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My Mexican Bretzel

Dienstag, 07.06.2022

Origineller Dokumentar-Hybrid über die vorgebliche Geschichte eines Paares - bis 5.6.2023 in der arte-Mediathek

Diskussion

Den Bildern ist nicht zu trauen, das gilt ganz allgemein für das Kino und im Besonderen für diesen hybriden Dokumentarfilm der Mexikanerin Nuria Giménez Lorang. Vordergründig ist in alten 8- und 16mm-Aufnahmen die fiktive Geschichte des gut situierten Schweizer Ehepaars Vivian und Léon Barrett zu sehen. Mitte des 20. Jahrhunderts platziert Léon ein Antidepressivum auf dem Markt, dessen Erfolg in den Gesellschaftsaufstieg und attraktive Urlaubsreisen ermöglicht. Hintergründig kommentiert werden ihre Erlebnisse, die von einer zunehmenden Entfremdung des Paars zu künden scheinen, durch Auszüge aus Vivians Tagebuch, das sie großzügig um Sinnsprüche des Philosophen P.K. Kharjappali anreichert.

Dieser allerdings ist ebenso frei erfunden wie die Barretts – in Wahrheit handelt es sich bei den Personen um Giménez Lorangs Großeltern Frank A. Lorang und Ilse G. Ringier, die Aufnahmen stammen aus Frank A. Lorangs Erbe. Die Regisseurin arrangierte das Material neu und unterlegte ihm dadurch sowie durch die Textauszüge eine gänzlich neue Interpretation.

Aus dem Film ist die Fiktion nur bei extrem genauem Aufpassen herauszulesen, wodurch er unweigerlich die Frage nach der Verantwortung aufwirft, die bei dokumentarischen Bildern geboten ist. Giménez Lorangs Antwort ist spielerisch, aber ohne abschließende Verbindlichkeit. Ihr Film erfordert zudem hohe Konzentration: Abgesehen von einigen Geräuscheffekten enthält er keinen Ton, während es etliche Untertitel zu lesen und mit dem Bildmaterial in Bezug zu setzen gilt. – Ab 14.

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