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Neuer Kinotipp: "Nicht ganz koscher - Eine göttliche Komödie"

Mittwoch, 10.08.2022

In der märchenhaften Parabel „Nicht ganz koscher“ sind ein orthodoxer Jude und ein palästinensischer Beduine aufeinander angewiesen, wenn sie bei ihrer Odyssee im Sinai nicht sterben wollen

Diskussion

Die märchenhafte Komödie „Nicht ganz koscher“ von Stefan Sarazin und Peter Keller ist neuer Kinotipp der Katholischen Filmkritik. Die beiden Filmemacher erzählen darin mit pointiertem Witz und sanfter Ironie von zwei Männern, einem orthodoxen Juden und einem stolzen Beduinen, die miteinander auskommen müssen, wenn sie aus der Wüste Sinai lebend herauskommen wollen.


Es waren einmal ein orthodoxer Jude und ein stolzer Muslim, deren Pfade sich in der Wüste Sinai kreuzten, weil der eine sein Kamel suchte und der anderen unterwegs nach Alexandria verloren gegangen war. Was den Regeln beduinischer Gastfreundschaft folgend nur drei Tage währen muss, entwickelt sich über die Notgemeinschaft hinaus zu einer echten Gefährtenschaft, die sich in bedrohlichen Momenten bewährt und in eine Freundschaft fürs Leben mündet. Die 99 Namen Allahs erweisen sich dabei als so ebenso wichtig wie jedes einzelne der 613 Mitzwots, jene Regeln, mit denen fromme Juden ein gottgefälliges Leben führen. Und wenn sie nicht gestorben sind…

Luzer Twersky spielt den orthodoxen Juden Ben (Alpenrepublik/Ludwig Sibbel)
Luzer Twersky spielt den orthodoxen Juden Ben (© Alpenrepublik/Ludwig Sibbel)

Für die Kinotipp-Jury schafft es „Nicht ganz koscher“ als parabelhaftes Märchen glänzend, die gegensätzlichen Pole des Films zusammenzuhalten. Es gibt ausreichend Realismus, damit man der Geschichte mit Interesse folgt, aber eben auch jede Menge utopisches Potenzial, um immer wieder zu schmunzeln und darauf zu hoffen, dass die Welt zu einem besseren Ort werden könnte. Der leise, eher verhaltene Humor wird mit ganz realen, existenziellen Sorgen und Nöten verknüpft. Es gibt zwei großartige Protagonisten, die ihre Rollen authentisch verkörpern und die zugleich als Stellvertreter für Kultur, Religion und Lebenshaltungen fungieren.

Auch weitere Personen sind liebevoll gezeichnet, bleiben aber am Rande der Geschichte. Mit den Mönchen des Katharinenklosters auf dem Sinai darf sogar die christliche Fraktion noch eine Vermittlerrolle spielen, um so die religiöse Typologie des Nahen Ostens zu vervollständigen.

Haitham Omari verkörpert den Beduinen Abdel (Alpenrepublik/Enigma Film)
Haitham Omari verkörpert den Beduinen Abdel (© Alpenrepublik/Enigma Film)

Der Film hat eine längere Entstehungsgeschichte (mehr als fünfzehn Jahre), was auch mit der Sensibilität des politischen Konfliktes und der Religionsstreitigkeiten in der Region zusammenhängt. Bereits die Busfahrt des orthodoxen Juden nach Ägypten macht anfangs deutlich, dass es keine einfachen Lösungen gibt und der Humor des Films immer auch eine bittere Note besitzt.

Als utopische Parabel über Kommunikation und Verständigung über kulturelle, religiöse und allgemeinmenschliche Grenzen hinweg ist „Nicht ganz koscher“ eine Einladung, sich von scheinbaren Gegensätzen, Gräben und ehernen Glaubensätzen nicht abschrecken zu lassen, sondern auf ein Wunder zu hoffen, und sei es ein Kamel, das einen in einer Zisterne vor dem Ertrinken bewahrt.


Nicht ganz koscher - Eine göttliche Komödie" läuft aktuell in den deutschen Kinos.


Der Kinotipp der Katholischen Filmkritik“ ist ein Qualitätssiegel, mit dem Filme hervorgehoben werden, die in besonderer Weise religiöse Themen aufgreifen, von menschlichen Nöten, Sorgen und Hoffnungen erzählen, Antworten auf existenzielle Fragen formulieren oder gegen den Status quo einer selbstzufriedenen Welt aufbegehren.

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