Zhili ist ein Vorort der chinesischen Stadt Huzhou, etwa 150 Kilometer von Shanghai entfernt. Auf einer Fläche von 25 Quadratkilometern leben dort etwa 450.000 überwiegend junge Menschen. Die Stadt ist eines der vielen Textilzentren im Südosten Chinas. Am Südufer des Taihu-Sees hat sich das größte chinesischen Produktionsstädten für Kinderbekleidung entwickelt; zwei Drittel der gesamten chinesischen Produktion stammen von hier.
Im ersten Teil der insgesamt rund 12 Stunden langen Trilogie von Wang Bing geht es um die jungen Zeitarbeitskräfte aus den armen Provinzen Anhui und Henan, die in privaten Textilwerkstätten wie Sklaven schuften. Auf Chinesisch werden sie "Arbeiter-Bauern" genannt, denn ihr eingetragener Wohnsitz bleibt auf dem Lande. In der Stadt können sie sich nicht niederlassen, weil sie dort keinerlei Anspruch auf Sozialleistungen wie Schulbildung, Sozialversicherung oder Rente haben. Die Zeitarbeit in der Textilindustrie ist für diese jungen Arbeitskräfte eine Möglichkeit, schnell Geld zu verdienen, bevor sie wieder in ihre Dörfer zurückkehren.
Die Kamera ist der unsichtbare Begleiter der Menschen und fängt mit epischer Geduld Erlebnisse und Äußerungen der Protagonisten ein. Auch ohne Kommentar wird eine harsche Kritik an einer Welt spürbar, welche die Arbeitskraft ihrer Jugend schamlos ausnutzt, kaum Raum für persönliche Entfaltung lässt und jede Form von Arbeitnehmerrechten oder soziale Absicherung vernachlässigt. – Sehenswert ab 14.
Hinweis
Die beiden anderen Teile von „Jugend“ laufen am
6.8., 00.30-04.20 Jugend – Harte Zeiten
13.8., 01.35-04.05 Jugend – Die Heimkehr