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Systemsprenger

Sonntag, 03.10.2021

Diskussion

Benni (Helena Zengel) ist ein neunjähriges Mädchen, das schon mehrere psychiatrische Aufenthalte hinter sich hat. Die Mutter (Lisa Hagmeister) kann der Kleinen nicht den stabilen Rahmen bieten, den diese bräuchte und im Grunde auch einfordert, zudem reagiert Benni extrem gewalttätig, wenn sie sich missachtet oder auch nur durch abgelenkte Aufmerksamkeit zurückgedrängt fühlt. Da sie sich so radikal allen Verhaltensnormen verweigert, wird es für ihre Betreuer schwer, überhaupt noch Einrichtungen oder Pflegeeltern zu finden. Die Helfer ahnen, dass hinter den Gewaltausbrüchen frühkindliche Traumata stecken, sind aber überfordert und nehmen die Aggression des Kindes persönlich. Mit Michael Heller (Albrecht Schuch) versucht ein Sozialarbeiter mit unkonventionellen Methoden, zu dem Kind durchzudringen, doch auch er strauchelt beim Vorgehen.

Der sorgfältig recherchierte und in den Hauptrollen überragend gespielte Film will weder anklagen noch urteilen, sondern wirbt mit großer Kraft um Verständnis für ein Kind, das mit extremen Ausbrüchen nach Halt und Geborgenheit sucht. Statt auf ein Sozialdrama setzt die Inszenierung auf eine starke affektive Anteilnahme der Zuschauer, die auch psychisch in das chaotische Erleben der Protagonistin involviert werden.

Kaum ein deutscher Film der letzten Jahre hat sowohl Aufmerksamkeit erfahren wie dieses Drama von Nora Fingscheidt (Interview mit der Regisseurin): Neben zahlreichen Auszeichnungen bei der „Berlinale“, dem Deutschen und dem Europäischen Filmpreis sowie auf diversen Festivals fand „Systemsprenger“ trotz des Themas und der schonungslosen Umsetzung auch im Kino rund 632.000 Zuschauer. – Sehenswert ab 14.

Hier geht es zum Film in der ZDF Mediathek

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