© MUBI ("Das Wolfhaus", der Caligari-Preisträgerfilm des Jahres 2018)

MUBI im Februar 2023

Freitag, 03.02.2023 14:25

Anlässlich der Berlinale präsentiert der Arthouse-Streamingdienst eine Reihe mit Festivalhighlights aus früheren Jahrgängen der Berliner Filmfestspiele.

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Am 16. Februar beginnt die 73. Berlinale, und MUBI nimmt das zum Anlass für einen Festivalfokus, der Highlights von den Berliner Filmfestspielen früherer Jahrgänge versammelt. Der Höhepunkt der Auswahl ist das iranische Drama „Doch das Böse gibt es nicht“ von Mohammad Rasoulof, das 2020 mit dem „Goldenen Bären“ und dem Preis der ökumenischen Jury geehrt wurde.


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Der Film versammelt vier Episoden rund um Protagonisten, die direkt oder indirekt mit der Todesstrafe im Iran zu tun haben oder konfrontiert sind. So kreist eine der Geschichten zum Beispiel um einen Soldaten, der im Todestrakt eines Gefängnisses arbeitet. Als er den Befehl erhält, einen verurteilten Mann hinzurichten, bringt er es jedoch nicht über sich, Folge zu leisten, und entscheidet sich letztlich, seine eigene berufliche Zukunft zu riskieren, indem er sich dem Befehl verweigert. In einer anderen Episode wird das Glück eines jungen Paares, bei dem der Mann gerade drauf und dran ist, seiner Liebsten einen Heiratsantrag zu machen, vom Tod eines Freundes getrübt, den das Regime hingerichtet hat.

"Doch das Böse gibt es nicht" (© Grandfilm)
"Doch das Böse gibt es nicht" (© Grandfilm)


Ein Drama um mexikanische Kartell-Gewalt

Im Rahmen seines Berlinale-Fokus präsentiert MUBI außerdem den mexikanischen Film „Robe of Gems“, der 2022 im Wettbewerb lief und dort den Preis der Jury gewann. Der Debütfilm von Natalia Lopéz kreist in Form eines verhaltenen Dramas um die Kartell-Gewalt in Mexiko und ihre Auswirkungen auf die Menschen, festgemacht an den miteinander verflochtenen Geschichten dreier unterschiedlicher Frauen, deren Leben auf die ein oder andere Art von den Umtrieben der kriminellen Banden berührt wird. Auf Szenen expliziter Gewalt wird dabei fast komplett verzichtet; dem Film geht es vor allem darum, zu zeichnen, wie die Gewalt den Alltag überschattet, und den sozialen Boden zu vermessen, auf dem die kriminellen Strukturen gedeihen.

Auch Ruth Beckermanns spannungsvolles Dokumentar-Projekt „Mutzenbacher“ feierte bei der Berlinale 2022 seine Premiere und läuft nun bei MUBI: Männer aus unterschiedlichen Jahrgängen und Verhältnissen werden zu einem Casting geladen, bei dem sie aus dem 1906 erschienenen Roman „Josefine Mutzenbacher oder Die Geschichte einer Wienerischen Dirne“ vorlesen und über ihr Verhältnis zu diesem Text, einem skandalumwitterten Klassiker der erotischen Literatur, und über ihre eigenen sexuellen Erfahrungen und Wünsche berichten.

"Mutzenbacher" von Ruth Beckermann (Ruth Beckermann Filmproduktion)
"Mutzenbacher" von Ruth Beckermann (Ruth Beckermann Filmproduktion)

Schließlich gehört zu der Berlinale-Reihe auch noch ein außergewöhnlicher chilenischer Animationsfilm, der 2018 im Rahmen des „Internationalen Forum des jungen Films“ den von filmdienst.de mitvergebenen Caligari-Filmpreis errang. In Anlehnung an die berüchtigte Colonia Dignidad in Chile entfaltet "Das Wolfhaus" in Form einer Puppenanimation eine düstere (Alb-)Traumerzählung über die Ängste einer jungen Frau, die verzweifelt versucht, einem unheimlichen Haus zu entkommen. Ein surrealer Versuch, einen suggestiven Ausdruck für reale Schrecken zu finden.


Im Fokus: Lars von Trier

Neben dem Berlinale-Schwerpunkt präsentiert MUBI im Februar außerdem einen Fokus aufs Werk des dänischen Filmemachers Lars von Trier. Gezeigt wird dabei unter anderem das fiebrige Ehe- und Trauerdrama „Antichrist“ um ein Paar (gespielt von Charlotte Gainsbourg und Willem Dafoe), das sich nach dem Unfalltod seines Kindes in ein Haus im Wald zurückzieht und mit dem Verlust leben zu lernen versucht. Doch statt einen Weg zu so etwas wie Heilung zu finden, zerbrechen sowohl die beiden als auch ihre Beziehung mehr und mehr, was zum verstörenden Horrortrip gerät. Außerdem zeigt MUBI auch „Melancholia“, die Geschichte zweier Schwestern, die festgemacht an der Hochzeitsfeier einer der beiden einen im wahrsten Wortsinn apokalyptischen Abgesang auf bürgerliche Rituale und ihrer Abgründe anstimmt.

Im Februar ist der Monat des Valentinstags, und passend dazu hat MUBI jede Menge Filme im Programm, in denen es um Liebe, Lust und die mit ihnen einhergehenden Verwirrungen geht. Neben dem Klassiker „Dirty Dancing“ gehören dazu diverse Arthouse-Perlen aus den letzten Jahren. So zum Beispiel „Porträt einer jungen Frau in Flammen“ von Céline Sciamma, ein Historienfilm um eine Porträtmalerin im 18. Jahrhundert, die ein Bild einer jungen Adligen für deren Bräutigam anfertigen soll und sich im Zug der Arbeit in die Porträtierte verliebt.

"A Tale of Love and Desire" (© MUBI)
"A Tale of Love and Desire" (© MUBI)

Außerdem ist „A Tale of Love and Desire“ von Leyla Bouzid zu sehen. Ein 18-Jähriger mit algerischen Wurzeln studiert in Paris an der Sorbonne und gerät in einen heftigen emotionalen Zwiespalt, als er in einem Seminar mit arabischer Literatur erotisch-amourösen Inhalts Bekanntschaft macht und sich in eine selbstbewusste, offenherzige tunesische Mitstudentin verliebt: Sowohl die Texte als auch die Frau wecken sein eigenes Begehren, dies kollidiert jedoch mit seiner anerzogenen Körperfeindlichkeit, die Sexualität als etwas Schmutzig-Bedrohliches abwertet.


Die MUBI-Starts im Überblick


1. Februar

Softie


2. Februar

Phantom Project


3. Februar

Durst


4. Februar

Volubilis


5. Februar

Antichrist (Lars von Trier Fokus)


6. Februar

Aphotic Zone (Emilija Škarnulytė Fokus)


7. Februar

Burial (Emilija Škarnulytė Fokus)


8. Februar

The World After Us (Berlinale)


9. Februar

A Wild Patience Has Taken Me Here (Kurzfilm)


10. Februar

Funny Games


11. Februar

Dirty Dancing


12. Februar

Malcolm X


13. Februar

A Tale of Love and Desire


14. Februar

Porträt einer jungen Frau in Flammen


15. Februar

Technoboss


16. Februar

Mutzenbacher (Berlinale)


17. Februar

Doch das Böse gibt es nicht (Berlinale)


18. Februar

Broadway Therapy


19. Februar

Melancholia (Lars von Trier Fokus)


20. Februar

Robe of Gems (Berlinale)


21. Februar

The Journey of the Comets


22. Februar

Das Wolfhaus (Berlinale)


23. Februar

A Tale of Three Sisters


24. Februar

Burning


25. Februar

Callgirl


26. Februar

The King’s Speech


27. Februar

Der Löwe mit den sieben Köpfen


28. Februar

Die Werckmeisterschen Harmonien

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