Erdachte und getragene Kostüme

Gisela Storch-Pestalozza, geb. am 17. Juli 1940 bei Hamersleben, absolvierte eine Lehre in einem Haute Couture-Salon in Hannover und besuchte anschließend die Deutsche Meisterschule für Mode in München. Nach einem Praktikum an der Hamburger Staatsoper 1962 wechselte sie zum Sprechtheater und arbeitete als Gewandmeisterin für das Schauspielhaus Hamburg und die Landesbühne Hannover. 1973 kam es bei der „Räuber Hotzenplotz“-Verfilmung mit Gert Fröbe zur ersten Zusammenarbeit mit der „Theaterkunst“. Im selben Jahr lernte sie Werner Herzog kennen, mit dem sie zahlreiche Filmprojekte realisierte. Die Dreharbeiten zu „Fitzcarraldo“ (1979-82) fanden unter extremen Bedingungen im Amazonas-Gebiet statt, doch auch dort ließ sie nach historischen Schnitten fertigen. Bei „Cobra Verde“ (1987) arbeitete sie erneut mit der Theaterkunst zusammen. Zwischen den (auch internationalen) Filmprojekten ist Gisela Storch-Pestalozza immer wieder für Theater und Oper tätig, insbesondere für die Berliner Schaubühne. Seit Anfang der 1980er-Jahre arbeitet sie mit Ulrike Ottinger zusammen, für deren Film- und Bühnenwerke sie artifizielle, fantasievolle Kostümbilder entwirft. Die Arbeit mit Autorenfilmern und einem eher geringen Budget empfindet sie als anregende Herausforderung. Sie haben eine beeindruckende Filmografie vorzuweisen, mit Autorenfilmern wie Werner Herzog und Ulrike Ottinger anspruchsvolle Filme gedreht, am Theater mit Regisseuren wie Stein, Tragelehn und Neuenfels zusammengearbeitet. Wie sind sie zu Ihrem Beruf gekommen? War das eine gradlinige Entwicklung? Storch-Pestalozza: Im Grunde genommen schon. Ich bin unter Bäumen groß geworden. Meine Familie war nie sesshaft, wir mussten oft umziehen, sind dann geflohen, von einem Ort zum anderen, und so hatte ich es furchtbar schwer mit dem Schulbesuch. Ich saß immer zu Hause und nähte und bastelte. Waren Ihre Eltern in künstlerischen Berufen tätig? Storch-Pestalozza: Nein, gar nicht, mein Vater war Landwirt. Aber ich nähte bereits als Kind meine Puppenkleider selbst, das hat mir viel Spaß gemacht. Dann ging ich in die Lehre, in einen Haute-Couture-Salon in Hannover. Anschließend besuchte ich die Modeschule, die Meisterschule für Mode in München. Aber die Mode, das war mir doch zu einseitig. Sie wollten freier, kreativer arbeiten? Storch-Pestalozza: Ja, kreativer! Ich ging daher zur Staatsoper nach Hamburg. Da machte ich erst ein Praktikum, George Balanchine war dort Choreograf. Ich arbeitete also mit bei „Schwanensee“ und „Feuervogel“, diese ganzen wunderbaren russischen Ballette. Das Musiktheater kannte ich dann, und nun wollte ich zum Sprechtheater. Ich wechselte zum Hamburger Schauspielhaus und begann anschließend als Kostümassistentin beim NDR. Und dann wollte ich zum Film. Das war die nächste Herausforderung...

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