© Turbine Medien

Filmklassiker: Die Braut des Prinzen

Mittwoch, 30.09.2020

Märchenfilme entwickeln selten einen Kultfaktor. „Die Braut des Prinzen“ (1987) ist eine der Ausnahmen, indem der Film zwar alle Anforderungen an ein anständiges Märchen erfüllt, diese zugleich aber metareflexiv kommentiert.

Diskussion

Es war einmal eine Zeit, als Märchen noch als Märchen erzählt wurden. Ganz altmodisch und verschnörkelt, mit edlen Prinzen und selbstbewussten Bräuten, die sich gegen alle Flaggen das erstreiten, was ihnen zusteht: einen Kuss und die Aussicht auf ein Leben „noch heute“, da sie einfach zu zeitlos sind, um zu sterben.

Für Kinder von heute – Jungs zumal – mag das vielleicht ganz schrecklich klingen. Prinzen, Maiden, Küsse? Wo bleibt denn da die Action, wo Schwerter, Flüche und böse Zauberer? Womit sie durchaus Recht haben können, denn die Mischung macht es. Und daher erzählt Rob Reiner in „Die Braut des Prinzen“ genau so, wie wir es uns alle wünschen, nämlich mit den Worten des Geschichtenerzählers (hier Peter Falk in der Rolle des Großvaters), der das unwillige Publikum (hier den kränkelnden Enkel) vom Zauber eines wundersamen Märchens überzeugen will. Er tut dies wie ein geschickter Stratege: indem er Vorurteile nur aus einem Grunde bedient, nämlich, um sie sogleich zu zerstreuen, Denn mitnichten ist hier nur von einer lahmen Liebesgeschichte zu berichten. Stattdessen lockt er die Zuhörerschaft langsam in die phantastischen Untiefen eines epischen Abenteuers, voller Action und grässlicher Wesen, bei dessen Vorstellung kleine Enkel niemals mehr den Gang in den Keller wagen.

Action und gefährliche aktionen kommen in „die braut des prinzen“ nicht zu kurz. (© turbine medien)
Action und gefährliche Momente kommen in „Die Braut des Prinzen“ nicht zu kurz. (© Turbine Medien)

Augenzwinkernde Reflexion über den Fantasy-Film

So ist „Die Braut des Prinzen“ ein Film im Film, in dem die Rahmenhandlung vom „Hier und Jetzt“ in eine Welt des wundersamen Zaubers entführt, in der man Prinz Westley (Cary Elwes) und Prinzessin Buttercup (Robin Wright) auf dem Weg zu ihrer Bestimmung nie mehr verlassen möchte. Die genervten, nörgelnden und flehenden Kommentare des Enkels werden die Handlung noch des Öfteren unterbrechen. Schon dieser Einbruch des Realen in das Irrationale bewahrt uns vor einem biederen Märchenfilm. Vielmehr wird daraus eine augenzwinkernde Reflexion über den Fantasy-Film.


       Das könnte Sie auch interessieren:


Regisseur Rob Reiner und William Goldman, der Autor von Drehbuch und Vorlage, führen uns ein Idyll vor, das sie in seiner Überzeichnung als Absurdität kenntlich machen, ohne es bloßzustellen und zu verraten: Man findet auch in diesem Märchen alle Stereotypen von Gut und Böse. Doch wie der kleine Enkelsohn verliert auch der Zuschauer mehr und mehr die Reserviertheit gegenüber der dick aufgetragenen „Knutschgeschichte“. Er bangt um Buttercup und hält Westley und seinen Freunden die Daumen im Kampf gegen die Schergen des Gegners.

„Don’t you know that storybook loves / Always have a happy ending?“ singt Willy DeVille in seinem Song zum Film, der längst zu einem der unverwüstlichen Evergreens der 1980er-Jahre geworden ist. Am Ende möchte man, genauso wie der kleine Junge, dass der Großvater das romantische Finale bis zum Schluss erzählt, selbst wenn es mit dem Kuss nur noch einen Betrachtungsgegenstand haben sollte. Ganz altmodisch und verschnörkelt!

Der geheime held des märchens: inigo montoya (mandy patinkin).  (© turbine medien)
Der geheime Held des Märchens: Inigo Montoya (Mandy Patinkin). (© Turbine Medien)

Standesgemäße Heimkino-Edition

Es gibt nicht viele Kult-Filmmärchen, „Die Braut des Prinzen“ zählt dazu. So ward es höchste Zeit, dass dem Film auch im Heimkino die Ehre widerfährt, die ihm gebührt. Wie ein altes Buch nimmt man die neu erschienene Edition aus dem Schuber und öffnet die wattierten Deckel, blättert zunächst die 48 Seiten des reich bebilderten Booklets durch, macht sich mit den Schöpfern und den Akteuren vertraut und legt dann wie einen Schatz eine der drei Disks (am besten die 4K UHD!) in den Player – und taucht ein. Wenn man dann noch will, kann man mehr über das Phänomen und den Zauber erfahren, indem man den Audiokommentaren von Rob Reiner und/oder Autor William Goldman zuhört und deren Gedanken mit dem eigenen Erleben abgleicht. Man kann auch die Filmmusik separat hören oder sich in diversen „Making ofs“ verlieren. Oder einfach noch einmal in den wunderbaren Farben schwelgen, die die 4K-Abtastung (die es selbst in den USA nicht gibt) zu bieten hat. Es ist ein kleiner Schatz, den es indes schnell zu bergen gilt. Denn solche Editionen sind rasch sicher kaum noch zu bekommen.


Diskografischer Hinweis:

Das wattierte Mediabook enthält 4 Discs: 2 DVDs, 1 Blu-ray und 1 4k-UHD. Zu den Extras zählen ein 48-seitiges Booklet, Audiokommentare von Rob Reiner und William Goldman, eine Tonspur mit Soundeffekten und der Filmmusik von Mark Knopfler, mehrere Dokumentationen über den Film, diverse Kinotrailer & TV-Spots. Die Edition ist auf 2000 Stück limitiert. Bezug: In jeder Buchhandlung oder hier.


Kommentar verfassen

Kommentieren