Niederlage. Befreiung. Neuanfang.

Berlin 1945. In der zerstörten Reichskanzlei steht inmitten der Trümmer ein Globus. Während im Kopf die Bilder vom zärtlich-verträumten Ballett des Führers Hynkel allein mit der Welt »en miniature« aus »Der große Diktator« auftauchen, konfrontiert Juli Raismans Frontbericht vom Vorstoß der Roten Armee auf Berlin den Zuschauer mit der Wirklichkeit von Hitlers Plänen für die Eroberung der Welt. Raisman nähert sich in »Berlin« seinem eigentlichen Thema wie in einem Zoom: Auf die größenwahnsinnigen Pläne Hitlers folgt das Zurückdrängen der Wehrmacht durch die Rote Armee nach deren Sieg in Stalingrad – Fluss um Fluss rücken die sowjetischen Truppen vor, schießen die Kanonen, rennen die Infanteristen, stürmen die Pferde, rollen die Panzer bis an die Oder, den Ausgangspunkt des Vormarsches auf Berlin. In den Bildern und dem begleitenden Kommentar ist der berechtigte Stolz auf die militärische Leistung nicht zu überhören: In nur fünf Tagen stieß die Rote Armee von der Oder an den Stadtrand von Berlin vor, 17 Tage später hatte Berlin kapituliert. Raisman montiert das Blitzen der Explosionen und das fortwährende Dröhnen der Motoren beim fünftägigen Vorstoß von der Oder bis an den Ortsrand von Berlin zu einer energischen Erzählung. An der Ortsgrenze ändern sich die Bilder und Töne, Bilder der deutschen Zivilbevölkerung mischen sich in die Kampfszenen. »Berlin« entstand innerhalb weniger Wochen aus den Bildern der Frontkameraleute. Der Film ist einer der ersten durchkomponierten Filme über die letzten Kriegsmonate. Anfang Mai wird der Film zum Jahrestag der deutschen Kapitulation eine Retrospektive im Zeughauskino in Berlin eröffnen, die sich unter dem Titel »1945 – Niederlage. Befreiung. Neuanfang« mit Filmen aus elf Ländern an einem Mosaik der »Stunde Null« versucht. Auf der Suche nach Authentizität und Wirklichkeit Filme wie »Berlin« versuchten nach Kriegsende, den Bevölkerungen Europas verständlich zu machen, was um sie herum passiert war. Bevor sich die Nachkriegsordnung 1948/49 zu festigen begann, trat der Kalte Krieg hinter der gemeinsamen Kriegser­fahrung der Sowjetunion und der Westalliierten zurück. In der Retrospektive ist dies unter anderem am Beispiel von Henri Cartier-Bressons »Le retour« zu sehen. Zeitgleich entstanden Filme über die Bedeutung des Widerstandskampfs in den verschiedenen Ländern. Der d

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