Primat des Pessimismus

Vor nahezu 50 Jahren begann mit »Planet der Affen« die Kinoserie um eine dystopische Zukunft, in der intelligente Affen dem Menschen die Vorherrschaft auf der Erde streitig machen. Seitdem entstanden zahlreiche Fortsetzungen und wurden zu »Zeitgeist-Seismografen«, die weit weniger Interesse an Zukunftsträumen als an gegenwärtiger Gesellschaftskritik hatten. Seit 2011 ist der Stoff, der einst vom Klima des Kalten Kriegs geprägt wurde, als Reboot-Reihe wieder im Kino zu erleben. Wobei der düstere Blick auf das Wesen des Menschen derselbe geblieben ist. Der Mensch entkommt sich nicht. Egal, wie weit er reist, am Ende seiner Expedition durch Raum und Zeit blickt er doch wieder in seine eigene Fratze. Schock und Verzweiflung prägen eine der ikonischsten Szenen der Filmgeschichte: Astronaut George Taylor, gespielt von Charlton Heston, fällt vor der halb im Sand vergrabenen Freiheitsstatue auf die Knie und verflucht, von den Wellen des Atlantiks umspült, die gesamte Menschheit, die sich selbst zugrunde gerichtet hat: „You Maniacs! You blew it up! Ah, damn you! God damn you all to hell!“ Denn eigentlich gibt es keinen „Planet der Affen“. Was er für eine ferne, fremde Welt gehalten hat, entpuppt sich als der Planet der Menschen, die gute, alte Erde. Oder zumindest als das, was von ihr noch übrig ist. Von Pessimisten und Propheten Die nunmehr fast 50 Jahre alte Kinoreihe „Planet der Affen“ war nie an fernen Galaxien oder großen Zeitreisen interessiert, sondern immer nur an wechselnden Masken für das Hier und Jetzt. Das Weltbild der Serie, die auf dem gleichnamigen Science-Fiction-Roman des französischen Autors Pierre Boulle aus dem Jahr 1963 basiert, ist dabei durch und durch negativ. Es sind Filme mit Appell-Charakter, satirische verkleidete Warnrufe. „Du bist solch ein Pessimist!“, heißt es einmal in „Die Schlacht um den Planet der Affen“ (1973), gefolgt von der Erwiderung: „Oder ein Prophet…“ Die meisten der neun bislang erschienenen Filme enden auf einer düsteren oder sogar apokalyptischen Note. Innergesellschaftliche Spannungen schlagen früher oder später in Gewalt um, Nuklearwaffen und Seuchen beenden das Anthropozän mit einem Ausrufezeichen. Der Mensch, der in den Filmen präsentiert wird, ist schlecht und von Natur aus gewalttätig, Ausnahmen gibt es nur wenige. Der Affe ist sein Abbild, dem er im ewigen darwinistischen Verdrängungskampf gegenübersteht. Mit jedem weiteren Film

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