© Studiocanal (aus "Der Himmel über Berlin")

Wim Wenders - Werkschau zum 75.

Dienstag, 14.07.2020

Eine umfangreiche Filmreihe zum Werk des Regisseurs, von seinen Anfängen in den späten 1960ern bis zu "Pina" - bis 14.9. in der ARD Mediathek

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Wim Wenders, am 14. August 1945 in Düsseldorf geboren, gehört zu den international bekanntesten und renommiertesten deutschen Filmemachern. Die Anfänge seiner Karriere reichen zurück in die späten 1960er-, frühen 1970er-Jahre, als er an der damals noch ganz neuen Hochschule für Fernsehen und Film in München angenommen wurde, erste Filme drehte und bald zu einem eigenwilligen Vertreter des Neuen Deutschen Films heranreifte - der Beginn einer Laufbahn als nimmermüder Bildersammler (neben dem Film galt seine zweite künstlerische Leidenschaft schließlich der Fotografie), die ihn im Lauf seiner langen Karriere immer wieder über die Grenzen Deutschlands hinausführte. Die ARD widmet Wenders anlässlich seines 75. Geburstags in ihrer Mediathek eine umfängliche Werkschau aus 28 Filmen, die die Spannweite seines Werks sichtbar machen.

Zu der Auswahl gehören Wenders' allererste Schritte als Filmemacher: So die noch erhaltenen Fragmente seines ersten Kurzfilms "Same Player Shoot Again" (1967), der sich stilistisch aufs amerikanische Pinballspiel bezieht, der Kurzfilm "Silver City Revisited" (1968) sowie "Summer in the City" (1970), Wenders rund zweieinhalbstündiger Abschlussfilm an der Münchner Filmhochschule, bei dem er, wie später noch so oft, schon mit Kameramann Robby Müller zusammenarbeitete; die Hauptrolle eines Mannes, der im naßkalten Winter frisch aus dem Gefängnis entlassen durch München und Berlin hastet, spielte Hanns Zischler, der später noch öfters für Wenders vor die Kamera trat. Das Motiv des Driftens, der Reise und Bewegung, das zu einer wichtigen Konstante in Wenders' Werk werden sollte, ist hier ebenfalls bereits angelegt, genauso wie sich schon Wenders' (und Robby Müllers) Faszination und atmosphärisches Gespür für Räume und (Stadt-)Landschaften niederschlägt.

Von diesen Filmen ausgehend, deckt die Filmreihe Wenders' Schaffen bis hin zu seinem Pina-Bausch-Porträt "Pina (2011) ab; seine jüngsten Werke fehlen. Zu sehen sind u.a. viele Filme aus der künstlerisch besonders fruchtbaren, aufregenden Schaffensphase der 1970er- und 1980er-Jahre: Klassiker wie "Die Angst des Tormanns beim Elfmeter" (1972), "Alice in den Städten", "Im Lauf der Zeit", "Der amerikanische Freund", "Der Stand der Dinge", "Paris, Texas" und natürlich sein wohl bekanntester Film, "Der Himmel über Berlin". Dazu kommen aus den 1990ern u.a. "Bis ans Ende der Welt", "Lisbon Story", "In weiter Ferne, so nah", und "Am Ende der Gewalt". Aus der Schaffensphase ab 2000 sind u.a. "Don't Come Knocking" - nach "Paris, Texas" eine erneute Zusammenarbeit mit US-Star Sam Shepard - sowie "Palermo Shooting", in dem Wenders auf seine Faszination für die Fotografie rekurrierte und Andreas Frege alias Campino, den Frontmann der Band "Die Toten Hosen", als Hauptdarsteller besetzte.

Dazu kommen mehrere von seinen dokumentarischen Werken, mit denen er auch schon vor "Pina" nicht zuletzt Kunstschaffende würdigte, die ihn faszinierten: "Nick's Film" über Regisseur Nicholas Ray und "Buena Vista Social Club" über die gleichnamige Musiker-Formation aus Havanna. Zu dieser Auswahl gehört auch Wenders' weniger bekannter, etwas über 40 Minuten langer Dokumentarfilm "Chambre 666", gedreht in einem Hotelzimmer in Cannes, in dem Wim Wenders Anfang der 1980er berühmte Kollegen wie Jean-Luc Godard, Werner Herzog, Rainer Werner Fassbinder und Steven Spielberg per Zettel mit der Frage konfrontierte, wie es ums Kino stehe.

Hier geht es zur Wim-Wenders-Werkschau in der ARD Mediathek




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