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Kinotipp: „A Black Jesus“

Freitag, 28.05.2021

Der Dokumentarfilm „A Black Jesus“ von Luca Lucchesi (jetzt als VoD) ist neuer „Kinotipp der Katholischen Filmkritik“

Diskussion

Endlich kommt nach dem langen Corona-Jahr wieder etwas Bewegung in die erstarrte Kultur- und Kinolandschaft, die sich Schritt für Schritt an Wiedereröffnungen herantastet. Der Verleih Filmwelt will diese Lockerungsübungen durch den digitalen Start des vielfach verschobenen Dokumentarfilms „A Black Jesus“ von Luca Lucchesi befördern. Mit finanzieller Beteiligung der Kinos ist „A Black Jesus“ auf www.filmwelt-digital.de zu sehen. (Einzeltickets gibt es für 12 EUR, Gruppentickets ab 10 Personen kosten à 10 EUR, ab 20 Personen à 8 EUR).

Der Film „A Black Jesus“ schildert in großzügigen Cinemascope-Aufnahmen den schwierigen Alltag einiger Migranten in einem Auffanglager der sizilianischen Kleinstadt Siculiana. Der Ort ist die Heimat des Regisseurs Luca Lucchesi, der zwei Jahren lang intensiv in der Gemeinde recherchiert und gedreht hat. Immer wieder sind die Flüchtlinge mit Vorurteilen und Anfeindungen konfrontiert, während sie auf eine Entscheidung des Gerichts über ihren Asylantrag warten.

In das politisch aufgeladene Spannungsfeld zwischen Rassismus und Toleranz kommt Bewegung, als vier schwarze Flüchtlinge an einer Prozession mit der von der Bevölkerung verehrten Statue eines schwarzen Jesus teilnehmen wollen. Seit vielen Jahrhunderten wird diese Statue in Siculiana verehrt. Der Wunsch eines jungen Flüchtlings aus Ghana, mit den Einheimischen die Jesusstatue in der großen Prozession am 3. Mai durch den Ort zu tragen, spaltet die Gemeinde.

Auf einer filmischen Reise, die den Ursprung von Angst und Vorurteilen gegenüber „den anderen“ erforscht, werden die Bewohner dieser kleinen europäischen Stadt aufgefordert, sich mit ihrer eigenen Identität auseinanderzusetzen, beginnend mit der Ikone ihres Glaubens: einem schwarzen Jesus.

In der Begründung führt die Katholische Filmkommission aus, dass der Film die Frage, „wie hältst Du es mit dem Fremden“ an einer christlichen Gemeinde ausformuliert. Das Thema wird vor dem Hintergrund der jährlichen Prozession und im Angesicht des dabei verehrten Kruzifixes durchdekliniert. Diese Zuspitzung zielt auf das das religiöse Brauchtum eines konkreten Ortes und seiner christlichen Gemeinde. Durch die Anwesenheit realer „schwarzer“ Menschen erhält die vielfach zur Folklore geronnene Volksfrömmigkeit eine neue Dringlichkeit. Sie wird auf ihren Kern hin befragt. Jeder Teilnehmer an der Prozession muss sich damit konfrontieren, was die Verehrung des schwarzen Jesus konkret für sein Leben und seinen Blick auf die Fremden bedeutet.

Durch die Figur des „Black Jesus“ kommt eine politische Dimension hinzu, die eine Auseinandersetzung mit gesellschaftlich brisanten Themen wie Migration, Integration, „Black Lives Matter“ und Teilhabe, auch im Zusammenhang mit dem eigenen Christentum, erzwingt. „A Black Jesus“ ist ein wichtiger Film, nicht nur für die Bildungsarbeit.



Der Kinotipp der Katholischen Filmkritik“ ist ein Label, mit dem auf dem Portal filmdienst.de Filme hervorgehoben werden, die in besonderer Weise religiöse Themen aufgreifen, von menschlichen Nöten, Sorgen und Hoffnungen erzählen und Antworten auf existenzielle Fragen formulieren.

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