irre Volten

Ob all das heute noch einen Wahlkampf in New York torpedieren könnte, erscheint zweifelhaft. Aber den Serienschöpfern um Ryan Murphy kommt es vor allem darauf an, die Handlung durch möglichst irre Volten immer weiter voranzutreiben. Paytons Mutter bewirbt sich derweil nach ihrer lukrativen Scheidung um den Gouverneursposten in Kalifornien. Als moderner weiblicher Guru kämpft sie gegen den Klimawandel und geißelt Plastikverpackungen. Ihre Umfragewerte sind gigantisch. Gwyneth Paltrow, deren Ehemann Brad Falchuk „The Politician“ produziert, gibt sie als abgehobene Neureiche, der man es gar nicht übel nimmt, dass sie über den Dingen schwebt. Man fragt sich, ob sich die Figur von der mutmaßlich echten Paltrow unterscheidet, die in „Goop Lab“ (auch auf Netflix) Werbung für ihren Lifestyle-Edeltrash macht.

Die grelle Satire greift natürlich auch aktuelle Themen auf. Gepusht von der umtriebigen Infinity mit zahlreichen Followern, hält Payton zur Verbesserung der Umfragewerte eine flammende Rede über Klimawandel. Die jungen Leute, die ihm zujubeln, scheinen leicht zu begeistern zu sein – „The Politician“ nimmt auch in der zweiten Staffel keine der Figuren wirklich ernst. Das größte Vergnügen an der Serie bereitet Bette Midler als Hadassah, die für Standish im Hintergrund die Strippen zieht. Und dabei immer noch so überdreht wirkt, als käme sie direkt aus einer ihrer Filmkomödien der 1980er-Jahre angerannt.

Alles nur ein großer Zirkus

Das Verführerische an Serien wie „The Politician“ ist die Illusion, dass sie – wenn auch überzeichnend – den Zuschauern etwas über die „Mechanismen der Macht“ erzählen würden. Politik erscheint als Feld, von dem sich anständige Leute besser fernhalten. Dabei ist die Annahme, dass die Welt wirklich so verkommen und durchgedreht sei, wie man sie sich in anderen Serien schon immer vorgestellt hat, banal und vordergründig. Die Form der Satire wird oft mit Gesellschaftskritik verbunden, ohne dies einzulösen. Sie eignet sich perfekt als Durchlauferhitzer – wie in „The Politician“, wo alles nur ein großer Zirkus ist. Das alles erzählt kaum etwas über die Gesellschaft, wenig über Politik oder junge Leute. Es erzählt viel über das hochtourige Aufmerksamkeitsmanagement von Serien, die alle zeitgenössischen Malaisen zu einem Unterhaltungsbrei vermanschen.

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